Was könnte der deutschen Nationalmanschaft helfen?

Nach Platz 3 bei der WM2006 und der Final-Teilnahme bei der EM2008 kann man sich sicher sein: die deutsche Nationalmanschaft ist auf einen guten Weg. Ein radikaler Schnitt wäre also vollkommen unsinnig. Aber wie Jogi Löw immer so schön sagt “konstruktive Kritik ist immer wichtig”.

Aber was fehlt unserer Manschaft noch? Was könnte man besser machen? Für detaillierte Antworten fehlt uns Außenstehenden natürlich nicht nur der Einblick, auch die Qualifikation. Das heißt aber nicht, dass man nicht seine Eindrücke bei solchen Gedanken verarbeiten sollte.

 

Fitness
Die Aussage “ich könnte direkt wieder auflaufen”, gesagt von Bernd Schneider während der WM 06, kam mir wieder in Erinnerung, als Ballack nach dem Finale sagte: “Wir wollten, aber wir konnten nicht mehr.”.
Während das Team 2006 noch in der 120. Minute den Eindruck machte man könne den Gegner überrennen, fehlte 2008 irgendwie die Spritzigkeit in einigen Situationen. Ohne die Fitness-Coaches in Frage zu stellen, sollte man sich die ganze Situation einmal kritisch anschauen und prüfen, ob es diesmal zu irgendeinen Fehler kam. Vielleicht sind die Spieler auch allgemein mehr gelaufen und waren deswegen am Ende des Turniers ohne Kraft – auf jeden Fall ein Punkt an den man arbeiten sollte.

Technik-Trainer
Das unsere Standart-Situationen zum Teil wirklich eine Katastrophe sind, ist bekannt. Es ist mir ziemlich unverständlich, warum wir uns einer solchen Waffe berauben.
Natürlich können nach Ecken und Freistößen nicht regelmäßig Tore fallen. Aber die Situationen sollten für unsere Gegner stets eine große Gefahr darstellen. Wenn die Standarts so brandgefährlich sind das der Gegner solche Situationen überhaupt nicht zulassen darf – profitieren wir davon ungemein. Der Gegner darf den Ball nicht einfach über die Tor-Aus Linie schlagen, denn es würde ein brandgefährlicher Eckstoß folgen. Er darf den deutschen Angreifer nicht einfach vor dem Strafraum foulen, es würde ein brandgefährlicher Freistoß erfolgen. Das zwingt Gegner dazu, größeres Risiko zu gehen. Im Endeffekt profitieren wir so doppelt und dreifach.
Hoch rein, Kopfball, Tor – das könnte nicht die einzige Lösung sein, zumal das ja in den meisten Fällen sowieso noch nicht funktioniert.

Der deutschen Elf würde eventuell ein weiterer Spezial-Trainer weiterhelfen. Einer, der mit den “Standart-Schützen” und Komparsen auch mal verrückte Kombinationen einstudiert.
Blitzschnelle und genau abgesprochene Abläufe mit denen der Gegner nicht rechnet und die einfach einmal im Spiel eingestreut werden könnten.
Im Focus sollte natürlich die allgemeine Verbesserung der Standarts stehen. Die Vorteile liegen auf der Hand.

Große oder eingespielte Gegner
So schön Freundschafts- und Test Spiele gegen kleine Gegner auch sind um sich einzuspielen, ich denke das es ganz wichtig ist gelegentlich gegen sehr gute eingespielte Manschaften zu spielen. Es müssten nicht einmal die typischen Nationalteams sein, es könnten auch eingespielte Vereins-Manschaften aus der 1. oder 2. Liga sein. Eine Möglichkeit wäre es vielleicht, wenn man Trainingsspiele von beispielsweise 2×20 Minuten gegen 2.Liga-Teams spielt.

Akzeptanz von Führungsspielern die nicht trumpfen
Das ist etwas, was sicherlich nicht nur die deutsche Elf betrifft. Das ist fast überall so. Wenn der Führungsspieler auf den Platz einen schweren Stand hat – eventuell weil er nicht richtig fit ist, vom Gegner aus dem Spiel genommen wird oder ähnliches, dann ist er auch verbal abgemeldet und zieht sich zurück.
Ein Michael Ballack, als Kapitän, sollte nicht nur gehört werden, wenn er gut spielt. Auch wenn er völlig abgemeldet ist, ist er ein Führungsspieler dessen Wort auf dem Platz zählen sollte. Das sollte man den Spielern – und auch Ballack selber – einimpfen.

Mehrere Systeme
Ich habe bereits vor einigen Wochen über die neue Flexibilität im deutschen Spiel geschrieben und war begeistert davon, wie man auf diese Weise durch 1-2 Einwechslungen das komplette Spiel umstellen könnte. Sicherlich sind die Spielsysteme Interpretationssache – aber wenn das komplette Spiel, inkl. Spieler u. Gegenspieler, durch 1-2 Wechsel auf den Kopf gestellt werden kann, sollten wir unbedingt daran weiter arbeiten. Das Gegner uns nicht ausrechnen können, ist doch eine wirklich positive Eigenschaft am Spiel.
Ob nun das 4-4-2 eine Basis sein soll oder nicht, wichtig ist es, alles drauf zu haben und auch im laufenden Spiel ein System ändern zu können. Die Spieler dafür sind vorhanden, wir berauben uns erneut einer eigenen Stärke, wenn wir darauf verzichten. Gerade in der Weltspitze ist die Leistungsdichte enorm eng, da sollten wir nicht Dinge die den Unterschied ausmachen könnten, verzichten.

Keine Vereinsangelegenheiten bei der Nationalelf
Zukünftig würde ich jegliche Fragen rund um den Verein, dazu gehören auch Vertragsgeschichten, strikt während des Aufenthaltes bei der Nationalmanschaft verbieten. Vereine mögen es ja auch nicht, wenn Fragen zur Karriere im Deutschland-Trikot gefragt wird, während der Verein sich beispielsweise im Meisterschaftskampf befindet. Warum soll es andersrum anders sein?
Es kann einfach nicht sein das Stürmer aus 2 Meter kein leeres Tor treffen, aber in der Presse nur ein möglicher Wechsel thematisiert wird. Da muss der DFB notfalls auch einmal die Vereine an den Kragen packen und fragen was das soll.