#DieMannschaft als Pflichttermin

Symbolbild Holger Badstuber Fussballschuhe dreckigSchon Monate vor dem Confed Cup begann zwischen dem Verband und den Vereinen die Diskussionen darum, wer an dem Turnier in Russland teilnehmen muss und wer zu Hause bleiben darf.
Das ist einer Nationalmannschaft unwürdig. Schuld daran sind aber nicht nur die Beteiligten, sondern vor allem eben auch die Ausreizung sämtlicher Optionen in Sachen Spielplangestaltung.
Mir gefällt die Idee schon seit langer Zeit, die Personalkosten in den Vereinen nicht länger in die Spitze, sondern lieber in die Breite zu verteilen. Das heißt, es gibt für den einzelnen Spieler weniger Millionen auf dem Konto, dafür einen breiteren Kader und mehr Rotation in den Spielen. Die Belastung könnte man, wie schon so oft geschrieben, auf diesem Wege minimieren.

Allerdings ist das keine Lösung für ein anderes Problem. Am Sonntag spielt die Mannschaft gegen Aserbaidschan in der WM-Qualifikation.
Ich bin allerdings gar nicht bereit für die Nationalmannschaft. Vielmehr befinde ich mich noch voll im Vereinsmodus, möchte lieber den Endspurt um die deutsche Meisterschaft, das DFB Pokalhalbfinale der Bayern gegen Dortmund und die nächste Runde in der Champions League sehen.
Und scheinbar geht es nicht nur mir so. Als es am Mittwoch in Dortmund gegen England ging, hätte der deutsche Fussballfan normalerweise alles geben müssen, um diesen Klassiker live im Stadion erleben zu dürfen. Das überhaupt ein paar Fans zu hören waren, lag allein daran, dass Lukas Podolski sein Abschiedsspiel gab.

Während die Vereine zu diesem Zeitpunkt das 10fache an Tickets für ein Viertelfinal-Spiel der Champions League verkaufen könnten, muss die Nationalmannschaft in der gleichen Phase überlegen, ob man vielleicht Schulklassen mit Bussen abholt, um das Stadion zu füllen.
Das sollte doch langsam mal zu denken geben.

Kein Problem ohne ein Lösungsansatz: die Qualifikationen müssen in zeitlichen Blöcken gespielt werden. Wann immer man diese Quali-Phasen auch installiert, vielleicht als Auftakt aus der Winterpause oder im Anschluss einer – dadurch früher endenden – Bundesligasaison.
Fakt ist, dass ich als Zuschauer gern die Möglichkeit hätte, von dem Vereinsmodus auf „Schwarz-Rot-Fussballgold“ umzuschalten, um auch wirklich mit dem ganzen Herzen dabei sein zu können.
Denn eins ist klar: die Nationalmannschaft sollte stets ein hohes Gut bleiben. Und so einen Gruselkick wie zwischen Deutschland und England, den braucht wirklich kein Mensch.

Filmreifer Abschied: Danke, Prinz Poldi!

Lukas Podolski

Das kannst Du Dir nicht ausdenken…
Das letzte Spiel von Lukas Podolski mit dem Adler auf der Brust. Ein letztes mal für Deutschland. In einem Klassiker gegen den alten Rivalen England. Und dann packt der Kölner Prinz Poldi seinen linken Hammer aus und schießt die Mannschaft mit seinem 49. Länderspieltor zum Sieg.
„Wie in einem Drehbuch. Aber als Regisseur wäre mir das zu kitschig gewesen, das glaubt einem dann keiner mehr!?“, sagte Thomas Müller lachend im Interview nach dem Spiel.

Über Lukas Podolski könnte man sicherlich viel sagen. Menschen, die ihm näher stehen, könnten wohl sogar Bücher füllen.
Für Außenstehende bleibt wohl am ehesten seine Unbekümmertheit, seine Frohnatur und auch seine klaren Ansagen in Erinnerung. Ein Original, der häufig durch seine direkte Art auffiel und beeindruckte.
Eine Ohrfeige für seinen Kapitän, den Wampentatscher bei Uli Hoeneß, seine Ansage zum Thema „Maskottchen“ oder die 80%-Analyse im Eier kraulen: man wusste bei Podolski, woran man war.
„Geiles Spiel, geiles Tor, geiler Tag, geiler Abschied, mit einem geilen Sieg….“, Prinz Poldi schien zufrieden am Ende des Tages. Und das muss man als Fan der Mannschaft auch mit der Nummer 10 sein.

Danke, Prinz Poldi. Alles Gute für die Zukunft und hoffentlich bleibt das Kölsche Original dem deutschen Fussball nach seiner Zeit im Japan erhalten.

Bild: ARD Screenshot

Ein Fussballgott für Chicago |#Schweinsteiger #ChigagoFire|

bastian schweinsteiger chicago fire trikot rückennummer

Es ist offiziell: Bastian Schweinsteiger wird am Ende der Saison Manchester United verlassen und für mindestens ein Jahr bei Chicago Fire spielen.

Obwohl es durchaus den einen oder anderen Kommentar dazu gegeben hat, darf man den Wechsel nicht als Niederlage sehen. Schweinsteiger geht mit großen Schritten seinem Karriereende entgegen. Das er sich da nicht mehr auf höchstem Niveau zu 100% durchsetzen konnte, war verständlich. Aber eine Niederlage? Nein, dann wäre er beim ersten Anzeichen des Trainers schon mit gepackten Koffern am Flughafen gestanden. Wenn man es schon als Wettkampf-Ergebnis darstellen will, dann war es ein situationsbedingtes Unentschieden.

Der Schritt in die USA ist für den Weltenbummler Bastian Schweinsteiger wahrscheinlich genau richtig. Und das ist ganz unabhängig von den sportlichen Themen. „Schweini“ wirkte schon immer etwas weltoffener und reisefreudiger, als beispielsweise sein Bayern-Kollege Philipp Lahm, der einfach etwas heimatverbundener ist.
Schon seinen Wechsel zu ManU konnte man mit einem „…der Junge muss halt mal raus…“ akzeptieren. Obwohl das so klingt, als hätte man das als Außenstehender irgendwie mit zu bestimmen. Oder als ob Schweinsteiger noch ein Junge wäre. Beides natürlich völlig unzutreffend und eher als symbolische Aussage getroffen.

Die geschätzten 4.2 Millionen Euro Gehalt, die derzeit in den Medien genannt werden, dürfte der Weltmeister durchaus wert sein. Die Aufmerksamkeit, die der Club Chicago Fire durch diesen Transfer aus Europa, aber vor allem aus Deutschland, bekommt, hat eben auch seinen Preis. Und es würde mich wundern, wenn ADIDAS als treuer Partner nicht erfreut darüber wäre, das ein oder andere Schweinsteiger-Trikot in Chicago verkaufen zu können.
Der Spieler selbst verzichtet aber scheinbar auf Gehalt. Anstelle seines Wechsels in die USA hätte Schweinsteiger auch in Manchester seinen Vertrag aussitzen können: für ca. 10 Millionen Euro mehr.
Aber die MSL bietet ihm wohl auch die besseren Chancen, noch das ein oder andere Spiel zu bestreiten. Und die geballte Ladung Fussballerfahrung dürfte im Soccer-Entwicklungsland USA wohl auch gefragt sein.
So gesehen hat alles Hand und Fuß. Und Chicago Fire in der nächsten Saison einen Fussballgott.