Clever: Der Kniefall von Berlin

91-header_transAm vergangenen Samstag ging Hertha BSC im Bundesliga-Spiel gegen Schalke04 gleich zwei mal in die Knie.
Aus PR-Gründen vor dem Spiel. Und mit der 0:2 Niederlage auch nach dem Spiel.

Die Kniefall-Aktion der Berliner ist eines der Themen des Spieltages. Genau so hatte man es sich in der Marketingabteilung wahrscheinlich gewünscht. Nur die Richtung, in der die Diskussion geht, mit der hätten sie wahrscheinlich nicht gerechnet.

Überwiegend wurde das Vorhaben nämlich durchschaut, dass die Idee, die nicht von den Spielern stammte, eine reine PR-Aktion war.

Mit der Kritik sollte man aber vorsichtig sein. Vor wie vielen Spielen haben wir Spielführer von Mannschaften gesehen, die irgendein Anti-Rassismus Text der UEFA aufsagen mussten. Wie viele Spieler sind auf ihre Vereinsbosse zugegangen und haben aus eigenen Antrieb darum gebeten, dass der Verein mal mit einem Anti-Rassismus Trikot auflaufen könnte?

Am Ende des Tages sind die sozialen Engagements der Vereine und Verbände doch fast ausschließlich als Unternehmensziele mindestens in enger Zusammenarbeit, wenn nicht sogar im Alleingang, einer PR-Abteilung entstanden.

Das die Berliner es nun im Alleingang nutzten und von ihrer Idee nicht versuchten die ganze DFL zu überzeugen, gilt unternehmenstechnisch wohl als cleverer Schachzug. Das sie dafür in Deutschland heftige Kritik einstecken müssen, damit rechneten sie vielleicht nicht, aber es kann ihnen egal sein. Am nächsten Spieltag ist es dann wieder ein anderes Thema.
Aber die weltweiten Berichte über die Aktion, die bleiben. Und wenn nur 50% der Menschen im Ausland etwas positiven abgewinnen können, sind das immer noch 50% mehr internationale Wahrnehmung, als die Hertha ohne diese Aktion generieren konnte.

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Spürbar: Der “Jupp Effekt” erreicht das Team

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Jupp Heynckes konnte am Samstagnachmittag gegen Freiburg einen gelungenen Vierstand* feiern!

*…oder wie nennt man das, wenn jemand zum vierten mal den gleichen Job antritt?

Die fünf Toren gegen Freiburg waren toll anzusehen. Und auch das Spiel des FC Bayern München war phasenweise wieder ein kleines Erlebnis.
Aber die bemerkenswertere Szene fand in der 93. Minute statt.

Joshua Kimmich leitete den letzten Angriff im Spiel ein. In einer eher ausweglosen Situation bekam er den Ball und leitete ihn mit viel Geschick und Gefühl in der Hacke um den gegnerischen Torhüter herum. Langsam aber sicher rollte der Ball zum 5:0 Entstand über die Torlinie. Begleitet wurde er dabei von den Blicken des Torjägers Robert Lewandowski.

Der Mann, der unbedingt in diesem Jahr die Torjäger-Kanone der Bundesliga gewinnen will, hätte nur mit dem Fuß zucken müssen, um Kimmich das Traumtor abzunehmen. Stattdessen spielte er nur Begleitschutz für den Ball und stellte sich somit hinter dem neuen Shooting-Star.

Das ist fair play und gehört sich so. Aber ich wäre mir nicht sicher, ob Lewandowski in einer vergleichbaren Situation vor 2-3 Wochen nicht doch noch den Fuß ausgestreckt hätte. Ich schreibe es dem “Jupp-Effekt” zu, der scheinbar auf dem besten Wege ist, wieder ein Team aus der Mannschaft zu formen.

Die T-2018 Frage des FC Bayern München

t2018

Um am Samstagnachmittag um 15.30 Uhr gegen den SC Freiburg wieder auf die sonnige Erfolgsseite des Fussballerlebens zurück zu kehren, braucht der Verein eigentlich auch eine gewisse Ruhe. Ruhe, aus der Kraft geschöpft werden soll. Das kann man sich derzeit aber irgendwie gar nicht vorstellen.

Während der offiziellen (Wieder-)Vorstellung von Jupp Heynckes wollten die Bayern-Bosse nicht näher auf die Frage eingehen, die Fans und Medienvertreter gleichermaßen interessierte: wer könnte wohl ab 2018 Trainer des FC Bayern München werden?
Später antwortete Rummenigge einem Journalisten, dass Thomas Tuchel definitiv nicht aus dem Rennen sei. Die BILD machte online direkt eine große Schlagzeile daraus. Ein kleiner Vorgeschmack darauf, was uns in den nächsten Monaten bevorsteht. Denn eins ist auch klar: die Medien werden bei jedem Trainer irgendeine Verbindung zur Stadt München finden. Und sei es nur ein Cousin dritten Grades, der in der Gegend noch einen leeren Wohnwagen stehen hat. Jedes mal wird daraufhin ein neuer Name diskutiert…

Da Jupp Heynckes auf der Pressekonferenz von einem deutschen Trainer sprach, konzentriere ich mich heute, hoffentlich vorläufig zum letzten mal, auf die drei Top-Kandidaten.

Jürgen Klopp
✔ nationale und internationale Erfahrungen
✔ kann mit Stars und Nachwuchsspieler
✔ gilt als “Menschenfänger” und kann alle im Verein für seine Vorhaben begeistern
✕ laufender Vertrag
✕ fragwürdiges Verhältnis zum FC Bayern, stichelte auch noch aus Liverpool gegen den Verein, fühlt sich wahrscheinlich noch zu sehr dem BVB verbunden
✕ bekam bereits 2x vom FC Bayern eine Abfuhr, als die sich für Klinsmann und Guardiola entschieden und es nicht mehr als eine lockere Anfrage gab

Julian Nagelsmann
✔ gilt als großes Trainer-Talent und Hoeneß-Wunschkandidat
✔ könnte als Zeichen des Umbruchs kommen und auch junge Spieler fördern
✔ bezeichnet FC Bayern als seinen Traum, Identifikation pur
✕ kaum Erfahrung, schon gar nicht auf diesem Level
✕ könnte nur über Erfolg sein Standing vor den Stars der Mannschaft ausbauen
✕ hätte idealerweise einen starken Sportdirektor wie Sammer zur Seite, findet aber nur Salihamidzic vor

Thomas Tuchel
✔ mittelmäßige Erfahrung, zwischen Nagelsmann und Klopp einzuordnen
✔ vom Fussball besessen, gilt als “Mini-Guardiola” und könnte dessen Spielidee aufgreifen
✔ hat noch eine Rechnung mit dem BVB offen und wird dafür auch wohl nicht vor Konfrontationen mit Stars zurückschrecken
✕ gilt als problematischer Charakter, besonders in der Kommunikation
✕ könnte eventuell bereits mit schlechten Vorbedingungen beim FC Bayern starten, sollte unter Umständen schon vorher das Gespräch mit Hummels suchen
✕ hat klare Vorstellungen und sicherlich wenig Interesse daran, sich ständig vor den Bossen rechtfertigen zu müssen

Natürlich gibt es noch mehr deutsche, oder deutschsprachige, Trainer. Armin Veh beispielsweise. Oder Lucien Favre. Aber da sie auf diesem Niveau das gleiche Risiko bedeuten würden, kann man sich auch gleich für andere Kandidaten entscheiden.
Interessant wäre es beispielsweise, ob einer von denen mit einem Co-Trainer wie Markus Babbel oder Mehmet Scholl an den Start gehen könnte.

Nagelsmann wäre wahrscheinlich die mutigste Lösung, Tuchel hingegen ein gelungener Kompromiss. Und es würde auch nicht ausschließen, dass Nagelsmann, sollte er sich weiterhin positiv entwickeln, 2020 oder 2021, passend zum ganz großen Umbruch der aktuellen Mannschaft, kommen würde.

Für völlig ausgeschlossen halte ich die Spekulation, dass Jogi Löw 2018 Trainer des FC Bayern München wird. Er wäre nicht gut beraten, das Umfeld des DFB´s, welches er maßgeblich mit aufgebaut hat, unnötig zu verlassen. Schon gar nicht, wenn er bis zum Trainingsauftakt der Vereine nur an die Weltmeisterschaft denkt und danach eher traditionell einen ausgiebigen Urlaub planen wird.
Anders könnte es vielleicht 2021 aussehen. Löw hat beim Confed Cup gezeigt, wie viel Spaß er an dem Aufbau einer komplett neuen Mannschaft hat. Vielleicht könnte ihm der große Umbruch des FC Bayern dann auch reizen.

Wie man sieht, ist die T-2018 Frage ziemlich langfristig ausgelegt. Aber das ist ja auch gut so, denn so wird es wenigstens nicht langweilig.