Lukas Podolski und seine Werbung für Erdogans Türkei

themen von der seitenlinie 91 minute whiteWenn die Politik und der Sport, respektive der Fussball, sich vermischen, geht das nur selten gut. Natürlich funktioniert der Fussball ohne Politik gar nicht. Das fängt bei ganz alltäglichen Dingen wie Polizeieinsätze zu Spielen an und findet bei winkenden Staatsdienern auf der Ehrentribüne noch lange kein Ende.

Über die Türkei darf sich jeder seine eigene Meinung bilden. In erster Linie ist Erdogan ein demokratisch gewähltes Staatsoberhaupt. Auf der anderen Seite benimmt und handelt er aber wie ein Diktator, der seit fast einem Jahr  im ganz großen Stil alles und jeden verbietet, sanktioniert und inhaftiert, was auch nur ansatzweise nicht seinen Vorstellungen entspricht.
Seine Politik, der kontroverse Putsch-Versuch im Juli 2016 und die gesamten Umstände in der Türkei führen dazu, dass Touristen fern bleiben und die Wirtschaft langsam Probleme bekommt.

Die hat sich nun eine internationale PR-Kampagne ausgedacht: hochrangige Firmenbosse aus aller Welt reden in TV-Spots und Printanzeigen die Türkei als Wirtschaftsstandort schön und fordern dazu auf, in der Türkei zu investieren um eine eigene Erfolgsstory zu schreiben.
Für die Bosse dieser Firmen hat das einen ganz einfachen Hintergrund: man will das investierte Geld nicht verlieren, weil die Türkei wirtschaftlich den Bach runter geht.
Das in der Wirtschaft das Geld mehr zählt, als Moral und Humanität, das dürfte niemanden überraschen.
Aber warum stellt sich Lukas Podolski vor die Kamera und redet im Auftrag einer solch umstrittenen Regierung die Umstände schön?
Die Wirtschaftsbosse nimmt der Otto Normalverbraucher doch gar nicht ernst. Das verhält sich mit denen, wie mit den Börseninfos zwischen Nachrichten und Wetter: die fliegen an einem vorbei. Aber wenn der Prinz Poldi plötzlich erzählt, in der Türkei wäre es so super, dann muss ja etwas daran sein?
Weshalb der gebürtige Kölner sich für diese Zwecke hergibt, kann man so nicht nachvollziehen. Besonders kurios wirkt es dadurch, dass Podolski in wenigen Tagen nach Japan wechselt und selbst gar nicht mehr in der Türkei leben wird.

An eine solche Kampagne nimmt man nicht teil, weil man türkische Freunde hat, Landschaft und Leute als sehr nett empfindet. Denn man unterstützt dabei nicht die netten Menschen, die einem Tee anbieten und Gäste willkommen heißen. Man unterstützt damit Menschen, die nach Macht streben und Kritiker als Faschisten beschimpfen, während sie gleichzeitig die Todesstrafe einführen wollen, um diese mundtot zu machen.
Vielleicht ist es dem Fussballspieler und Menschen Lukas Podolski so nicht bewusst. Aber spätestens bei solchen Fragen machen Manager durchaus Sinn und könnten ihren Einfluss wohl nicht angebrachter ausnutzen.

Confed Cup: Jogis Casting-Clique im Halbfinale!

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Man stelle sich vor, die deutsche Nationalmannschaft steht im Halbfinale und das Interesse tendiert vergleichsweise in Richtung Null.
Während des letzten und entscheidenden Spiels gegen Kamerun (3:1) konnte man auf BILD.de einen Liveticker verfolgen. Aber nur, wenn man bereit war, ins 2. Drittel der Seite zu scrollen. Wichtiger erschienen da Nachrichten aus sämtlichen Ressorts, dem Hai-Alarm auf Mallorca und was Ex-Spice Girl Gerri Halliwell noch gern dem vor Monaten verstorbenen George Michael sagen würde.
Das ZDF macht es nicht besser. Dort wird die Live-Übertragung unmittelbar nach Abpfiff abgebrochen und zu den 19 Uhr – Nachrichten geschaltet. Wer den Bundestrainer oder die Analyse hören will, der muss online gehen.

Der Confed Cup hat in Deutschland keinen großen Stellenwert. Andere Nationen haben da ganz andere Vorstellungen und schicken entsprechend das beste Aufgebot.
Jogi Löw hat sich dazu entschieden, eine Art „WM Casting“ durchzuführen. „Perspektivspieler“ nennt man das dann heutzutage. Und die machen ihre Sache ziemlich gut, vor allem aber auch erfolgreich. Sieg gegen Australien, traditionelles Unentschieden im 2. Spiel einer ersten Runde gegen Chile und wieder ein Sieg gegen Kamerun.
Bereits im 3. Spiel hatte Löw seinen 21. Spieler eingewechselt, was bedeutet, der komplette Kader stand bereits einmal auf den Platz. Wilder kann man wohl eine Truppe ohne wirkliche Topstars nicht zusammenstellen.
Das es trotzdem bisher erfolgreich war, sollte uns Mut und den etablierten Stars Beine machen.

Klar ist aber auch, dass neben dem medialen Desinteresse auch die Event-Fans nicht an Bord sind. Die folgen Boateng und seine Kollegen eher auf Instagram, wissen aber nicht einmal wirklich, dass gerade ein Turnier stattfindet.

Übrigens ist noch nie eine Mannschaft Weltmeister geworden, die zuvor den Confed Cup gewonnen hat. Darüber müssen wir uns aber gar keine Sorgen machen, denn eins ist klar: DIESE Mannschaft wird in dieser Zusammensetzung auch gar nicht zur Weltmeisterschaft fahren. Das beste Argument für einen Titelgewinn und gegen jeglichen Aberglauben.

Kommentar: der Einsatz von 21 Spielern bezieht sich natürlich inkl. der beiden Spiele in der Vorbereitung auf den Confed Cup

Screenshot: ZDF

Douglas Costa: Schnell & trickreich, schnell lustlos, schnell weg!?

Douglas CostaObwohl in Russland der Confederations Cup ausgespielt wird, bestimmen doch die Transfers, vor allem aber die aberwitzigen Spekulationen, die Sportnachrichten in diesem Sommer.
Nachdem das Christiano Ronaldo Gerücht offiziell zur „Ente des Tages“ gekürt wurde, wartet man nun wohl eher auf die offizielle Bestätigung, dass Douglas Costa tatsächlich zu Juventus Turin wechselt.

Nachdem Costa zum Rekordmeister wechselte, schlug er ziemlich schnell ein, begeisterte mit Tempo und trickreichen Spiel. Man sah das unglaubliche Potential und auch ich war begeistert: der Nachfolger für Franck Ribery war gefunden!

Doch genauso schnell wie Douglas Costa auf dem Platz war, so verlor er auch die Lust. Versuche über die Presse und mit Unterstützung der Berater mehr Geld rauszuschlagen, wirkten nahezu lächerlich, wenn man sie mit der mangelnden Leistung auf dem Platz verglich.
Deswegen ist vollkommen verständlich, dass viele Fans des FC Bayern über einen Abgang des Brasilianers nicht traurig sind: Reisende soll man bekanntlich nicht aufhalten. Erst recht nicht, wenn sie ihre Position in einem Spitzenverein so sehr überschätzen.
Schade ist es, dass die anfängliche Begeisterung sich nicht bestätigte. Aber so muss man wohl noch ein wenig länger auf einen Ribery-Nachfolger hoffen und abwarten, was die Offiziellen noch aus dem Hut zaubern werden.

Bild: FC Bayern München