Hrubesch und seine jungen Wilden

Wer hätte gedacht, dass diese Mannschaft im Finale der olympischen Spiele nur ganz knapp dem Gastgeber Brasilien im Elfmeterschießen unterliegt?

Horst Hrubesch und Hansi Flick hatten so ihre Schwierigkeiten, eine Mannschaft für die deutsche Teilnahme an den olympischen Spielen 2016 zusammen zu bekommen. Viel Geschick war nötig. Vorbereitung gab es keine. Man fand über die Trainingseinheiten vor Ort und den Spielen im Turnier zueinander.
Immer wieder wurde der Trainer für sein Teambuilding gelobt. Und auch dafür, dass er seinen jungen Wilden lehrt, sich selbst auszuleben.
Stolz kann er auf diese Leistung sein. Respekt haben sie sich verdient.

Jung und wild. Das war auch die Reaktion von Robert Bauer, der nach der Finalpleite dem Publikum sieben Finger zeigte. Also jenem Publikum, dort in Brasilien, welches zuvor schon erfahrenere Sportler bei der Siegerehrung durch Pfiffe zum weinen brachte. Und eben dieses Publikum, welches im Finale am Samstag die deutsche Mannschaft am liebsten aus dem Stadion gepfiffen hätte, weil sie noch immer den 7:1-Schock von 2014 nicht verarbeitet haben.
Wenn ein junger Spieler diese Pfiffe erlebt, darf das Publikum sich nicht wundern, wenn der eine Retourkutsche aus dem Ärmel zieht. Gut gemacht, Kante gezeigt…
Zumindest erst einmal. Denn am folgenden Tag zählte wohl nicht mehr die „seid wild“-Einstellung, sondern der diplomatische Kuschelkurs. Bauer entschuldigte sich, sprach von einem tollen, gastfreundlichen Land und was man sonst noch so an Floskeln gefunden hatte.
Schade. Emotionen im Fußball sind keine Einbahnstraße.

#FCBayern: Krankenstation wird voller – wie fahrlässig ist die Kaderplanung?

Vor etwa vier Wochen habe ich es schon einmal als fahrlässig beschrieben, dass der FC Bayern München seinen Kader für die anstehende Saison nicht sonderlich breit aufgestellt hat. [hier nachlesen] Auch die Tatsache, dass verhältnismäßig günstige Nationalspieler auf dem Markt waren und eine Verpflichtung noch nicht einmal in den Medien eine Rolle spielten, gefiel mir nicht. Und daran hat sich bisher auch nichts geändert. Leider.

Während Mario Gomez beim VfL Wolfsburg einen Vertrag unterschrieben hat, verpasst der Rekordmeister die Gelegenheit, eine Rückversicherung für die Lewandowski-Position zu verpflichten.
Klar, die kann auch Thomas Müller ausfüllen. Wenn er denn nicht auf der rechten Seite gebraucht wird, wo derzeit mit Coman (wohl langfristig) und Robben (gerade erst wieder mit dem Lauftraining angefangen) nicht einsatzfähig sind.

Boateng. Badstuber. Coman. Costa. Robben. Sanchez. Hinzu kommen Alonso und Thiago, die aufgrund muskulärer Probleme geschont werden mussten. Und das unmittelbar nach dem ersten Pflichtspiel in der Saison, die noch keine Bundesliga- oder Champions League Minute erlebt hat.

Die vielen Verletzten waren beim FC Bayern in den letzten Jahren immer wieder ein Problem. Als Außenstehender dachte man, sie hätten nun vielleicht die Gründe dafür analysiert und deswegen auf weitere Verpflichtungen verzichtet. Es war wohl nur das Prinzip Hoffnung, denn die jüngsten Ausfälle reihen sich nahtlos an. Umso schwieriger ist es zu verstehen, was da in Sachen Kaderplanung an der Säbenerstraße geschieht.

Vielleicht geschehen noch kleine Wunder. Aber es würde mich überhaupt nicht überraschen, wenn man sich in dieser Saison verzockt und am falschen Ende gespart hätte.

Fluch und Segen: Fußballer und die sozialen Netzwerke

Die sozialen Medien, allen voran Facebook, Twitter und Instagram, haben für Stars und Prominente aus allen Bereichen schon längst einen großen Stellenwert. Obwohl wir uns regelmäßig über Fußball-Spieler aufregen, die offenbar mehr Vorbereitungszeit in die Vorbereitung eines Selfies, anstelle von Vorbereitung auf ein Spiel investieren, ergibt die sinnvolle Nutzung auch durchaus Sinn.

Bastian Schweinsteiger tritt als Kapitän und Spieler der Nationalmannschaft zurück und veröffentlicht seine Abschied auf Facebook. Fast zeitgleich gehen die Meldungen auch über die DFB-Seiten an die Öffentlichkeit.
Am Montag folgte dann Lukas Podolskis Rücktritt als Nationalspieler. Und auch er verabschiedete sich mit einem Dank über das Netzwerk.
Pressemitteilungen, die über sorgfältig gepflegte Verteiler an die Redaktionen im In- und Ausland verschickt werden, sind damit überflüssig geworden. Längst gehört es zum Arbeitsalltag von Journalisten und (Hobby-) Blogger, dass man diese Personen im sozialen Netzwerk folgt und entsprechende Meldungen bekommt.

Der Wechsel von Mario Götze vom FC Bayern zum BVB machte Öffentlichkeitsarbeit notwendig. Zu brisant war die Stimmung des Heimkehrers, nachdem Fans des Vereins seiner Zeit Trikots des Spielers verbrannten und ihn massiv als „Judas“ beschimpften.
Wo Götze zu früheren Zeiten zahlreiche TV-Auftritte und Interviews hätte absolvieren müssen, um die Dortmund-Fans zu erreichen und sie möglichst positiv auf eine Rückkehr einzustimmen, gab es ein Facebook-Posting. Höchstwahrscheinlich wurde dieses Posting von seiner Agentur verfasst und anstatt eine kleine Medien-Tour einplanen zu müssen, konnte Götze am Strand liegen und einen Cocktail schlürfen.

Diese Entwicklung ist zwar beeindruckend, aber auch mit Vorsicht zu genießen. Innerhalb von Sekunden erreicht ein Statement weltweit die Menschen. Und wenn man sich da nicht vor der Veröffentlichung wirklich sicher ist, kann nachhaltiger Schaden angerichtet werden: das Internet vergisst nichts! Auch die „Löschen“-Funktion verhindert es nicht, dass ein Posting um die Welt geht. So schnell wie es veröffentlich ist, so schnell haben auch Menschen diese Meldung geteilt oder Bildschirmfotos davon angefertigt.
Von Extremsportler Felix Baumgartner über Mario Balotelli, oder jüngst die Olympia-Teilnehmer von Rio, die gern mal ihren Unmut über hampelnde Sieger oder Zwillingen beim Zieleinlauf äußern: die Welt liest mit. Und wie jeder Segen kann auch dies zu einem Fluch werden, wenn man nicht vernünftig damit umgeht.
CoyfFyLXgAAWIHWWenn man nun noch bedenkt, wie gern sich – besonders die Deutschen – über alles empören, ist es durchaus nachvollziehbar, dass die Accounts immer häufiger von Agenturen gepflegt werden. So gut, so langweilig. Es sei denn, selbst den Social-Media Profis passieren peinliche Fehler. Dann postet nämlich „Gündogan“ plötzlich die Meldung von „Özil“ und die Fans reiben sich verwundert die Augen. Wie ich schon sagte: jeder Segen hat auch seinen Fluch.