Keine Standortbestimmung für Nationalmannschaft?

13 Ich habe heute den Kommentar von Florian Wichert, SportBILD-Redakteur, auf SportBILD.de gelesen.
Zusammengefasst heißt es dort, dass der Wirbel um Mesut Özil von den wahren Problemen der Nationalmannschaft ablenkt. In der Liste der gegnerischen Mannschaften würden Länder wie Argentinien, Brasilien oder Spanien fehlen, deswegen könnte man nicht genau sagen, wo man steht.

Scheinheilig könnte man es nennen, wenn der Sport-Boulevard, also die BILD-Zeitung genauso wie die etwas fachlichere SportBILD, genau den Umstand beklagt, den sie maßgeblich mit hervorgerufen hat. Wenn es nach deren Berichterstattung der letzten Tage ginge, würde Mesut Özil doch der rote Teppich ausgerollt werden, wenn er das Spielfeld betritt.
Aber von dieser Scheinheiligkeit abgesehen, ist es auch sachlich gesehen eine Frage der Einstellung.

Das größte Problem sei es, dass niemand weiß wo man steht, bevor man in das entscheidende Spiel gegen Russland geht.
In den Qualifikationsgruppen ist es immer so, dass man neben schwächere Gegner auch einen weiteren Favoriten hat. Wenn man Freundschaftsspiele gegen starke Gegner oder große Namen spielt, bedeutet das noch nicht, dass man eine Standortbestimmung hat.
Ein Freundschaftsspiel findet nun einmal nicht unter ernsthaften Wettbewerbsbedingungen statt, was jüngst von Nationalspielern bestätigt wurde, als es hieß “…in der WM-Quali geht es um etwas, da ist man noch einmal motivierter…”

Aber es gibt noch andere Gründe. Argentinien zählt zu den großen Namen, liegt aber derzeit mit 8 Punkten Rückstand auf den vierten Platz – weit entfernt von einer Tabellenführung – und wäre in der jetzigen Situation noch nicht einmal für die Weltmeisterschaft qualifiziert. Man verlor zuletzt u.a. gegen Ecuador und gewann nur ganz knapp gegen Kolumbien.
Wenn Deutschland nun also den großen Namen “Argentinien” geschlagen hätte, was für eine Erkenntnis könnten wir daraus gewinnen? Das wir eine Mannschaft schlagen können, die vielleicht gar nicht an der WM teilnimmt, in der Krise steckt und deren Spielweise unter Umständen überhaupt nichts mit der der Russen zu tun hat? Dann gewinnen wir vielleicht gegen Argentinien, konzentrieren uns aber nicht auf die wichtigen Punkte die es gegen Russland zu erspielen gilt und die Holländer singen im nächsten Sommer “Ohne Deutschland fahren wir zur WM”?

Auch Brasilien hatte anfangs in der Qualifikation so seine Schwierigkeiten und es lange Zeit nicht gerade rosig für die Zauberkünstler aus. Mittlerweile liefern sie sich gemeinsam mit Spanien einen Zweikampf an der Spitze der FIFA Weltrangliste.

Um mal einen Quervergleich zu bemühen…Im Boxgeschäft würde kein Promoter seinen Schützling gegen den Weltmeister in den Ring schicken, wenn es sich dabei nur um einen Aufbaukampf handelt.
Die Zeit für die großen Gegner kommt. Bei der Weltmeisterschaft. Wenn Deutschland einen festen Kader und eine eingespielte Truppe zusammen hat.

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