Von blauen Schweinen, Metzgern und Neuern im Tor

„Das war eine Riesenschande für Bayern München, wie sich Teile der Fans heute verhalten haben! Wegen eines Mannes, der in den letzten 30 Jahren nichts anderes im Kopf und im Herzen gehabt hat, als den FC Bayern. Diese Schärfe war absolut unangebracht und eine große Schande.

Christian Nerlinger

Das klingt gar nicht danach, als würde in wenigen Wochen eine harmonische Saison enden. Doch warum diese Aussagen?
Während des Heimspiels gegen Mönchengladbach haben einige Fans, wie es immer so schön heißt, die falsche Zurückhaltung aufgegeben und es gewagt Mr.Unantastbar Uli Hoeneß massiv zu kritisieren um ihren Standpunkt zu vermitteln. Das kommt vor und passiert bei anderen Vereinen manchmal sogar mit schöner Regelmäßigkeit. Beim FC Bayern München darf man das aber scheinbar nicht.

Seltsamerweise ist es auch in den Medien scheinbar verboten, sich gegen Uli Hoeneß oder anderen FCB-Bossen zu stellen. Nun kann man sich diesen Thema nicht vollständig verwehren, also wird die Umsetzung des Protestes kritisiert. In vielen Kommentaren der Sport-Journalisten ist sogar von “Schande” die Rede. Starker Tobak…

Halten wir die Fakten fest. Während der letzten Jahreshauptversammlung hat der Präsident Uli Hoeneß den Mitgliedern mitgeteilt, dass es keine Hilfe mehr für den “Untermieter” 1860 München geben wird. Noch nicht einmal 6 Monate später sieht die Situation offenbar doch wieder anders aus und wird so erklärt, dass der FCB zu viel Geld verlieren würde, wenn sie 1860 nicht helfen würden.
Nun gibt es die Möglichkeit, dass Uli Hoeneß es nicht ahnen konnte, dass 1860 München kein Geld mehr zahlt, wenn es den Verein nicht mehr gibt. Sollte das der Fall sein, sollte man vielleicht überdenken was so ein Laie in der Führungsetage eines solchen Vereins verloren hat.
Natürlich wusste Hoeneß es damals, aber er hat schlichtweg versucht mit seiner polemischen Aussage eine gewisse Reaktion zu bekommen. Es sollte Stimmung erzeugen. Es war ein “Fishing for Compliments”.
Wenn man so etwas macht, muss man damit rechnen, dass die Reaktionen einen einholen und man sich für solche Aussagen rechtfertigen muss. Das ist eine ganz normale Entwicklung.

Kritik gab es auch für die Art und Weise der Proteste. Einer der Sprüche, die auf großen Plakaten zu lesen waren:

Blaue Schweine schlachtet man und rettet sie nicht. Und du willst Metzger sein, Uli?

Wer hier kritisiert, dass die Fans Mitglieder des Vereins 1860 München schlachten wollen, macht es sich zu einfach. Natürlich ist das ein Wortspiel. Und Uli Hoeneß selbst sollte sich damit auskennen. “Den Schweinsteiger wurde zu viel Puderzucker in den Hintern geblasen.”, eine ältere Aussage des Präsidenten persönlich. Niemand dachte damals ernsthaft daran, dass irgendwer Bastian Schweinsteiger anal ein Rohr einführte und Puderzucker rein geblasen hat, oder?
Es liegt doch auf der Hand, dass hier der Vergleich zu den Metzger Uli Hoeneß, der Lebewesen schlachtet – und Präsident Uli Hoeneß, der es nicht schafft einen Traditionsverein sterben zu lassen, gestellt werden sollte.

Ein weiterer Kritikpunkt waren die Fadenkreuze auf den Plakaten, die auf das Vereinslogo von 1860 München zielten. Hier den Vergleich zu den Anti-Hopp Plakaten zu ziehen, ist ebenfalls falsch. Es ist ein Unterschied ob ich symbolisch auf den Kopf eines Menschen ziele, oder auf ein Vereinslogo. Es beschwert sich doch auch niemand wenn ein Spieler das Vereinslogo küsst, aber es würde anders aussehen, wenn Ribery auf einmal seine Zunge in den Mund von Frau Hoeneß schiebt, oder?Wie man sieht, es gibt einen Unterschied zwischen einen Vereinslogo und einen Menschen.

Neuer im Tor ist für uns wie Trainer Daum und Manager Lemke für Dich!

Mit diesen Spruch untermauerten die Fans ihre Ablehnung gegenüber der Verpflichtung von Manuel Neuer. Der bekannte Grund dafür ist, dass Neuer ein 100%-Schalker ist, der schon als Kind und Jugendlicher in der Fankurve des Vereins stand und obendrauf noch vor einiger Zeit den ehemaligen Bayern-Torwart Oliver Kahn mit einen Torjubel imitierte und entsprechende Reaktionen bewusst provozierte.
Wenn die Bayern-Bosse, allen voran Uli Hoeneß, die bisherigen Meinungsbekundungen ignorierten und Hoeneß dann auch noch mit einen breiten Grinsen im TV den möglichen Transfer in Aussicht stellt, darf man sich schlichtweg nicht wundern, wenn die Proteste lauter werden.
Hoeneß hat sich diesbezüglich taub gestellt und die Fans haben es ihn anhand eines Beispiels erklären wollen.

Fazit
Als “Nordlicht” und “TV-Zuschauer” habe ich keine Ahnung von den einzelnen Fan-Gruppierungen und sie interessieren mich auch nicht die Bohne. Aber es kann doch nicht sein, dass Proteste der Fans zu einen Schulterschluss von Sport-Journalisten und Bayern-Bossen führen und auf diese Art und Weise darüber berichtet wird.
Es grenzt doch sowieso an ein Wunder, dass die Vereinsführung aufgrund ihrer Konzeptlosigkeit noch keinerlei Konsequenzen tragen musste.
Beim FC Bayern muss man mit Drucksituationen umgehen können…”, heißt es immer von allen Seiten. Und ich denke so eine ordentliche Portion Erfolgsdruck schadet auch den (satten) Vereinsbossen nicht.

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5 responses to “Von blauen Schweinen, Metzgern und Neuern im Tor”

  1. Unbekannt says :

    Super Text!

  2. michathecook says :

    Ich habe selbst seit dem Wochenende drueber nachgedacht ob ich etwas zu diesem Thema schreiben soll oder nicht aber um ehrlich zu sein war es mir irgendwann einfach zu bloed.
    Ohne ueber mein persoenliches Denken uber den FCB zu sprechen muss ich dir hier absolut zustimmen.
    Es sieht doch so aus das im deutschen Fussball mittlerweile der Fan sowieso nicht mehr zaehlt und selbst Stadionbesuche sind ja auch schon fast ungewollt.Wenn man alleine an die ganzen Kosten denkt und dann noch solche Reaktionen wie zuletzt ( naja seit ein paar Monaten um genau zu sein) im Muenchner Block. Das geht ja mal gar nicht.
    Dann wird sich auch noch mit dem heiligen Uli dem Retter und Raecher der Witwen und Waisen in der Bundesliga angelegt, was sofort neben den anderen heiligen F.B und K.R noch die ueblichen Schmierenblaetter und unterstuetzenden Fernsehsender auf den Plan ruft und schon ist das Theater gross.
    Es ist ein Witz das man einen honorigen Mann wie U.H. der unbestritten viel fuer den deutschen Fussball getan hat nicht an seinen Worten messen darf. Und Fakt ist das er eben gesagt hat keinen Cent mehr an 1860 zu zahlen….vor einigen Wochen hat derselbe Herr gesagt das es vom FCB keinen Support mehr fuer 1860 geben wuerde und die Tuer zu sei.Irgendwann sei genug……….Den Rest kann sich jeder selbst denken……..

    Und Sarkasmus und lautes seine Meinung sagen gehoert nun einmal auch zur Fussball Fan Kultur wobei das bei Sachbeschaedigungen etc. definitv aufhoert.

    Ich kann momentan ueber die ganze Geschichte nur noch den Kopf schuetteln wobei sie meiner Meinung nach in einer Reihe mit den Bierhoffschen Kommentare ueber den (sarkastisch gemeinten Satz) bezueglich der halben schwulen Nationalmannschaft incl,. Trainerstab passt und ziemlich klar den Verlust der Bodenhaftung all dieser genannten aufzeigt…… frueher war das irgendwie anders in der Bundesliga…so macht es wenig Spass.

  3. Rux says :

    Klasse Kommentar, und vorallem wenn man in München wohnt und man kaum an der Ortsansässigen Presse vorbei kommt, wo einem die Worte Schande, Abschaum und völig unqualifizierte Recherchen von Menschen lesen muss, die das Wort Journalist in keinster weise verdient haben. Eine Schmierenkomödie in meinen Augen, die an Arschkriecherei und Hetze gegen einzelne Fan Gruppen nicht zu überbieten ist.
    Was haben diese Leute getan? Majestäts beleidigung? Oder steckt nicht doch die Wahrheit in diesen Protesten? Da wird von übeslsten Beleidigungen gesprochen !? Ja entschuldigung, aber wo sind wir denn? Im Königshaus von England, oder vergessen manche das es doch ein Fussballstadion ist? … und was ist mit dem Satz, den mir meine Eltern einmal sagten als ich als Junge mit nem verdienten Blauen Auge aus der Schule kam? Junge, wer austeilt muss auch einstecken können…Da hat Uli H. wohl gefehlt…

  4. P.Kuscher says :

    Ein Klasse Text!
    Wenn man das liest was in den Medien kursiert,dann denkt man einfach nur noch: Arschkriescherei und keine Ahnung von der Münchner Fanszene!
    Echt ein super text!

  5. EMIL says :

    Da kann ich den tollen Fan nur eines emphlen. Sucht euch einen neuen Verein oder gründet selber einen , da könnt ihr dann machen was ihr wollt.

    Freie Meinungsäuserung ja aber was da zunmteil abgeht . Anstatt die Mannschaft unterstützt wird wird Politik gemacht. WIDERLICH

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