Unkritisierbar?

Meine Worte über Uli Hoeneß scheinen den einen oder anderen Leser den Eindruck zu vermitteln ich wäre ein “Uli-Hoeneß-Hasser”, wie in einen Leser-Kommentar und einigen Emails zu lesen war. Diese Schlussfolgerungen schiebe ich auf die derzeit angespannte Stimmung unter den Bayern-Fans, denn sie ist natürlich vollkommener Quatsch. Uli Hoeneß hat mit großer Sicherheit viel für den FC Bayern München getan, aber niemand sollte unkritisierbar sein – in welches Zeitalter würde uns ein solches Verhalten denn führen, wenn man nicht einmal mehr sachlich seine Meinung sagen darf?

Was ist meine Meinung? Was stört mich genau?

Umgang mit den eigenen Spielern
Ich kann den Umgang mit den eigenen Spielern zum Teil nicht nachvollziehen. Franck Ribery gibt uns vor einen Anpfiff den gläubigen Moslem, muss sich aber privat den Anschuldigungen stellen Sex mit einer minderjährigen Prostituierten gehabt zu haben. Während es für viele Spieler das Ende einer Karriere gewesen wäre, hat der FCB zu ihn gestanden. Für viele Vereine war es sicherlich abschreckend und man hat von einen möglichen Transfer abgesehen. Mittlerweile wurden die Vorwürfe mehr oder weniger unter den Teppich gekehrt, denn die Prostituierte lebt laut Medienberichten mittlerweile in Afrika. Mich würde interessieren was sie dazu bewogen hat auszuwandern, aber das ist eine andere Geschichte.
Hier hat der FCB bewiesen, dass man bereit ist die Spieler als bessere Menschen hinzustellen, als sie eigentlich sind. Ähnlich wie bei Oliver Kahn, der – während seine schwangere Frau das gemeinsame Kind zur Welt bringt – eine Affäre mit einen “Disco-Luder führt und seine Familie auch für sie verlässt.

Auf der anderen Seite verlängert Bastian Schweinsteiger seinen Vertrag, obwohl er offenbar auch Angebote von glamourösen Vereinen wie Real Madrid hat. Er beweist Vereinstreue, etwas wonach sich jeder Fan und Boss sehnen sollte. Uli Hoeneß hingegen hat nichts besseres zu tun als in Interviews davon zu reden, dass Schweinsteiger hauptsächlich deswegen geblieben ist, weil der große FC Bayern so viel Gehalt zahlen kann. Warum? Warum muss ich einen Spieler so in der Öffentlichkeit hinstellen? Nur um allen zu zeigen, dass der FC Bayern finanziell gut da steht und um zu verdeutlichen das der Manager offenbar gut arbeitet?
Gute Arbeit wäre übrigens gewesen, wenn er das Image vom vereinstreuen Schweinsteiger gepflegt hätte, das wird mir sicherlich jeder PR-Berater bestätigen.

Ich finde das nicht gut. Und da wir in einen freien Land leben, möchte ich das auch sagen dürfen.

Umgang mit Kritik
Ich finde es auch nicht gut, dass Uli Hoeneß sich in “Talkshows” setzt und so massiv seinen eigenen Trainer kritisiert. Das ist der “Todesstoß” für einen Trainer, wo die Spieler wahrscheinlich sowieso schon alle wissen, dass Hoeneß` Tür für Beschwerden über den Vorgesetzten weit offen steht.

Es ist auch ein Unding, dass wirklich j e d e r  rund um den Fussball, vom Spieler bis zum FIFA-Boss Sepp Blatter, sich gefallen lassen muss von Uli Hoeneß kritisiert zu werden. Oft auch unter der Gürtellinie, was gerade vor diesen Vorfällen mit “Pulver im Kaffee” geschehen ist, oder die relativ deutlichen Korruptionsvorwürfe in Richtung FIFA bei der WM Vergabe.
Wenn aber die eigenen Fans des FCB sich kritisch äußern, dann ist das eine “Schande”, “nicht akzeptabel” und so weiter. Wo kommen wir denn da hin?

Und genau dieser Mann, der Kritik an seine Person als “Schande” empfindet, setzt sich nur eine Woche später auf eine Pressekonferenz, kritisiert mit wütenden Worten einen beurlaubten Angestellten und nagelt so ganz nebenbei auch noch einen talentierten Spieler an die Wand. Als wenn das nicht genug wäre, krönt er das ganze noch und stellt die These auf, dass es ohne diesen beurlaubten Trainer und den jungen Spieler nie zu der Kritik an seiner Person gekommen wäre.

D a s kann doch nicht sein? Das hat nichts mit “Hass” oder “Ablehnung” zu tun, das muss man als Mensch einfach sehen, dass da was falsch läuft.

Die Unterstützung von 1860 München
Ob der FC Bayern München seinen Rivalen 1860 München finanziell unter die Arme greift oder nicht, das ist mir persönlich eigentlich egal. Ich komme nicht aus München, noch nicht einmal aus Süddeutschland – diese Rivalität lebe ich deswegen gar nicht so intensiv.
Allerdings stört es mich, wenn auf einer Jahreshauptversammlung und in einigen Interviews die Masse belogen wird, indem man behauptet, man würde nicht mehr helfen – aber zeitgleich es offenbar doch macht. Es ist sogar noch schlimmer, wenn Uli Hoeneß weiß, dass er dazu verpflichtet ist, gar keine Wahl hat…und trotzdem auf der JHV etwas anderes behauptet um ein paar Jubelrufe abzufischen.

Und wenn Fans damit dann ein Problem haben und ihn Folge dieser absichtlichen Unwahrheit als “Lügner” betiteln, dann haben sie doch Recht damit?

Die Verpflichtung von Manuel Neuer
Ich persönlich empfinde Manuel Neuer als 100%-Schalker und würde es begrüßen, wenn er bei seinen Verein bleibt. Allerdings bewerte ich seine Leistungen auch nicht so euphorisch wie viele Fans und vor allen Dingen die Medienvertreter und “Experten”. Sollte Manuel Neuer doch kommen, wird es für mich schwer ihn nicht als “Fremdkörper” in der Mannschaft zu sehen.
Hätte das Experiment Kraft funktioniert, hätte der Verein mindestens 20-25 Millionen Euro Ablöse plus jährlich höhere Gehaltszahlungen gespart. Unterm Strich könnten das mindestens 30  Millionen Euro sein. Ich finde es nicht verwerflich, wenn man das versucht. Vor allen Dingen weil man mit Hans Jörg Butt jederzeit auf eine “Bank im Tor” zurückgreifen kann. Und so wirklich schlecht hat der Thomas Kraft das ja auch nicht gemacht, von 1-2 Fehlern abgesehen.
Aber auch hier sollten die Fans das Recht darauf haben, ihre Meinung frei zu äußern. Hätten sie “Van Gaal raus!” gerufen, hätte Hoeneß ihnen das Recht auf freie Meinungsäußerung nur zu gern eingeräumt. Das durften sie ja zuvor bei “Klinsmann Raus” und anderen Rufen auch.

Das war jetzt eine längere Stellungnahme zu meiner persönlichen Sichtweise. Wie man vielleicht erkennen kann, stört mich lediglich die Unantastbarkeit der Person Uli Hoeneß. Und soweit wird es bei mir nie kommen, dass eine Person unkritisierbar ist.

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5 responses to “Unkritisierbar?”

  1. Max says :

    Ich kann dir einfach nur beipflichten und finde es gut, auch mal kritische Stimmen gegenüber Hoeneß Verhalten und Äußerungen zu hören. Keiner will Hoeneß Errungenschaften klein reden oder in gar hassen, aber das, was er derzeit an den Tag legt ist eine Unverschämtheit und darf nicht schön geredet werden. Schon gar nicht sollten die Medien das alles auch noch verschönern und sich nur auf seine Seite stellen. Soweit ich weiß, hat nur die Süddeutsche über z.B. die Fanproteste sachlich geschrieben, alles andere war – entschuldige – nur Bullshit.
    Das man van Gaal so nachtritt und einem jungen, talentierten und unschuldigem Torwart die Schuld an fast allem gibt, ist unbeschreiblich, dafür fällt mir kein Wort ein.
    Neuer kann bei Schalke bleiben, doch Kraft wird hoffentlich trotzdem gehen. Hoffentlich meine ich nicht in der Hinsicht, dass er nicht gut ist oder sonst etwas. Aber Hoeneß Äußerung würde ich mir an seiner Stelle nicht bieten lassen und diesem Mann den Rücken kehren, es sei denn er bietet ihm eine gehörige Entschuldigung. Kraft wird noch ein ganz Großer, da bin ich mir sicher und das wünsche ich ihm. An liebstem würde ich ihn allerdings als Nummer 1 im Tor der Bayern sehen.

    Vielen Dank für diesen Beitrag !

  2. zechbauer says :

    Ribéry, Kahn, Blatter, FIFA, 1860 – ein bunter Flickenteppich seltsamer Argumentation. Da gäbe es sicher treffendere Beispiele, die Kritik an Herrn Hoeneß erlauben. Wenns nach Dir geht, müsste sich Hoeneß totstellen – das wäre dann vermutlich in Ordnung.

    @Max: „Nachtreten“ und „Schuld in die Schuhe schieben“, kann man so auffassen – man könnte aber auch etwas differenzierter und weniger polemisch die Sache betrachten. Ich bin da eher für die zweite Variante. Aber „Hoeneß-bashing“ muss ja zur Zeit groß in Mode zu sein. Jede Mode vergeht allerdings auch irgendwann.

    • T. says :

      Es ist sicherlich ein aktuelles Thema und deswegen gibt es viele Meinungsäußerungen, aber von „Mode“ würde ich jetzt nicht unbedingt sprechen. Natürlich ist das ein „bunter Teppich“. Totstellen muss sich Hoeneß auch nicht. Mir würde schon reichen wenn er eine Sache ändert: weniger das eigene Ego in den Vordergrund stellen, oder mit Kritikern vernünftiger umgehen. Es hat nun einmal nicht der Recht, der am lautesten brüllt.
      Und dieses Schwarz-Weiß-Denken von wegen man kann Hoeneß nur lieben oder hassen, das scheint ja im Moment nur so zu gehen, finde ich ziemlich einfältig. Ich bin nicht so einfach gestrickt und kann das so nicht. Sollte Uli Hoeneß in den nächsten Tagen was Tolles machen, was auch immer, werde ich das auch unabhängig davon positiv sehen.

    • Max says :

      @zechbauer

      Ich betreibe kein reines Hoeneß-bashing, momentan häufen sich bei mir vielleicht negative Bemerkungen, doch ich als Bayernfan habe ihm natürlich auch viel zu verdanken und das vergesse ich auch nicht.
      Dass ein Hoeneß aber einem jungen Torhüter doch einen großen Teil der Schuld in die Schuhe schiebt und dann auch noch öffentlich… Das kanns nicht sein.
      Und das man nun die Bayernfans mit erhöhten Kontrollen, Plakatanmeldung eine Woche vorher, Megaphonverbot (dabei wurde das Megaphon meiner Information nach erst letztens erlaubt), Vorsängerpodestverbot nun Mundtot gemacht werden soll, ist eine Frechheit.
      Nun ja, mal sehen, wie sich das alles weiter entwickelt.

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