Selbstgefällige Kastration des Machers

"Wir brauchen Eier!". Das alte Kahn-Zitat wurde nach der Vize-Saison offenbar auch den Bayern-Bossen wieder bewusst. Das Resultat war die Verpflichtung von Matthias Sammer.
Sammer kennt keine Zufriedenheit. Sammer kennt kein Sättigungsgefühl.
Rekordsaison mit 3 Titeln? Eine feine Sache. Aber Matthias Sammer stellte klar, dass er sich nicht damit zufrieden geben würde, alle paar Jahrzehnte mal so einen großen Coup abzuliefern.
Genau dafür wurde Sammer verpflichtet. Ein Querkopf. Der Mann mit den benötigten Eiern. Ruhelos. Rastlos. Immer bereit noch etwas zu verbessern. Etwas in Frage zu stellen. Anzutreiben.

Matthias Sammer hat vor einigen Wochen ausgesprochen, was sogar wir blinden Sofa-Fans gesehen haben. Es war keine Leidenschaft im Spiel. Dienst nach Vorschrift. Es wird schon irgendwie klappen.
Und die Entschuldigung wurde auch gleich mitgeliefert. Neuer Trainer, neue Taktik, Systemumstellung hier, Verletzte dort, wir brauchen Zeit.
Nein. Das ist der FC Bayern München und niemand bekommt dort Zeit. Und ganz besonders wird Zeit dort nicht laut ausgesprochen, damit es als Ausrede und als Alibi missbraucht werden kann.

Was folgte, war ein Desaster für Matthias Sammer, der eigentlich genau dafür geholt wurde.
Als erstes wurde Uli Hoeneß wieder laut, der eigentlich ganz andere Sorgen haben müsste und deswegen auch in der jüngeren Vergangenheit endlich einmal ruhiger wurde.
Als nächstes folgte Karl-Heinz Rummenigge, der sich vorsichtig auf die Seite seines alten Weggefährten Uli Hoeneß schlug.
Es wurde in diversen Statements und Presseberichten deutlich, dass einige Spieler die Kritik als nicht gerechtfertigt sahen, es soll sogar intern darüber gespottet werden.
Eine logische Konsequenz, wenn der Vorgesetzte schon einmal die Zange an den besagten Eiern gesetzt bekommt.
Und nun holt auch noch der Kapitän der Mannschaft, Philip Lahm, aus und kritisiert den Kritiker.

Auf eine selbstgefälligere Art und Weise hätte man Matthias Sammer nicht kastrieren können. Neben der Vaterfigur Jupp Heynckes zählt Sammer für mich ganz klar zu den "Machern" in der letzten Saison.

Während scheinbar der ganze Verein damit beschäftigt ist, sich gegenseitig auf die Schulter zu klopfen – immerhin hat man in der letzten Saison Rekorde geholt und nun den angeblich weltbesten Trainer verpflichtet – merken sie gar nicht, dass sie die Zeichen der Zeit mal wieder zu verschlafen drohen.

"Köpft nicht den Überbringer der Botschaft", ihr satten Machtliebhaber. Oft gelesen, doch leider nie im Stadion von den Fans laut gerufen: "Matthias Sammer hat nur ausgesprochen, was wir denken.".
Das wäre mir persönlich lieber, anstelle von “Super-Bayern, Super-Bayern, hey, hey, hey…", wenn es gegen wieder gegen Wolfsburg nicht einmal zum Schuss auf das gegnerische Tor kommt.

Der FC Bayern München kann, es ist nur eine Frage ob sie dazu auch bereit sind, es zu wollen.

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