#HSV Eskalation oder “Ein Abend mit Brad Pitt”

Machen wir doch mal einen kleinen Ausflug…
Es ist Samstagabend. Ein eher kalter Samstagabend. Wir beschließen ins Kino zu gehen. Der neue Film von Brad Pitt feiert heute Premiere. Und das Beste daran: der Schauspieler selbst hat sich angekündigt und wird vor Ort sein. Perfekt.
Seine letzten zwei Filme waren wirklich besch…, äh .. schlecht. Die Handlung war schlecht. Sie waren nicht spannend, es gab keine Action und Brad Pitt spielte seine Rolle einfach so lieblos runter.
Aber heute Abend gibt es ihn wieder im Kino. Und im Vorfeld erzählte er in zahlreichen Interviews, dieser Film wäre etwas Besonderes. Endlich wieder ganz großes Kino.
Und dann das…!? Der Film plätschert so vor sich hin. Total langweilig. Und Brad Pitt ist auch nicht wirklich überzeugend in seiner Rolle.
Im Kino läuft noch der Abspann, als wir bereits auf dem Parkplatz “Wir wollen den Braddy sehen, wir wollen den Braddy sehen…” singen. Aber der kommt einfach nicht raus!? Also pfeifen wir, was die Lunge hergibt. Wir rufen “Brad Pitt raus, Brad Pitt raus”. Und siehe da, endlich kommt er! Mit Angelina Jolie im Schlepptau. Die spielte nicht nur im Film seine Lebenspartnerin, ist es auch im echten Leben. Endlich können wir Brad, am besten auch gleich Angelina, die Meinung geigen. Immerhin haben wir gerade 12.40 Euro für das Ticket bezahlt. Dazu Popcorn, Cola und die 50 Cent für die unfreundliche Klofrau. So nicht!
Brad Pitt lebt schließlich davon, dass wir uns die Tickets und das ganze andere Gedöns kaufen. Ohne uns Zuschauer könnte er sich nicht mal eben ein Zimmer im Hilton leisten, dieser §$%& Millionär.
Wie kann man nur einen solchen Film drehen? Weder Brad noch Angelina haben befriedigende Antworten.
Hinter uns pfeifen die anderen Zuschauer, es fliegen Eier, Tomaten, Plastikflaschen, jemand kippt ein Becher mit Bier über Brads Designer-Anzug.
Das Schauspieler-Paar verschwindet zurück ins Kino und schaut entgeistert auf hunderte ausgestreckter Mittelfinger und wütende Fratzen, die sie als Drecksmillionäre beschimpfen.
Als sie das Kino dann endlich unter Polizeischutz verlassen wollen, treten einige von den Zuschauern gegen ihr  Auto, trommeln auf Dach und Motorhaube ein.
Nie wieder soll dieses Paar in meinem Kino einen Film aufführen dürfen! Die sind doch wohl völlig daneben. Das ist nicht akzeptabel!

Eine fiktive Geschichte eines Samstagabends. Unvorstellbar, oder? Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie gern die Spieler des Hamburger Sportvereins anstelle von Profi-Fussballer lieber Schauspieler geworden wären.
Wenn Schauspieler nämlich eine schlechte Leistung abliefern, gehen die Zuschauer nicht mehr in den nächsten Film. Und wenn sie nicht mehr genügend Zuschauer in die Kinos locken, dann bekommen sie keine so hohen Gagen mehr. Vielleicht bekommen sie sogar gar keine Engagements mehr und versinken in der Bedeutungslosigkeit.
Das ist eine natürliche Auslese. Nur im Fussball funktioniert das irgendwie nicht.
Dort müssen sich Spieler, die Hauptdarsteller, beschimpfen lassen. Sie müssen sich beleidigen lassen. Vor tausenden hassverzerrter Fratzen stehen, davon die Hälfte mit ausgestrecktem Mittelfinger, sie müssen sich einem gewaltbereiten Mob stellen, der sie am liebsten lynchen möchte.
Und diese Leute meinen zudem sogar noch, sie hätten das Recht dazu. Das Millionengehalt wäre schließlich auch Schmerzensgeld, da muss man sich beleidigen, bedrohen und notfalls sogar eine Ohrfeige gefallen lassen.
Auf der anderen Seite ist es sofort ein Skandal, wenn ein Spieler eine leere Plastikflasche in Richtung dieser wütenden Fans wirft. Dann verwandelt sich der wütende Mob nämlich schlagartig in eine weinende Pussy, es werden Geldstrafen und anderen Sanktionen verhängt.

Es ist erstaunlich, dass Fussball-Fans immer noch denken, sie würden mit ihren Eintrittskarten einen prozentualen Anteil an einem Menschenleben  kaufen. Sie erwerben ausschließlich das Recht im Stadion, unter Anerkennung der dortigen Verhaltensregeln, ein Fussball-Spiel anzuschauen.
Es ist keine Freikarte für strafrechtliche Verstöße wie Beleidigungen oder sogar körperliche Gewalt.
Wenn es den Fussball-Fans schon selbst nicht auffällt und es immer wieder vorkommt, dann frage ich mich, warum die Medien nicht einmal darauf aufmerksam machen?
Entweder können die Leute dort auch nicht über den Tellerrand schauen, oder sie nehmen solche Entwicklungen einfach nur dankbar an, weil es billige Schlagzeilen sind.

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