Real 4:0 FC Bayern: Ein Abend in Nord-Korea leben…

Zum ersten mal im Leben habe ich mir gewünscht, in Nord-Korea zu leben. Nicht für immer. Nicht einmal für eine längere Zeit. Aber für einen Abend.
Weltweit wurde das Halbfinal-Rückspiel zwischen Real Madrid und dem FC Bayern München übertragen. Nur in Nord-Korea nicht.
Ich hätte es mir gar nicht ansehen können. Statt 90+ Minuten Leidenszeit hätte ich am anderen Morgen, wenn ich wieder in Deutschland aufgewacht wäre, in der Zeitung die Überschrift “Real deklassiert Bayern München” gelesen und alles wäre mir klar gewesen. Etwa 2-3 Minuten hätte ich gebraucht, um den Artikel zu überfliegen und die Leidenszeit wäre um so vieles kürzer gewesen.

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Am Tag nach dem Debakel lese ich als erstes in verschiedenen Kolumnen, man dürfe Pep Guardiola nun nicht kritisieren, manche schreiben sogar, man dürfe ihn nicht hinterfragen.
Was ist denn das für ein Grundgedanke? Guardiola kam mit dem Untertitel bester Trainer der Welt zur besten Mannschaft der Welt. Guardiola selbst muss sich hinterfragen. Genauso wie jeder einzelne Spieler. Ständig. Sobald man aufhört das zu tun, tritt man auf der Stelle. Und Stillstand ist der Tod des Ehrgeizigen.

Es gibt einige Punkte, die man an Pep Guardiolas Entscheidungen kritisieren kann und auch muss. Dazu gehören Klassiker wie die Bundesliga-Saison ohne Not für beendet zu erklären. Oder seine Fehleinschätzung bei Ribery. Guardiola ließ ihn immer wieder spielen und war zuletzt der Meinung, der Franzose müsse auf alles und jeden sauer sein, um seine Leistung zu bringen. Völlig falsch. Ribery ist ein Wohlfühl-Spieler, er braucht Lockerheit und Freude.

Ich habe den Eindruck, einige Presse-Vertreter möchten in schlechten Zeiten schleimen, um in guten Zeiten Interviews oder Kekse mit Kakao von Pep Guardiola zu bekommen. Anders kann ich es mir nicht erklären, warum er nicht kritisierbar sein soll, obwohl er selbst Fehler eingesteht.

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Was genau gestern Abend in München alles schiefgelaufen ist, muss genau analysiert werden. Und auch die komplette Saison muss genau unter die Lupe genommen werden, damit man es im nächsten Jahr besser macht und Fehler abstellen kann.
Nur so kann man dem eigenen Anspruch, die weltbeste Mannschaft zu sein, gerecht werden.
Schlecht reden, was in den letzten beiden Jahren war? Nein.
Als Guardiola für Heynckes kam, sagte man, er könne an kleine Stellschrauben drehen, um aus einem historischen Triple-Sieger eine noch bessere Mannschaft zu machen.
Fakt ist, in der Momentaufnahme hat er den FC Bayern München verstellt und das gilt es zu korrigieren. Mein Gefühl sagt mir, dass es eventuell auch zwischenmenschlich nicht mehr ganz so gut passt, wie vergleichsweise in der vorherigen Saison. Letztendlich kann man das als Außenstehender aber nicht belegen.

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In der jetzigen Situation kann ich mir nicht vorstellen, dass der FC Bayern München im Pokalfinale gegen Borussia Dortmund erfolgreich sein kann. Es liegt wohl maßgeblich daran, ob man es schafft in den letzten beiden Bundesliga-Spielen Selbstvertrauen zu tanken. Und natürlich daran, ob der weltbeste Trainer wirklich so gut ist, in der Kürze der Zeit ein taktisches Mittel gegen das kleine Real aus Dortmund zu finden.

Der Status Quo jedoch ist, dass aus einer möglichen weltweit historischen Saison nur eine normale Saison wird. Und als etwas anderes kann man es nicht bezeichnen, wenn man nur deutscher Meister wird.

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