Die Flitzer Zensur

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Im Rahmen des UEFA Supercups zwischen Real Madrid und FC Sevilla war es mal wieder soweit.
Als TV-Zuschauer sah man auffällig lang die Menschen im Stadion und die Auswechselspieler am Rande des Spielfeldes. Der Kommentator Bela Rethy klärte dann verbal auf, wie er es nannte. Ein Flitzer rannte über das Spielfeld und die UEFA hält an der Vorgehensweise fest, diese Spielunterbrechung nicht zu thematisieren.

Das Thema hatten wir ja erst vor ein paar Wochen. Während der Weltmeisterschaft zeigte man uns gern die feiernden Fans in lustigen Kostümen. Beliebt waren auch die schönen Frauen, in der Regel mit großen Brüsten.
In der Bundesliga sind es eher die biertrinkenden Männer, leider auch gelegentlich mit großen Brüsten, ausgestrecktem Mittelfinger oder, je nachdem wie spannend es ist, auch mal gähnend.
Diese Zuschauer-Impressionen haben in den meisten Fällen noch viel weniger mit dem Spielgeschehen zu tun, als ein Flitzer. Der unterbricht das Spiel mit seiner Aktion und könnte zumindest theoretisch auch die Konzentration der Aktiven stören.

Machen wir uns nichts vor. Natürlich stecken die Fussball-Profis eine solche Unterbrechung in der Regel weg, ohne das sie in der nächsten Situation völlig unkonzentriert über den Platz rennen.
Als Zuschauer will man aber eben alles sehen. Nicht nur die 500. Wiederholung einer Schwalbe, eingefangen mit der Super-HD-Super-Mega-Slow-Motion-Kamera inklusive Lupe und 3D-Animation, sondern eben auch, wenn einer in hässlichen Unterhosen über den Platz rennt und Chrissiiiii Ronaldo abknutschen will.
Letztendlich gehört es zum Sport dazu, nicht nur im Fussball, wie man auf dem Bild (oben links) sehen kann.

Seitens der FIFA und der UEFA mag man gebetsmühlenartig wiederholen, dass man diesen Flitzern keine Bühne bieten und somit Trittbrettfahrern die Motivation nehmen möchte. Aber der Erfolg dieser Vorgehensweise liegt ja auf der Hand, wenn man sieht, wie lange dies schon die gängige Methode ist und trotzdem gibt es immer wieder Menschen, die es bis auf das Spielfeld schaffen.
Verständnis hätte ich dafür, wenn man die Bilder nicht live zeigt. Ich muss es auch nicht in Großaufnahme sehen, wenn sich einer Werbung für eine Internetseite auf den Bauch pinselt und dann für 5000 Euro ein Stadionverbot in Kauf nimmt. Aber man kann es direkt danach zeigen. Und notfalls sogar verpixeln.

Auch die DFL äußerte sich während der Weltmeisterschaft und nannte dieses Vorgehen eine “Zensur”, die so im Bundesliga-Alltag nicht stattfinden wird.
Gut so, denn wir übernehmen derzeit schon das fragwürdige Freistoß-Spray. Man muss den großen Verbänden nicht alles blind nachmachen. Ansonsten müssten wir demnächst auf die gähnenden Biertrinker-Impressionen verzichten und dürfen auch nur noch junge, dynamische und schöne Menschen zeigen, die weltweit das Bild vermitteln sollen, Fussball wäre einfach total hipp, modern und selbstverständlich läuft immer alles total glatt.

 

Bild: „MIT streaker at HarvardYale game“ von Alex Kehr – originally posted to Flickr as #367. Lizenziert unter CC BY 2.0 über Wikimedia Commons.

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