Moderner Menschenhandel im Profi-Fussball?

Christoph Kramer Zitat auf Sky

Der Nationalspieler und Weltmeister Christoph Kramer löst mit seiner kritischen Aussage über das Business eine kontroverse Diskussion aus.
In den sozialen Netzwerken werden hierzu keinerlei tiefgründigen Gedanken verschwendet. Vielmehr wird es an vielen Stellen mit Aussagen wie “…der zweite Schlag im Finale war wohl einer zu viel…” abgetan.
Und nein, man kann nicht immer alles mit den hohen Verdienstmöglichkeiten als Profi-Spieler abtun. Mal soll es als Schmerzensgeld für Anfeindungen verstanden werden, nun dafür – niemand kommt öffentlich auf die Idee, es auch als Reparationszahlung für diskriminierende Affengeräusche in Stadion zu bezeichnen. Das wäre ja auch politisch unkorrekt. Und nebenbei bemerkt auch wirklich eine Schweinerei.

Aber widmen wir uns doch einmal der wirklichen Frage. Wie viel Menschenhandel steckt im modernen Fussball?
Wenn ein Arbeitnehmer im Unternehmen nicht länger zufrieden ist, woanders mehr Geld verdienen kann oder bessere Aufstiegschancen hat, dann ist es völlig legitim, unter Einhaltung einer Kündigungsfrist das Beschäftigungsverhältnis zu beenden und den Arbeitgeber zu wechseln.
Fussballer haben jedoch langfristige Verträge und ein Wechsel kommt in der Regel nur in Betracht, wenn der potentielle neue Arbeitgeber dem alten Arbeitgeber eine Entschädigung (Transfersumme) anbietet und der alte Arbeitgeber überhaupt einem Wechsel zustimmt.
Gelegentlich sind diese Verträge nicht mehr viel wert, wenn der Arbeitgeber beispielsweise beschließt, dass er nicht mehr mit dem Spieler plant. Danach gibt es verschiedene Möglichkeiten. Spieler werden in die Amateur-Abteilung des Vereins abgeschoben. Oder man zahlt eine Abfindung und löst den Vertrag auf. Häufiger passiert es, dass der Spieler sich möglichst schnell einen neuen Arbeitgeber suchen muss, der dann immerhin keine, oder eine sehr geringe, Entschädigung zahlen muss.

Ein ähnliches Verhalten haben wir auch beim Arbeitsverhältnis zwischen dem Trainer und dem Verein. Am Beispiel von Thomas Tuchel erkennen wir beispielsweise, dass es schwierig werden kann, wenn man, trotz eines laufenden Vertrages, kündigen möchte. Selbst dann, wenn man es längere Zeit vorher ankündigt und damit jegliche Form einer Kündigungsfrist einhält, funktioniert es nur mit Einverständnis des Vereines.
Auf der anderen Seite kann der Verein, als Arbeitgeber des Trainers, jederzeit eingreifen. Sofortige Beurlaubung, Vertragsauflösung inkl. einer Abfindung -  manchmal braucht man nur ein wenig Pech und verlorene Spiele, schon ist man seinen Job los.

Natürlich benötigen die Vereine eine Planungssicherheit. Man stelle sich vor, ein Verein wie Borussia Mönchengladbach liefert eine fabelhafte Saison ab und wird deutscher Meister. Für die neue Saison könnten alle Spieler, nach 4wöchiger Kündigungsfrist, bei einem neuen Verein tätig werden. Bayern München, Leverkusen, Wolfsburg, Hoffenheim und Borussia Dortmund würden sich wahrscheinlich die Hände reiben.

Auf der anderen Seite muss man auch die Spieler verstehen. Im Fall Kramer besteht der Arbeitgeber, Bayer Leverkusen, offensichtlich auf die Vertragserfüllung und soll, so der Eindruck, keinerlei Rücksicht auf die persönlichen Belange des Arbeitnehmers nehmen.

Die Lösung könnten fest vereinbarte und jährliche Ausstiegsklauseln mit einer halbjährlichen Kündigungsfrist sein. Gut, nun ist Borussia Dortmund derzeit das berühmteste Beispiel dafür, dass man damit als Verein auch nicht gerade glücklich sein kann, dennoch wäre es eine Option, ein Gedankengang.
Das Wichtigste an dieser Diskussion dürfte aber sein, dass man sie überhaupt einmal ernst nimmt. Immerhin beklagen wir häufig genug, dass unsere Nationalspieler nicht von 12 bis Mittag denken könnten (…wobei ich das so nicht richtig finde). Nun hat sich mal jemand Grundsatzgedanken gemacht und sie geäußert, dann sollte man es auch ernst nehmen.

Bild: SKY Sports News HD Livescreenshot

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