Keine Macht den Fans

„Ich finde schlimm, was in Nürnberg passiert ist. Dass Fans die Trikots wie Skalps an einer Wäscheleine aufhängen. Aber das passiert, wenn man solchen Leuten über Jahre und Jahrzehnte die Macht gibt.”
Ralf Rangnick

In den Augen zahlreicher Fussball-Fans dürfte ich mich gar nicht als ein solcher bezeichnen. Ich trinke höchst selten Alkohol und wenn, dann eher kein Bier. Meine Bratwurst grille ich lieber selbst, da weiß ich wenigstens, dass sie vorher abgewaschen wurde und danach nicht auf dem Boden lag.
Fussball schaue ich am liebsten vollkommen ungestört vor dem heimischen Fernseher. Ich wende mein Blick höchst selten vom Geschehen ab, verpasse keine Sekunde.
Jubeln, leiden, mitfiebern, das kann ich auch so. Und erfreue mich daran, dass es auch andere Menschen gibt, denn ein lautes Stadion hebt auch am heimischen Fernseher die Stimmung.
Abgesehen von den persönlichen Vorlieben wäre es auch etwas schwierig umzusetzen, wenn das Fussball-Herz des Norddeutschen für den Stern des Südens schlägt.
Ob man mich deswegen als zweitklassigen Fan bezeichnet, oder es mir sogar abspricht überhaupt ein Fan zu sein, ist mir egal. Es dürfte mein mangelndes Verständnis für gewisse Fan-Reaktionen vielleicht unterstützend erklären, aber auch als Stadiongänger würde ich mein Gehirn nicht am Eingang abgeben und hätte mir die nachfolgende Meinung wohl auch unter anderen Umständen gebildet.

Was Ralf Rangnick zu Protokoll gab, dürfte den angesprochenen Fans gar nicht gefallen. Ausgerechnet der (!!) kritisiert so etwas? Der soll sich doch eine Dose Red Bull reinkippen und den Mund halten. So dürften wahrscheinlich die harmlosesten Reaktionen lauten.
Als Außenstehender mit klaren Verstand kann ich Rangnick aber nur zustimmen.

Für etwa 15 Euro bekommt man eine Eintrittskarte, die berechtigt das jeweilige Fussball-Spiel live im Stadion anzuschauen. Ihr könnt gern im Kleingedruckten nachschauen. Da steht nichts davon, dass man den kompletten Verein gekauft hat.
Also woher kommt die Annahme, man könnte irgendwen etwas vorschreiben? Etwas verlangen?

Auch wenn es den Anhängern von “Tradition” nicht gefällt: im Endeffekt bietet ein Fussball-Verein, ein Fussball-Unternehmen, ein Produkt an.
Genauso wie über McDonalds-Burger, dem neusten Film von Brad Pitt oder dem neuen iPhone darf man diskutieren, man darf kritisieren, meckern, sich daran erfreuen oder eben auch nicht. Aber man darf nicht erwarten, dass McDonalds das Rezept ändert, nur weil ich doch regelmäßig dort esse. Oder das Brad Pitt beim nächsten Film mal etwas ganz anderes probiert. Oder das Apple plötzlich ein Open Source Projekt wird.

Pfeifen ist in Ordnung. Den Mittelfinger zeigen nicht, denn auch im Stadion gilt die deutsche Rechtsprechung. Sich umdrehen und gehen, wenn die Spieler sich nach schlechter Leistung in der Kurve blicken lassen wollen, völlig legitim. Trikots einzufordern. Sitzblockaden zu organisieren. Das alles empfinde ich als anmaßend.
Hat sich irgendwer schon mal bei McDonalds vor die Theke gesetzt und gesagt: “Ich gehe hier erst wieder weg, wenn ich die Frühstücksangebote auch noch um 14 Uhr bekomme!”?

Wenn ich in den Medien etwas von derartigen Aktionen mitbekomme, wundere ich mich immer darüber, wie sehr es doch als selbstverständlich angesehen wird. Ich danke Ralf Rangnick für seine Worte, denn er hat mir damit gezeigt, dass es im Fussball doch noch Menschen gibt, deren Blickweise nicht nur von der Nudel bis zum Tellerrand reicht.

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23 responses to “Keine Macht den Fans”

  1. Anonymous says :

    Ich halte es für anmaßend, pauschal über Menschen zu urteilen, für die dieser Sport bzw. ein bestimmter Verein eben mehr ist als nur eine Beschäftigung am Wochenende und diesen eine ziemlich eingeschränkte Sichtweise zu attestieren!
    Wie man diese eine, von ihnen genannte, Situation bewertet, sei jedem selbst überlassen. Doch ein (mittlerweile) nicht mehr unerheblicher Teil der Fans versteht sich nicht mehr nur als Publikum oder Konsument, sondern als Teil des ganzen und das trifft im Falle einer Mitgliedschaft ja auch tatsächlich zu! Ich kann es durchaus nachvollziehen, dass wenn man weder Kosten, noch Mühen scheut um seinen Verein zu unterstützen und ihm in alle Ecken der Republik folgt, ein Mindestmaß an Einsatz, Laufbereitschaft und Kampfgeist erwarten kann! Wenn diese Eigenschaften gezeigt werden, wird es (selbst unter den sehr kritischen) kaum jemanden geben der bspw.ein Trikot einfordert, oder eine Sitzblockade errichtet!
    Wenn dies jedoch nicht der Fall ist, finde ich es völlig legitim seinen Unmut zu äußern und das auch in der von ihnen kritisieren Form! Damit man mich nicht falsch versteht, ich bin absolut gegen jegliche Form körperlicher Gewalt oder Sachbeschädigung! Aber auch für mich ist es nach blutleeren Auftritten von meiner Mannschaft nicht mit „buh“ und ein bisschen pfeifen getan. Ich muss meine Enttäuschung dann auch mal rausbrüllen und dabei fallen sicher auch Wörter die Sie in einem neuen Text kritisieren würden, aber jeder geht anders mit seiner Wut um. Die einen sitzen zuhause, können nach dem Spiel den Fernseher ausschalten und fröhlich weitermachen…andere brüllen sich vor Wut die Stimme weg und merken dass es dadurch nicht besser wird…und nochmals andere fordern nach dem Spiel die Trikots der Spieler, oder setzen sich vor Busse!
    Man muss etwas nicht gut finden, sollte aber erstmal versuchen die andere Seite, oder zumindest deren Sichtweise zu verstehen!
    Bevor ich das nicht tue, maße ich mir nicht an über andere zu Urteilen!

    • Torsten says :

      Hallo „Anonym“ und danke für Ihren Kommentar.
      Ich versuche seit Jahren dieses Verhalten zu verstehen, kann es aber nicht.
      Mit dem pauschalen Urteil ist das so eine Sache. Sie gehen beispielsweise davon aus, dass ich den Fernseher ausschalte und eine Niederlage etc. dann für mich erledigt ist. Tatsächlich ist es aber anders. Wenn es mal nicht so gelaufen ist, dann fluche ich, diskutieren im privaten Kreis rum, je nach Situation ist der Abend gelaufen.., manchmal nicht nur der.
      Und wenn ich mal wieder das Gefühl habe, ich hätte die Weisheit mit großen Löffeln gefressen, den Fehler als einziger erkannt, dann könnte ich den Verantwortlichen am liebsten den Hals umdrehen (sprichwörtlich), weil sie es nicht sehen. Ich kritisiere, hier auf dieser Seite, in den Artikeln. Man muss es halt irgendwie rauslassen, Sie kennen das.
      Es ist keinesfalls so, dass man vor dem Fernseher nicht mit dem ganzen Herzen dabei sein kann. „Tore kann man nicht kaufen…“, heißt es doch so schön. „Fan-Emotionen“ aber auch nicht. Entweder ich bin mit dem Herzen dabei, dann ist es egal wo ich mitfiebere – oder eben nicht. Das ist keine Frage des finanziellen Aufwands.
      Das erinnert mich an oberflächliche Frauen, die der Meinung sind, der Wert vom Ehering drückt aus, wie groß die Liebe ist.

      Auch bei Vereinsmitgliedern gibt es doch klare Vereinbarungen, die schriftlich festgehalten wurden. Nur weil man sich moralisch im Recht sieht, ist es doch noch lange nicht so.

  2. abiszet says :

    Ja, wieviel Macht sollen die Fans haben (dürfen)? Schwierig. Die meisten sind durch ihre Mitgliedschaft eine Art „Anteilseigner“ und nicht nur „Zuschauer/Konsument“ und deshalb hinkt der Vergleich mit McDonalds bzw. Apple. Die Mitglieder haben mindestens einmal im Jahr die Gelegenheit, Vorstände/Führungskräfte zu entlasten, Vereinspolitik mitzubestimmen, ihrer Stimme Gehör zu verschaffen. Das ist das Formale. Jetzt kommen noch Emotionen ins Spiel, wie in Nürnberg und zuletzt beim VfB Stuttgart. Wurde hier nicht Fredi Bobic entlassen, um die Fans zu befrieden? Ich habe das versucht aufzuarbeiten hier (http://vertikalpass.de/verkehrte-welt-beim-vfb/) und hier (http://vertikalpass.de/ist-ein-rauswurf-von-fredi-bobic-die-loesung/) – denn es ist fatal, wenn man sich bei Entscheidungen dem Druck der emotionalisierten Fans beugt. Von daher sind wir fast beieinander. ;-)

  3. Martin W. says :

    Bis auf wenige, meist altgediente Lichtgestalten stehen „die Medienschaffenden“ jeder Form der hemmungslosen Kommerzialisierung im Fußball äußerst positiv gegenüber. Das war bei Wolfsburg so, bei Hopp und jetzt bei Mateschitz. Kein Wunder, denn ihr Verhältnis zum Fußball ist parasitär. Da verdienen Leute, die sonst vielleicht Postbote geworden wären, auf einmal deutlich 6-stellig und dürfen ihre Birne im TV zeigen. Nicht etwa, weil sie außergewöhnliches leisten, sondern einzig und allein aus dem Grund, weil sie mit Glück in diesen Fussballhype gerutscht sind und am Kommerz nuckeln wie ein Baby an der Mutterbrust. Jobprofil: Schlank, smart, rückgratlos. Es sind teilweise richtig abstossende Karikaturen des Journalismus, sie recherchieren nicht, sie lutschen am Hinterrad der Sponsoren, Konzerne und Mäzene, beseelt von dem einen Wunsch, dass Geld- und Hypekarussel möge sich drehen, immer schneller und schneller. Denn: Je mehr Geld in den Business fließt, umso größer ihre Gehälter, umso ausladender die Buffets in den VIP-Räumen, desto teurer die Nutten, desto besser das Koks. Wer in diese hässliche Fratze des Fußballs sehen will, braucht nur Sonntags Vormittags ab und zu den richtigen Privatsender einzuschalten. Diese Medienparasiten sind vom Fan in der Kurve meilenweit weg, ihre Interessen laufen grundsätzlich gegensätzlich zu unseren. Und das gilt für den kleinen, devoten Radioreporter, der von der TV-Karriere träumt und bereit ist, seinen Kopf tief im Arsch der Sponsoren zu versenke, genauso wie für den Printjournalist der Lokalzeitung, der seine Vormittage bei ein paar Bier auf dem Vereinsgelände verbringt, bevor er am Nachmittag in 20 Zeilen den Kopf des Trainers fordert, wie für den Starkommentator bei Premiere, der von der eigenen Bedeutung so besoffen ist, dass er sich für eine Art Philosoph hält? Ihr Treibstoff ist Geld, Geld, Geld. Sie sind die Wanderhuren des Fußballs und das letzte, was sie brauchen können sind Diskussionen über zuviel Kommerz oder gar eine weiträumige Politisierung der Kurven, die Rechte einfordern. Her mit Mateschitz, her mit Hopp, her mit den Scheichs, her mit dem Pay-TV, frische Kohle kann nur gut sein für den Fußball, nein, äh, für ihren Geldbeutel.

    Für diese Kreaturen sind wir Fans, die finanziell am Fußball nicht partizipieren, sondern im Gegenteil Geld mitbringen, nichts als nützliche Idioten. Klatschvieh, dass für Choreos und den Soundtrack sorgen darf und das benötigte emotional positive Werbeumfeld schafft. Die Grundierung für den großen Fussballkommerz, die eigentlichen Pinselstriche setzen dann sie, die Medien. Und die Empörung bricht sich Bahn, sobald der Pöbel mitreden will. Wo kämen wir denn da hin, man hat sich doch so schön eingerichtet im Fußball Jet-Set, da stören die Quertreiber doch nur.

    In diesem Millieu wird dann „Traditionsverein“ zum Schimpfwort, denn Tradition, das riecht streng nach Werten, Ehrlichkeit und Überzeugung und der einzige Wert, den sie akzeptieren ist Geld. Und Verein, das heißt Mitbestimmung und Debatten, was aber Scheichs und Oligarchen daran hindert, in Deutschland zu investieren. Tradition und Werte, dass bremst das Karussell, nee, sowas braucht kein Mensch. Folklore, bitte gern, aber Werte?! „Lasst bloß die Finger von unserem schönen Kommerzfußball“, schreit es zwischen den Zeilen ihrer sponsorengerechten Artikel. „Reclaim the game“, einmal andersherum, pervertiert durch diese Schmarotzer des modernen Fußballs. Und frech grienen sie uns von den Bildschirmen an und blöken in die Mikrophone: „Die Zeiten haben sich halt geändert“.

    Diese Medienbrut sehe ich in vieler Hinsicht längst als natürlichen Gegner der Fans im Kampf um den Fußball. Man muss sich einfach nur bewusst sein, wie die Interessen liegen, dann werden die Dinge klar. Dass es dann als Ausnahme immer mal wieder einen einzelne „Journalisten“ gibt, die ihren Anstand noch nicht völlig an die Fussballindustrie verkauft haben, mag ein Trost sein, bestätigt aber letztlich nur die Regel.

    • Torsten says :

      Hallo Martin.
      Vielen Dank, den Kommentar fand ich sehr interessant.
      Mich würde Deine Meinung zur Alternative interessieren? Ernsthaft,…falls Du das hier verfolgen solltest, würde ich mich freuen, wenn Du Dir noch ein paar Minuten für eine Antwort nehmen könntest.

  4. Anonymous says :

    ohje… wahrscheinlich gehoeren sie in 3-5 jahren zu den groessten RB Leipzig „Fans“, da der „Verein“ dann viel interessanter ist, als der FCB…. immer schoen weiter die bratwuerste waschen… darf hier JEDER blogeintraege verfassen, ohne dass vorher eine einigermaßen vorhandene ahnung nachgewiesen wurde?

  5. ein anderer anonym says :

    der verfasse ist vermutlich in 3-5 jahren der „groesste fan“ von RB Leipzig… =)
    bitte einwach weiter bratwuerste waschen… darf hier jeder einfach blogeintraege verfassen, ohne vorher halbwegs auf kompetenz und ahnung ueberprueft worden zu sein..???

    • Torsten says :

      Hallo „ein anderer Anonym“.
      Da ich seit fast 30 Jahren dem FC Bayern die Daumen drücke, wird das wohl nicht passieren.
      Aber vielleicht kannst Du mich ja noch überzeugen, immerhin habe ich keine Ahnung ;-)

  6. Tim says :

    Hallo. Schau lieber weiter TV und grill Würstchen, denn vom Fan-sein hast Du keine Ahnung.

    Gruß

  7. Sven says :

    Hallo Torsten,
    deinen Blockbeitrag empfinde ich im allgemeinen als etwas Blutleer, was aber keineswegs den Sinn betrifft.
    Ich bin einer dieser Anhänger der roten Schweine und als solcher nicht der Vereinsführung hörig oder so.
    Was ich nun eigentlich sagen möchte, auch ich bin der Meinung, das man den Fans nicht zu viel Macht zugestehen sollte. Es gilt auch hier das Sprichwort; Zu viele Köche verderben den Brei.
    Und nur weil ein kleinerer dafür aber sehr lauter Teil von Fans, oder auch Vereinsmitgliedern der Meinung ist, man muss eine Disziplinarmassnahme an den eigenen Spielern durchführen, so ist es noch lange nicht die Meinung aller.
    Ich sehe derzeit an allen möglichen Ecken im Land, dass der Wettstreit im Support und das feiern und überhöhen des eigenen Fanseins wichtiger ist, als die Unterstützung der eigenen Mannschaft.
    Fussballspieler sind auch nur Menschen, mit Höhen und Tiefen, mit einer Seele. Es ist da auch mal nötig für einen Spieler da zu sein, ihn in Schutz zu nehmen und wieder aufzubauen, anstatt ihn nieder zu brüllen.
    Die Trikotaktion sehe ich mit zweierlei Gefühl, ich kann die Wut verstehen und auch das Zeichen dahinter, aber was gar nicht geht, ist das Symbol der Trikots auf der Leine. Damit verhöhnt man die Spieler und macht sie noch mehr fertig, damit wird es schlimmer statt besser.
    Was bleibt also, Fans und auch die mit Vereinsmitgliedschaft sind nicht der Vorgesetzte der Spieler, man sollte daher wissen, wo die eigenen Grenzen liegen und sich nicht nur von der Wut und dem Hass lenken lassen. Was aus sportlicher Sicht notwendig und richtig ist, muss sich im Herzen nicht unbedingt richtig anfühlen.
    Also auf gehts, supportet EURE Farben und seht nicht alles schwarz.

  8. Betze-bub says :

    Hier nochmal der erste „Anonym“

    Sorry Torsten…ich wollte mit meinem Kommentar niemanden als „schlechten“ oder „guten“ Fan darstellen! Ich wollte nur veranschaulichen, dass jeder anders mit seinen Enttäuschungen umgeht und diesen Ausdruck verleiht! Sie schimpfen in den eigenen vier Wänden und manch anderer tut dies in den Kurven oder Gästeblöcken!
    Und ich habe da noch etwas, dass überhaupt keine Erwähnung findet. Sie kritisieren dass Verhalten der FcN-Fans und finden es anmaßend die Trikots der Spieler zu fordern (wie gesagt…man muss die Aktion nicht toll finden), aber gehen nicht darauf ein, dass die Spieler dieser Forderung sofort nachkommen!
    Und Grundlegend kann man glaube ich auch festhalten, dass diese Aktion oder eine Busblockade, nichts mit „Macht“ zu tun haben! Es werden hier ja schließlich keine Entscheidungen getroffen, oder irgendwie auf solche Einfluss genommen!
    Wenn man sich als Fan Gehör verschaffen will, bedarf es mittlerweile nunmal deutliche Zeichen, damit die Jungs auf dem Rasen und auch der Rest dieses Geschäfts merken, dass man nicht emotionslos seinem Job nachgehen kann, wenn man solche Zahlen auf dem Kontoauszug lesen darf!
    Auch schon geschrieben, aber wenn ich/wir alles geben damit der Verein erfolgreich ist, erwarte ich das auch von den Protagonisten auf dem Spielfeld!

    • Torsten says :

      Hallo Betze-Bub.
      Die FCN-Aktion war natürlich nur ein Anlass, dieses ganze Thema einmal aufzugreifen.

      Schimpfen im Stadion finde ich nicht einmal ungewöhnlich und auch ok, solange es z.B. niemanden persönlich betrifft. Beispiel: Spieler XY Mittelfinger zeigen und H****sohn nennen. Für zahlreiche Fans vollkommen in Ordnung, aber rechtlich gesehen eindeutig verboten. So ein Stadion ist ja kein rechtsfreier Raum.
      Auf der anderen Seite wird dann sogar immer ein großes Faß aufgemacht, wenn ein Spieler sich hinstellen und den Mittelfinger zeigen würde. Finde ich nicht richtig.

      Ich denke schon, dass man derartigen Aktionen Einfluss auf den Verein nimmt und somit eine gewisse Macht hat. Nicht selten werden danach doch Trainer entlassen. Was will man auch machen? Spieler kann man ja nicht komplett austauschen.

      Ich hoffe ich habe in der Eile nichts vergessen, bin zwischen Tür und Angel. Ansonsten haben wir später sicher noch die Gelegenheit.

      Gruß,
      Torsten

  9. Anonymous says :

    Im echten Leben nix zu sagen aber im Stadion die Backen aufpusten. Richtig so KEINE MACHT DEN DUMMEN.

  10. Betze-bub says :

    Wir bleiben jetzt mal beim Mittelfinger als Beispiel…
    Da sehe ich sehr wohl einen Unterschied zwischen einem, in der Masse, relativ anonymen Fan, den man öffentlich nicht sieht oder hört und einem Fußballprofi der in der Öffentlichkeit steht und heute mehr denn je als Vorbild für die kleinsten unter uns dienen muss! Dass der Aufschrei nach einem Fehltritt eines (eigentlichen) Vorbilds größer ist, finde ich völlig legitim! Wenn ich mich dafür entscheide ein öffentliches Leben zu führen, muss ich mich auch dementsprechend benehmen!
    Du erwähnst die Beleidigungen und Mittelfinger in der Kurve… es gibt natürlich keine zwei Meinungen, so etwas ist per Gesetz verboten. Allerdings gibst du mir sicherlich recht, wenn ich behaupte dass der Adressat dieser „Grüße“ in einem, durchschnittlich großen, deutschen Stadion nichts davon mitbekommen würde, oder? Dementsprechend sehe ich keinen riesigen Unterschied zu deinen verteufelungen in den eigenen vier Wänden! Und selbst diese stellen keinen rechtsfreien Raum dar! Abgesehen davon sollte man Sachen die bis ca eine Stunde nach Abpfiff gesagt werden, nicht zu ernst nehmen. Im positiven wie im negativen Sinne!

    • Torsten says :

      So ganz weit sind wir mit den Meinungen scheinbar gar nicht auseinander.
      Es gibt sicherlich Situationen, wo man allgemein den Mittelfinger hochhält und einfach – wie man so schön sagt – mit der Gesamtsituation unzufrieden ist.
      Auf der anderen Seite gibt es immer wieder mal Bilder/TV-Aufnahmen von Spielern zu sehen, die unmittelbar vor den Fans stehen und unzählige Mittelfinger schauen.

  11. Betze-bub says :

    Werden hier Kommentare nicht nur nicht freigeschaltet, sondern sogar gelöscht???

  12. Karsten says :

    „Auch wenn es den Anhängern von “Tradition” nicht gefällt: im Endeffekt bietet ein Fussball-Verein, ein Fussball-Unternehmen, ein Produkt an.“

    Das ist genau die Aussage die wirklich erschreckt, mich zumindest. Sie negiert jeglichen geschichtlichen Bezug. Das war niemals der Grund warum Vereine gegründet wurden. Was sie aber zeigt ist, dass wir uns wie selbstverständlich nur noch als Konsumenten begreifen sollen.

    Das hier gesellschaftlich wertvolle Dinge wie Ehrenamt, Engagement, Mitbestimmung, Demokratiefähigkeit, Empathie, Solidarität weitergetragen und vermittelt werden, dass viele Menschen mit ihren Bezugsvereinen aufwachsen und dort Gemeinschaft und Heimat finden, sich vernetzen, vieles diskutieren wird als gesellschaftlicher Kitt der vieles zusammenhält überhaupt nicht mehr berücksichtigt.

    Alle Verbände, Parteien, Vereine gesellschaftlich wichtige tragende Säulen leiden unter dem schwund an Aktiven Menschen die Verantwortung übernehmen. Mit der reinen produktorientierten Konsumphilosophie können wir dann ja gleich alle politischen Entscheidungen den Konzernen überlassen.

  13. Da McKaye says :

    Beim „Gott-hab-ihn-selig-HSV“ konnte man jetzt seit X Jahren beobachten, was passiert, wenn die sogenannten Supporter zuviel Macht bekommen. Erst fand man es ganz schön, dass plötzlich mal so etwas wie Leben in den ehemaligen Eisschrank der Liga einzog. Toll. Großartig. Uffdah, uffdah-Tätärä! So lange die Mannschaft in CL und BuLi waren die Fans auf den Rängen zufrieden. Nur wurde es plötzlich schick, sich als Fan in den Aufsichtsrat wählen zu lassen. Und welch Glück, dass der gleich mal viel zu aufgeblasen. Personell gesehen. Mit laufender Zeit jedoch leider auch vom Intellekt. Wer da nicht alles seinen Platz fand. Und dann – was lag näher – hatte man schließlich sogar die Möglichkeit, den Vorstand zu kippen. Uahh. Bei uns im Norden heißt es: Wenn aus Schiet wat ward! Und genau das ist dann über Jahre hinweg passiert.

    • Betze-bub says :

      Also ich kann dieses Gerede über die „Macht“ der Fans nicht ertragen!
      Da McKaye… in dem von dir beschriebenen Fall (ein Fan wird in den Aufsichtsrat gewählt) kann man als Fan, mehr oder weniger, „Macht“ ausüben, wobei man alleine natürlich Machtlos ist! Ich habe das Gefühl, dass Sie immer noch vor Augen haben wie ein Fan sich in der Kurve, oder auf der letzten Auswärtsfahrt verhalten hat. Ich behaupte, dass dieses Fan sein, nichts mehr mit dem Fan zu tun hat der es wirklich mal in den Aufsichtsrat eines Bundesligavereins (mittelständisches Unternehmen) geschafft hat! Da kommt man nicht mal eben hin, weil man nichts besseres zu tun hat, oder es gerade hip ist!
      Wenn jemals ein Aufsichtsrat ausnahmslos aus Fans besteht und einen Profiverein richtig gegen die Wand fahren und ruinieren, dann nehme ich das ganze Thema „Fans-Einfluss-Macht“ wieder ernst!

  14. Matthias says :

    Hallo Thorsten,

    zunächst finde ich die Aktion der Nürnberger auch nicht gut und ich bin ähnlicher Meinung wie BetzeBub in der Hinsicht, dass man die Spieler aufbauen und nicht erniedrigen sollte, um sie zu besseren Leistungen zu bringen. Die Aktion ist nicht zu entschuldigen.

    Allerdings stockt mir der Atem bei Ihren Vergleichen von Fußballvereinen mit Weltkonzernen. Sind Sie der Ansicht, dass ich mich bei der Kundenbetreuung melden sollte, wenn ich mit der Leistung der Mannschaft nicht einverstanden bin. Da würde ich mich nämlich melden, wenn ich meinen BigMac mehrmals hintereinander kalt serviert bekommen hätte.

    Das Eintrittsgeld für das Stadion bezahle ich jedenfalls nicht um eine Gegenleistung zu erhalten, sondern um den Verein zu unterstützen und die Atmosphäre aufzusaugen und (wenn möglich) einen Sieg zu feiern.

    Als FC Bayern Fan ist jedenfalls einfacher über den Schmerz der Niederlage hinwegzusehen wenn die Niederlage im Halbfinale der Champions League ist und nicht in der Abstiegszone der zweiten Liga.

    Für mich sind Fans ein untrennbarer und meist auch guter Teil eines Vereins. Ich denke nicht, dass jemand in Dortmund sagt, dass sie die Süd nicht bräuchten nur weil sich einige beim Derby auf Schalke ziemlich daneben benehmen.

    • Torsten says :

      Hallo Matthias.
      Vielen Dank für Ihren Kommentar.

      Ich kann es nicht wirklich beurteilen, ob es sich anders anfühlt, wenn der Abstieg droht. Für Bayern-Fans wäre der Abstieg halt „nicht in der Champions League spielen“.
      Andere Relationen, aber wahrscheinlich die gleichen Emotionen.

      Vereine sind an der Börse, haben Büros im Ausland, sind Arbeitgeber, jonglieren mit Summen, bei denen es Otto Normalverbraucher schwindelig wird. Da bleibt einem gar nichts anderes übrig, als sie mit großen Unternehmen zu vergleichen.
      Eine Beschwerden-Hotline würde sicherlich nicht funktionieren. Die würde ja nach jedem Spiel zusammenbrechen, weil wir es alle (ich schließe mich ein) besser wissen, als der Trainer. Und das auch alle gern mitteilen würden. :)

      Natürlich könnte ich mir jetzt ein paar kreative Gedanken dazu machen. Man muss ja auch irgendwie mit Anstand seinen Unmut äußern können. Aber es muss auch die Gewissheit vorhanden sein, dass man sich zwar beschweren kann, aber die Verantwortung weiterhin bei den Vereinsbossen liegt.

      Beispiel gefällig? Ich konnte mir damals auch nicht vorstellen, dass Manuel Neuer als „Ur-Schalker“ im Bayern-Tor steht. Rene Adler war damals mit ihm auf Augenhöhe und wäre mir lieber gewesen. Ich fand es in Ordnung, wenn Fans im Vorfeld darauf aufmerksam machten. Die Bosse haben aber nicht darauf gehört und sich durchgesetzt.
      Ich habe mich darauf einlassen müssen und wurde eines Besseren belehrt. Neuer war nicht der Fremdkörper, wie ich es mir vorgestellt habe. Im Gegenteil, der hat sich schnell zu einem echten Sympathieträger (für mich) entwickelt.
      Und ich fand es schrecklich, wie es anfangs hieß, er hätte von den Fans ein „Verhaltenskodex“ diktiert bekommen.
      Mittlerweile hat es sich alles so gedreht, dass Manuel Neuer mein Top-Kandidat für die Kapitänsbinde ist. Eigentlich verrückt? Aber man kann halt nicht immer richtig liegen mit seinen Einschätzungen. Und deswegen ist es gut, wenn nicht „der Mob“ entscheidet, sondern die Veranwortlichen.

      Den größten Einfluss haben Fans übrigens auf die Personalie des Trainers. Mir persönlich fällt jetzt gerade kein Trainer ein, der sich 3-4 Spiele lang „*Name* raus, *Name* raus!“ anhören musste und zeitgleich noch im Amt ist.
      Selbst auf Schalke würden sie wohl Keller nicht entlassen, wenn da Woche für Woche ein Plakat mit der Aufschrift „Notfalls gehen wir mit Jens in den Keller!“ hängen würde. Anders wäre es aber, wenn da „Keller raus“ in der Dauerschleife läuft.

      Übrigens ist „Atmosphäre aufsaugen“ eine Gegenleistung. Beispiel: Konzert eines Musikers kann ich mir auch auf YouTube, einer DVD oder auf einem Live-Album anhören. In der Halle, Stadion etc. ist es aber ein einmaliges Erlebnis und deswegen zahlt man dafür (mittlerweile häufig echt verdammt hohen) Eintrittspreis.

      Ich hoffe ich konnte ein paar Punkte deutlicher machen :)

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