Kann man Politik aussperren?

politik gehört nicht ins stadion sprechblase

“Politik gehört nicht ins Stadion!”, titelte Rhyan Depesche heute in seinem Blog.
Er beschrieb einen Vorfall, den wir in dieser Form wahrscheinlich auch an jeder x-beliebigen Bushaltestelle in der Innenstadt hätten erleben können.
Ein Zuschauer trug eine Jacke der Marke “Thor Steinar”, die bekanntlich der rechtsradikalen Szene zugeordnet wird. Andere Zuschauer fühlten sich dadurch provoziert und es kam zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen diesen Personen.

Das Thema machte mich neugierig. Gehört Politik wirklich nicht ins Stadion? Hat sie dort grundsätzlich nichts verloren, oder betrifft es nur bestimmte Formen der Politik? Was? Wer? Wieso und weshalb? Man kennt die tausend Fragezeichen, die man vor Augen hat, wenn man sich erst einmal mit einem Thema auseinandersetzt.

Auf dem speziellen Vorfall bezogen müsste die Forderung eigentlich anders formuliert werden. Nicht die Politik war für die Gewalt verantwortlich, sondern die hohe Gewaltbereitschaft.
Grundsätzlich ist Gewalt keine Lösung, auch wenn die USA und unzählige andere Staaten da anderer Meinung sein werden.

Die Medaille “Fussball & Politik” hat zwei Seiten. Das wird uns von den Verbänden auch so vorgelebt.
Die FIFA beispielsweise sperrte den nigerianischen Verband, weil die Politik sich zu sehr einmischte, Präsidenten aus dem Amt drängte und stattdessen einen der ihren dort platzierte.
Auf der anderen Seite möchte die FIFA, sorry, “der Sport”, aber 2018 während der Fussball-Weltmeisterschaft einen positiven Einfluss auf die Politik in Russland nehmen.
Was versteht man unter positiv? Natürlich gefällt uns mehrheitlich die Politik in Russland nicht. Aber wieso sollte der Fussball überhaupt irgendeinen Einfluss auf die Politik eines anderen Landes nehmen? Haben wir nicht in Sachen Nigeria gerade erst gelernt, dass die FIFA keine Einmischung von Außen duldet? Wieso sollte Putin respektieren, was Blatter nicht duldet?
Wir haben eine jubelnde Kanzlerin beim WM-Finale, wir haben ein Bild von Borussia Dortmund, auf dem der Bundespräsident die Meisterschaft mit der Mannschaft feiert. In München wurde über Jahre der Oberbürgermeister und 1860-Fan ausgepfiffen, wenn der FC Bayern wieder eine Meisterschaft auf dem Balkon feierte.
Wir regen uns auf, wenn Anti-Faschistische Banner im Stadion für ein Länderspiel abgehangen werden. Gut, Rassismus ist nicht nur Politik, es ist auch eine Frage der Moral. Dennoch, oder genau deswegen:

Politik und Fussball kann man nicht wirklich trennen. Es ist wie im wahren Leben, die Politik begegnet uns immer und überall.
Ich finde es auch unsinnig und fehl am Platze, wenn man im Stadion plötzlich mehr politische Parolen als Anfeuerungsrufe für das Team hört oder sieht. In erster Linie sollte man doch ins Stadion gehen, um das Spiel zu verfolgen und die Mannschaft zu unterstützen. Man kann es aber nicht völlig ausklammern (…und ich weiß, das wollte der Blogger-Kollege auch gar nicht).

Gewalt und Intoleranz haben im Stadion nichts zu suchen. Denn an einem Ort, an dem Wochenende für Wochenende die verschiedensten Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, sexueller Orientierung oder Glauben sich auf ein Fussball-Spiel konzentrieren, könnte eine kleine Oase namens “bessere Welt” entstehen. Wenn wir es denn zuließen würden.
Und dieses politische Statement würde viel mehr wiegen, als irgendein Banner oder eine Jacke vom falschen Hersteller.

Also, schlagt Euch am Wochenende nicht die Köpfe ein. Eine ausgestreckte Hand erreicht häufig viel mehr, als eine Faust.

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