Belastung der Spieler: Hört endlich auf zu jammern!

rudi völler

Als Karl-Heinz Rummenigge vor einiger Zeit die Belastung der Nationalspieler kritisierte, stellten sich die Fakten bereits als falsch heraus. [hier nachlesen]
Auch wenn Rudi Völler, Toni Kroos und andere prominente Namen im Jammer-Chor einstimmen, die Zahlen verändern sich dadurch nicht.
Fakt ist, dass die Weltmeister von 74 gerade einmal zwei Länderspiele weniger spielten, als die aktuellen Weltmeister in diesem Jahr.
Zumindest Jogi Löw und Oliver Bierhoff erinnerten in jüngster Vergangenheit daran, dass die Gründe für eine zu hohe Belastung woanders zu suchen sind.

Durch die hohe Anzahl von Spielen in den Vereinswettbewerben generieren eben genau diese Vereine mehr Einnahmen. Eine Firma in der freien Marktwirtschaft würde einen Teil dieser Umsatzsteigerung in Personalkosten investieren, um die zu bewältigende Arbeit stemmen zu können. Im Fussball-Business ist das aber anders. Da schaut man offensichtlich erst einmal, ob man nicht lieber einem anderen die Schuld in die Schuhe schieben könnte. Und da bietet sich nur eine Lösung, nämlich die Nationalmannschaft.

Toni Kroos gab in einem Interview zum Besten, ein größerer Kader, der ja bekanntlich mehr Rotation und somit Ruhephasen ermöglichen würde, daran wäre ja niemand interessiert.
Nun, vielleicht nicht die Spieler? So ein Kader muss nämlich nicht nur einfach groß sein, der müsste auch qualitativ gut aufgestellt sein. Im Umkehrschluss heißt es also, dass insgesamt mehr Geld ins Personal investiert werden müsste.
Nun werden die Vereine kein Interesse daran haben, jeden zusätzlich verdienten Euro in Personalkosten zu investieren. Also würden sich die Verdienstmöglichkeiten insgesamt ein wenig absenken. Und gleichzeitig müsste man als Spieler auf einsatzgebundene Prämien verzichten, sowie sich einer noch größeren Konkurrenz stellen.

Rudi Völler forderte nun in einem Interview mit SKY, die Nationalmannschaft solle gegen Gibraltar eine B-Mannschaft spielen lassen. Eine großartige Idee. Während die anderen Nationen  Gibraltar mit 7 Toren vom Platz fegen, lassen wir eine B-Mannschaft mit 2 Toren gewinnen. Und am Ende, wenn dann wegen des einen (Polen) oder anderen (…es kommen noch Spiele) Patzers das Torverhältnis jogi löwentscheidet, bekommen die Spieler 2016 unerwartet einen ganz langen Urlaub. Die Blamage wäre perfekt, wenn der Weltmeister sich aufgrund eines solchen Vorschlages nicht qualifizieren würde. Es muss nicht einmal der worst case eintreten. Es reicht schon, wenn man schlechter abschneidet und in eine entsprechend starke Gruppe gelost wird. Aber die Herren denken lieber von 12 bis Mittag, später kann man immer noch kluge Sprüche in die Kamera sprechen.

Interessanterweise kritisieren jetzt unter anderem die Funktionäre, die einen späteren Auftakt der Bundesliga mit der Begründung ablehnten, man könne nur so dem FC Bayern München mal in die Schranken verweisen. Scheint nicht so ganz geklappt zu haben. Dann aber mit der nächsten dummen Idee um die Ecke zu kommen, ist schon dreist.

Es ist, wie es ist. Die Belastung durch die Nationalmannschaft ist innerhalb von 30 Jahren um zwei Spiele/jährlich gestiegen. Wenn man die Spieler entlasten will, geht das nur auf Vereinsebene. Wenn das aufgrund der UEFA-Pläne nicht funktioniert, führt der einzige Weg über einen qualitativ ausgeglichenen Kader, um rotieren zu können. Die Größe des Kaders muss wahrscheinlich nur in Einzelfällen angepasst werden. Das wesentliche Manko dürfte das qualitative Gefälle sein.
Etwas anderes sollte sich der Fussball-Fan von den Experten, Funktionären und Spielern nicht einreden lassen. Und ich bin froh, dass es unser Bundestrainer offensichtlich genau so sieht.

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2 responses to “Belastung der Spieler: Hört endlich auf zu jammern!”

  1. Hans Wurst says :

    Mir ist der Bericht etwas zu einseitig. Klar kann man sagen, dass die Weltmeistermannschaft von 1974 nur 2 Spiele weniger hatte, mir erschließt sich die Relevanz jedoch nicht. In einer Zeitspanne von 40(!) Jahre hat sich im Fußball bezüglich der Athletik und Geschwindigkeit so viel getan, dass Vergleiche, meiner Meinung nach, nicht seriös sind.
    Klar sind Klubgeschichten wie Cl und EL auch relativ neu, die Belastung ist aber in den letzten Jahre konstant geblieben und die betroffenen Mannschaften haben ja schon einen vergrößerten Kader. Es kann ja wohl keiner erzählen, dass Bayern, Dortmund und Wolfsburg nicht genug in die Kaderbreite investieren (wobei Wolfsburg zum ersten mal wieder international spielt). Gleichzeitig wird die EM von der UEFA auf 24 Mannschaften aufgebläht, um mehr Geld zu generieren. Dabei steigt die Belastung und die sportliche Qualität sinkt. Die Qualifikation wird somit eigentlich zum Selbstläufer für die meisten Teams. Mir geht es gar nicht um Gegner wie Gibraltar, auch die haben ein Recht darauf, gegen Deutschland spielen zu dürfen. Aber theoretisch könnten wir auch gegen ein Top-Team ein Rumpfteam auf den Platz schicken, weil ja fast jeder Platz zur Teilnahme an der EM berechtigt. Und dann fängt die UEFA auch noch mit Geschichten wie Youth- oder Nations League an. Mir erschließt sich folglich nicht, wieso die Klubs schuld daran sein sollten, wenn die Belastung steigt.

    • Torsten says :

      Hallo Hans.
      Grundsätzlich spreche ich über den Status Quo, da spielt die Nations League ja noch keine Rolle.

      Ich kopiere einfach mal einen Absatz von UEFA.com:
      Bedeutet dies höhere Belastungen für Spieler und Klubs?

      Nein; die Spiele der UEFA Nations League und die Qualifikationsspiele für die Europameisterschaften werden in den existierenden internationalen Spielkalender integriert. Die UEFA legt großen Wert auf eine ausgewogene Balance zwischen dem Klub- und dem Nationalmannschaftsfußball. Dieser neue Wettbewerb könnte sogar die Belastungen der Spieler und Klubs reduzieren, da weniger lange Reisen anstehen und die Nationalmannschaften öfter gegen Teams ihres Niveaus spielen. Die Spieler werden sogar früher zu ihren Klubs zurückkehren, als es bislang der Fall ist.

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