#MiaSanMull

miasanmull

Der FC Bayern München hat am vergangenen Spieltag der Bundesliga 6:0 gegen Werder Bremen gewonnen.
In der Champions League siegte der Verein mit 7:1 gegen AS Rom.
Matthias Sammer steht unmittelbar vor der Vertragsverlängerung als Sportdirektor.
In der Bundesliga steht das Spitzenduell zwischen Bayern München und Mönchengladbach an.
Franck Ribery ist zurück im Kader. Arjen Robben und Xabi Alonso spielen auf einem wahnsinnigen Niveau. Und Bastian Schweinsteiger, Weltmeister und DFB-Kapitän, feiert wahrscheinlich sehr bald sein Comeback auf dem Rasen.

Das alles sind Themen, die im Moment weniger beschäftigen und bei Agenturmeldungen der Presse eine niedrigere Prioritätsstufe haben, als der Konflikt zwischen Trainer Pep Guardiola und der medizinischen Leitung Dr. Müller-Wohlfahrt.

Als Pep Guardiola im Sommer 2013 seinen Dienst beim Rekordmeister im Rahmen einer großen Pressekonferenz antrat, sprach er davon, sich anpassen zu müssen. So groß sein Name auch sei, wie beeindruckend sein Ruf ihm auch vorauseilte, kein Trainer, kein Spieler, kein Funktionär, ist so groß, wie der Verein.
Rückblickend würde mich interessieren, auf welchem Gebiet sich Pep Guardiola dem Verein bisher angepasst hat?

Auch wenn man den Konflikt zwischen Guardiola und Müller-Wohlfahrt in der Öffentlichkeit klein halten möchte, so ist er doch existent. Die kuriose Seite dieser Geschichte ist, dass Pep Guardiola schlichtweg keinen Doktor in der Medizin, geschweige denn von praktischer Erfahrung, vorzuweisen hat.
Den habe ich auch nicht. Für eine Bewertung der Situation bleibt uns also nur der logische Menschenverstand. Und der verrät mir folgende Dinge:

  • Dr. Müller-Wohlfahrt ist, mit kurzen Unterbrechungen, seit 37 Jahren der Vereinsarzt des FC Bayern München
  • “Mull” ist seit 19 Jahren beim DFB für die Nationalmannschaft zuständig
  • Neben dem Leichtathleten Usain Bolt, der sich für seine Behandlung öffentlichkeitswirksam nach einem 100-Meter-Finale beim Doc bedankte, vertrauen Spitzensportler aus der ganzen Welt den Fähigkeiten dieses Arztes

Auch wenn die alternativen Behandlungsmethoden unter Medizinern nicht unumstritten sind, gab es bisher keinerlei eklatanten Behandlungsfehler, die in irgendeiner Form öffentlich bekannt wurden.
Dr. Müller-Wohlfahrt genießt schon ein Leben lang das Vertrauen des Vereins, der Spieler, zahlreichen Trainern. Er leistet offensichtlich hervorragende Arbeit beim kritischen DFB, überstand dort einen Wechsel der Generationen. “Mull” wird von nationalen und internationalen Fussball-Vereinen hinzu gezogen, zählt internationale Spitzensportler zu seinen Patienten. Wie kommt man mit einem logischen Menschenverstand darauf, einen solchen Arzt mit aller Gewalt rausdrängen zu wollen?

Für ein solches Verhalten gibt es eigentlich nur eine vernünftige Erklärung: persönliche Eitelkeiten.
Und damit wären wir wieder beim Punkt anpassen. Solange Guardiola denkt, er könne seine persönlichen Eitelkeiten über die Interessen des FC Bayern München stellen, so lange wird er bei solchen Themen rumzicken, wie ein kleines Mädchen.
Anders kann man es nicht nennen, wenn auch nur die Hälfte davon wahr ist, was ehemalige Weggefährten wie Zlatan Ibrahimovic über den Trainer sagen.

“Aber der Erfolg gibt ihm Recht…”, habe ich vor einiger Zeit als Argument in einem Leser-Kommentar gelesen. Der Erfolg gibt ihm das Recht…wozu?
Verdiente Persönlichkeiten, die seit fast 40 Jahren für den Verein großartige Arbeit leisten, abzusägen? Und das nicht, weil sie die Leistung nicht mehr bringen, sondern weil… Ja, warum eigentlich? Weil ihm die Nase nicht passt? Weil er einen Spanier kennt, den er auf dieser Weise einen neuen, gut bezahlten Job vermitteln will? Natürlich ist das eine provokative Fragestellung, aber es gibt schlichtweg keinen logischen Grund und man ist versucht, sarkastisch zu werden, um es zu verstehen.

Und welcher Erfolg ist eigentlich gemeint? Ja, wir haben richtig geile Spiele von unserer Mannschaft gesehen.
Unterm Strich ist, neben internationalen Supercup und Weltpokal, deren Weg noch durch Heynckes geebnet wurde, die deutsche Meisterschaft und der DFB-Pokal rausgekommen. Das Double haben wir auch mit Magath und Van Gaal geholt. Wir würden es wahrscheinlich auch mit Dutt oder Slomka holen.
Selbst wenn wir erneut das Triple gewinnen, was aber aller Euphorie zum Trotz noch in weiter Ferne ist, dann haben wir das mit dem lieben Herrn Heynckes auch schon geschafft. Es führt eben nicht nur ein Weg zum Ziel.

Ich habe schon Uli Hoeneß kritisch gesehen, wenn er sein Ego über die Interessen des Vereins stellte. Dann werde ich bestimmt nicht bei einem Pep Guardiola, der unendlich viel weniger für den Verein geleistet hat, über solche Dinge hinwegsehen.
Erfolg hin oder her. In ganz Deutschland werden die Fans des FC Bayern München als Erfolgsfans beschimpft. Wenn ich zugunsten des Erfolges über Ungerechtigkeiten hinwegsehen würde, dann wäre ich wirklich ein Erfolgsfan.

Er (Thiago) ist zufrieden. Er ist glücklich. Er wurde vom besten Traumatologen der Welt operiert. Jetzt bin ich mir sicher, dass er bald zurückkommen wird.
Pep Guardiola am 24. Oktober 2014 im Rahmen einer Pressekonferenz

Es ist eine Diskreditierung zwischen den Zeilen, weil, so sagt man, “der Doc” eigentlichen einen anderen Kollegen in den USA operieren lassen wollte. Zwischen den Zeilen, trotzdem  öffentlich.
Wenn es sachliche und fachliche Gründe dafür gibt, ein Urgestein des Vereins in Rente zu schicken, könnte ich es nachvollziehen, solange es fair und mit gegenseitigem Respekt geschieht.
Das Rummenigge und Sammer aber offenbar hinter den Kulissen versuchen zu vermitteln, zeigt mir doch, dass der Verein noch voll auf Dr. Müller-Wohlfahrt setzt.

Ich bin nicht in der Position, den Fans im Stadion irgendwelche Vorschläge zu machen. Aber ich würde am heimischen Fernseher gerührt applaudieren, wenn man im Stadion einen Mia san Mull Schriftzug enthüllt. In Bezug auf Sponsoren, Vereine und vielen anderen Themen ist immer wieder von Tradition die Rede. Ich denke, der Doc ist eine echte Tradition beim FC Bayern München und der deutschen Nationalmannschaft, die es verdient hätte, dass man für sie einsteht.

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One response to “#MiaSanMull”

  1. Julian Koch says :

    Nunja, er (Pep) hat sich immerhin in relativ kurzer Zeit, vergleichsweise imposant der deutschen Sprache bemächtigt. Außerdem hat er von Neymar abgelassen und dafür Götze „zugelassen“. Vielleicht hört damit dann das Anpassen auf?
    Persönlich vermute ich, dass er ein echtes Problem hätte wenn der Steuersünder keiner wäre und noch beim FCB im Amt säße, vielleicht gäbe es dann sogar weniger Spanier im Team… Das Mädchen (Pep) sollte halt aufpassen an welchen Beinen er versucht zu sägen, manche (dazu zähle ich „Mull“) sind stabiler als Eichenholz. Anfangs dachte ich, er würde einfach ein wenig seine Grenzen ausloten, mittlerweile wandelt er aber auf sehr arroganten Schuhen; er denkt er wäre der Größte, der der alles darf. Man kann ihm nur raten, sein Ego etwas zurückzuschrauben, sonst läuft er Gefahr, dass sein „von den Bayern in Watte gepackt werden“ bald ins Gegenteil umschlägt und sich die derzeitige Führungsriege vermehrt intensive Ratschläge von dem, „der nichts mehr zu sagen hat“, holt. Damit würde Hoeneß (ja, den meinte ich) aus dem Hintergrund wieder zur größten Figur beim FCB aufsteigen und den (nun nene ich ihn direkt) Pep zu einer kleinen Nummer verkommen lassen.

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