Red Bull: Keine Flügel, nur neue Wege

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Red Bull verleiht keine Flügel. Hätte das Unternehmen, anstelle von Investitionen in Leipzig, einen kleinen Kostümverleih eröffnet, hätte es 13 Millionen Dollar sparen können. Und wir wären um ein brandheißes Diskussionsthema ärmer.

Red Bull, so heißt es in vielen Kommentaren, Artikeln und Meinungsäußerungen, macht nämlich den Fussball kaputt. So häufig gelesen, diskutiert und irgendwie habe ich es noch immer nicht verstanden, wie das gehen soll. Wird Red Bull wirklich für den Untergang einer Sportart verantwortlich sein? Steht die fussballerische Apokalypse bevor?

Wir leben in einer Zeit, in der man als Milliardär Sportvereine kaufen kann. Basketball. Baseball. Und auch Fussballvereine. Dahinter muss kein Konzept oder echtes Interesse stehen. Man kann das als Hobby oder Prestigeobjekt besitzen.
Die Gefahr bei solchen Vorzeige-Objekten ist, dass es irgendwann nicht mehr chic ist und von heute auf morgen alle Gelder abgezogen werden.

Auf der anderen Seite gibt es aber die Investitionen von Red Bull im Sport. Das Unternehmen investiert so viel Geld in verschiedene Sportarten, dass ich mich frage, ob die es selbst drucken, oder ob man tatsächlich mit diesen – mir nicht schmeckenden – Getränken, tatsächlich so viel verdienen kann?
Nun, scheinbar kann man es….

RB Leipzig ist das aktuell am häufigsten diskutierte und kritisierte Projekt von Red Bull. Das Unternehmen versucht dort nachhaltig ein Fussball-Club aufzubauen, welches von den “traditionsbewussten Anhängern anderer Vereine” gnadenlos kritisiert und sogar boykottiert wird.

Der Fussball ist längst zum Geschäft geworden. Man kann von den Eintrittsgeldern keine moderne Stadien bauen, die Namensrechte müssen verkauft werden. TV-Einnahmen bekommt man nur, wenn man möglichst viele Fussball-Fans dazu bringt, ein kostenpflichtiges Abo abzuschließen. Niemand braucht wirklich Eierbecher mit dem Vereinslogo, sie müssen aber verkauft werden, damit das Geschäft und somit das sportliche Unterhaltungsprogramm weitergehen kann.
Man kann vor der Entwicklung die Augen verschließen und gegen alles sein, was nicht so ist wie früher, aber aufhalten kann man es nicht.

1973 stellte sich Eintracht Braunschweig gegen den DFB und machte einen großen Schritt in Sachen Trikotsponsoring. Wie viel Geld würde dem Sport heute fehlen, hätte damals nicht einer den ersten Schritt gemacht und wäre neue Wege gegangen?

Die 50+1 Regel ist im Prinzip eine gut gemeinte Sache. Sie soll uns wohl am ehesten davor beschützen, dass ein Milliardär daherkommt, sich sein “Prestige-Objekt” kauft und wieder fallen lässt, wenn er ein neues Hobby entdeckt.
Es ist aber nicht gleichzusetzen mit einem Unternehmen, welches mit guten Konzepten und langfristigen Investitionen kommt und im Sport-Business bereits über einen großen Erfahrungswert verfügt.
Ja, sie verhindern offenbar durch überzogene Mitgliedsbeiträge, dass ihnen jemand in die Suppe spuckt. Aber wie heißt es so schön? Wer die Musik bezahlt, der bestimmt, was gespielt wird. Ich kann es ihnen also nicht verdenken.

Ähnlich wird es auch mit den großen Sponsoren bei anderen Vereinen sein. Man muss kein offizielles Amt bekleiden, um hinter den Kulissen Macht auszuüben. Wer bezahlt, bestimmt auch wo es lang geht. Man braucht das Geld und niemand beißt die Hand, die einen füttert.

Natürlich will Red Bull damit die eigene Marke stärken. Geld haben die auch nicht zu verschenken. Sie investieren. Genauso wie jeder einzelne Trikotsponsor, egal ob im absoluten Spitzenbereich oder der Getränkemarkt im Ort, der die Thekenmannschaft ausstattet.
Im Gegenzug investieren sie kurzfristig in Leipzig und langfristig im deutschen Fussball, wenn einmal ein Sprößling des Red Bull Nachwuchszentrums im WM-Finale das entscheidende Tor für die deutsche Nationalmannschaft schießt.

Irgendwann in naher Zukunft werde ich mich als Fan des FC Bayern München auch über RB Leipzig beklagen. Nämlich dann, wenn sie in der 1. Bundesliga angekommen sind und uns dort tatsächlich das Leben schwerer machen.
Aber ich gehe fest davon aus, dass es nicht wirklich die finanziellen Geschichten sind, über die ich klage. Es wird schon andere Gründe geben. Ein unsympathischer Trainer. Ein arroganter Sportdirektor. Oder notfalls auch der Geruch beim öffnen dieser Getränkedosen. Hauptsache man kann ein wenig sticheln und den Konkurrenzgedanken pflegen.
So war es auch mit der TSG Hoffenheim. Und ich sehe keinen Grund, dass es mit RB Leipzig anders sein wird. Bis dahin verfolge ich die Entwicklung der neuen Wege, die sich nicht mehr aufhalten lassen. Ganz entspannt.
Wettbewerbsverzerrung sehe ich  keine. Am Ende heißt es immer noch 11 gegen 11.
Und wenn man sich Erfolg wirklich kaufen könnte, wäre Roman Abramowitsch mit dem FC Chelsea nicht jahrelang seinem Traum vom Champions League Sieg hinterhergelaufen, sondern hätte sich diesen Wunsch viel früher erfüllt.
Auch RB Leipzig muss ein Spiel erst spielen. Red Bull verleiht nämlich keine Flügel, die gehen nur neue Wege. Das ist doch irgendwie tröstlich, oder?

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3 responses to “Red Bull: Keine Flügel, nur neue Wege”

  1. Ein Freund von Müller- Lüdenscheid says :

    Es vergeht keine aktuelle Sportsendung (Ausser Bowling :-)) in der man nicht auf RB Leipzig zu sprechen kommt, obwohl der Klub ansonsten gar nicht in der Sendung vorkommt.

    Es nervt…..!!

    Selbst ich habe nach etlichen Medienberichten begriffen, dass RB Leipzig (besser Herr Mateschütz) alle „guten Traditionsklubs“ ins finanzielle Abseits drängt und die Bundesligen bald kein Zuschauermagnet mehr sein werden, weil RB dort spielt…:-)
    Der Dämon kommt jetzt aus Leipzig, trinkt Brause gemeinsam mit Porsche und Nike, spielt Fussball vor 12.140 Zuschauern und baut ein neues Ausbildungszentrum… :-)

    Es ist sicherlich unbestritten so, daß es Clubs wie Augsburg, Sandhausen, Union Berlin oder Aue immer schwerer haben werden finanziell und sportlich mitzuhalten. Strategische Partner wie die Allianz sucht man da vergeblich.

    Und der Fussballfan !! weiß auch, daß diese finanzielle Schieflage nicht mit der Ära RB Leipzig begonnen hat.

    Ob unsere Medienvertreter und Fussballexperten das Wissen auch haben?

    Einige schon! Die hört man nur nicht oder nur sehr leise.

  2. carlosrios says :

    also man kann über rb leibzig geteilter meinung sein.nur dadurch das es hern mateschütz zu hundert prozent gehört,stellt sich die frage,was passiert wenn er sterben sollte und seine erben das nicht mehr so sehen wie er.da könnte es passieren das rb wieder in der versenkung verschwindet.weil unbestritten der verein in seiner jetziger form nur durch sein geld da steht wo er steht.

    • carlosrios says :

      alle klubs der ersten und zweiten liga können das ganze ja auch als herausforderung betrachten und selber sponsoren oder ähnliche geldgeber an land ziehen.also nicht alles ist schlecht.und die traditionsklubs müssen sich ändern und ihre sportlichen leiter nach kompetenz und nicht nach vereinszugehörigkeit auf die posten tun.

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