#MiaSanMull Müller-Wohlfahrt schmeisst hin

“Müller-Wohlfahrt legt Amt nieder!”. Als diese News auf dem Smartphone erschien, zuckte ich kurz zusammen. Nein, Mull will wohl am Saisonende in Rente gehen? Übernimmt sein Sohn?

Ganz so klassisch ist die Geschichte hinter der Schlagzeile nicht.
Der Doc hört nicht zum Saisonende auf, sondern sofort. Und er geht auch nicht freiwillig in Rente, sondern sieht sich nach dem ewigen Machtkampf mit Pep Guardiola offensichtlich dazu gezwungen.

“Nach dem Champions League-Spiel des FC Bayern München gegen den FC Porto wurde aus uns unerklärlichen Gründen die medizinische Abteilung für die Niederlage hauptverantwortlich gemacht.”
Dr. Müller-Wohlfahrt

Mit “Doc Mull” tritt der komplette medizinische Stab zurück.

Es ist einfach nur traurig, wie der großartige Verein FC Bayern München bis zum Hals im Hintern seines Trainers steckt. Und deswegen suche ich nicht länger nach den passenden Worten, sondern zitiere die folgenden Absätze aus meinem Artikel vom 25. Oktober 2014, die im letzten halben Jahr nichts an Richtigkeit verloren haben.

Als Pep Guardiola im Sommer 2013 seinen Dienst beim Rekordmeister im Rahmen einer großen Pressekonferenz antrat, sprach er davon, sich anpassen zu müssen.
So groß sein Name auch sei, wie beeindruckend sein Ruf ihm auch vorauseilte, kein Trainer, kein Spieler, kein Funktionär, ist so groß, wie der Verein.
Rückblickend würde mich interessieren, auf welchem Gebiet sich Pep Guardiola dem Verein bisher angepasst hat?

Auch wenn man den Konflikt zwischen Guardiola und Müller-Wohlfahrt in der Öffentlichkeit klein halten möchte, so ist er doch existent. Die kuriose Seite dieser Geschichte ist, dass Pep Guardiola schlichtweg keinen Doktor in der Medizin, geschweige denn von praktischer Erfahrung, vorzuweisen hat.
Den habe ich auch nicht. Für eine Bewertung der Situation bleibt uns also nur der logische Menschenverstand. Und der verrät mir folgende Dinge:

  • Dr. Müller-Wohlfahrt ist, mit kurzen Unterbrechungen, seit 37 Jahren der Vereinsarzt des FC Bayern München
  • “Mull” ist seit 19 Jahren beim DFB für die Nationalmannschaft zuständig
  • Neben dem Leichtathleten Usain Bolt, der sich für seine Behandlung öffentlichkeitswirksam nach einem 100-Meter-Finale beim Doc bedankte, vertrauen Spitzensportler aus der ganzen Welt den Fähigkeiten dieses Arztes

Auch wenn die alternativen Behandlungsmethoden unter Medizinern nicht unumstritten sind, gab es bisher keinerlei eklatanten Behandlungsfehler, die in irgendeiner Form öffentlich bekannt wurden.
Dr. Müller-Wohlfahrt genießt schon ein Leben lang das Vertrauen des Vereins, der Spieler, zahlreichen Trainern. Er leistet offensichtlich hervorragende Arbeit beim kritischen DFB, überstand dort einen Wechsel der Generationen. “Mull” wird von nationalen und internationalen Fussball-Vereinen hinzu gezogen, zählt internationale Spitzensportler zu seinen Patienten. Wie kommt man mit einem logischen Menschenverstand darauf, einen solchen Arzt mit aller Gewalt rausdrängen zu wollen?

Für ein solches Verhalten gibt es eigentlich nur eine vernünftige Erklärung: persönliche Eitelkeiten.
Und damit wären wir wieder beim Punkt anpassen. Solange Guardiola denkt, er könne seine persönlichen Eitelkeiten über die Interessen des FC Bayern München stellen, so lange wird er bei solchen Themen rumzicken, wie ein kleines Mädchen.
Anders kann man es nicht nennen, wenn auch nur die Hälfte davon wahr ist, was ehemalige Weggefährten wie Zlatan Ibrahimovic über den Trainer sagen.

“Aber der Erfolg gibt ihm Recht…”, habe ich vor einiger Zeit als Argument in einem Leser-Kommentar gelesen. Der Erfolg gibt ihm das Recht…wozu?
Verdiente Persönlichkeiten, die seit fast 40 Jahren für den Verein großartige Arbeit leisten, abzusägen? Und das nicht, weil sie die Leistung nicht mehr bringen, sondern weil… Ja, warum eigentlich? Weil ihm die Nase nicht passt? Weil er einen Spanier kennt, den er auf dieser Weise einen neuen, gut bezahlten Job vermitteln will? Natürlich ist das eine provokative Fragestellung, aber es gibt schlichtweg keinen logischen Grund und man ist versucht, sarkastisch zu werden, um es zu verstehen.

Und welcher Erfolg ist eigentlich gemeint? Ja, wir haben richtig geile Spiele von unserer Mannschaft gesehen.
Unterm Strich ist, neben internationalen Supercup und Weltpokal, deren Weg noch durch Heynckes geebnet wurde, die deutsche Meisterschaft und der DFB-Pokal rausgekommen. Das Double haben wir auch mit Magath und Van Gaal geholt. Wir würden es wahrscheinlich auch mit Dutt oder Slomka holen.
Selbst wenn wir erneut das Triple gewinnen, was aber aller Euphorie zum Trotz noch in weiter Ferne ist, dann haben wir das mit dem lieben Herrn Heynckes auch schon geschafft. Es führt eben nicht nur ein Weg zum Ziel.

Ich habe schon Uli Hoeneß kritisch gesehen, wenn er sein Ego über die Interessen des Vereins stellte. Dann werde ich bestimmt nicht bei einem Pep Guardiola, der unendlich viel weniger für den Verein geleistet hat, über solche Dinge hinwegsehen.
Erfolg hin oder her. In ganz Deutschland werden die Fans des FC Bayern München als Erfolgsfans beschimpft. Wenn ich zugunsten des Erfolges über Ungerechtigkeiten hinwegsehen würde, dann wäre ich wirklich ein Erfolgsfan.

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