Pep geht – Als Projektleiter oder geliebter Trainer?

Karl-Heinz Rummenigge hatte es schon einige Wochen zuvor angekündigt. Unmittelbar vor Weihnachten sollte es die Entscheidung geben, ob Pep Guardiola seinen Vertrag beim FC Bayern München verlängert, oder eben nicht. So oder so, hieß es, würde es eine Weihnachtsüberraschung geben.

Pep Guardiola Hände über KopfIn den letzten Wochen gab es immer wieder verschiedene Meldungen über diverse Gerüchte, in den letzten Tagen wurde es unausstehlich. Eine Sportredaktion schrieb die Gerüchte einer anderen ab und die machten wiederum einen Artikel daraus, dass es nun auch jemand anders schreibt.
Vielleicht hätte Pep Guardiola sich einmal ein Beispiel an den „Night-Talker“ Jürgen Domian nehmen sollen. Der kündigte bereits Anfang 2015 an, dass er Ende 2016, nach etwa 20 Jahren, mit seiner Sendung „Domian“ aufhört.
Auch Stefan Raab, der gerade unter dem Hashtag #Raabschied verabschiedet wird, hatte rechtzeitig alle informiert und nicht so einen Wirbel zugelassen.
Gut, vielleicht kann man das nicht vergleichen. Aber unterm Strich ist das Thema durch die Geheimniskrämerei erst so richtig aufgepustet und auch ziemlich anstrengend geworden. Gut nur, dass die Mannschaft es relativ spurlos an sich hat vorbeiziehen lassen.

Nun ist es also offiziell. Pep Guardiola geht nach drei Jahren und sein Nachfolger, Carlo Ancelotti, wurde in der gleichen Pressemitteilung vorgestellt.

Trotz der überragenden und dominanten Spielweise, die Guardiola der Mannschaft eingetrichtert hat, bleibt ein fader Geschmack zurück. Die Ikone Dr. Müller-Wohlfahrt. Torjäger, die im letzten Spiel, es ging um nichts mehr, nicht im Kampf um den Torschützenkönig-Titel unterstützt wurden. Das Gefühl, man habe Schweinsteiger durch die Hintertür rausgeschickt. Die vielen, vielen verletzten und verheizten Spieler und die, angebliche, erneute Kritik an „Mull-Nachfolger“ Dr. Braun, der es scheinbar dem Pep auch nicht recht machen kann.
Und zu guter Letzt natürlich die Frage, warum ein Trainer sich sieben Spiele des Gegners anschaut, um dann ab der ersten Minute des Spiels die eigene Taktik fortlaufend zu korrigieren.
Das Team hat wahnsinnige Entwicklungen durchgemacht. Aber die positive Arbeit von Pep Guardiola werfen eben diesen Schatten, den obige Punkte ausmachen.
Ob Ancelotti dies besser handhaben kann, wird man sehen. Wahrscheinlich hat er dafür andere Defizite, bei denen man später einmal sagen wird, es wäre bei Guardiola anders, oder vielleicht besser gewesen.

Denkt man heute an den Abschied von Pep Guardiola, dann ist es eher eine Szene mit freundschaftlichen Handschlag, Schulterklopfer und einem „Mach es gut, man sieht sich“. Tränen sieht man in dieser Szene eher nicht. Weil es sich doch irgendwie mehr nach einem Projekt [siehe hier] anfühlt. Und nicht nach einer verschworenen Gemeinschaft, einer Herzensangelegenheit, wie wir es zuletzt von der eher väterlichen Figur Jupp Heynckes erlebten.
Aber noch ist nicht aller Tage Abend. Pep Guardiola hat noch etwa ein halbes Jahr und drei Titel lang Zeit. Über die Titel könnte er sich auf die Ebene von Lattek, Hitzfeld und Heynckes heben. Aber das „wie“ entscheidet, ob er auf der Zielgeraden auch noch die Herzen der Fans gewinnt. Wir werden im Sommer 2016 erleben, ob Guardiola der ewige „Projektleiter“ mit Licht und Schatten bleibt, oder ob er es doch noch zum geliebten Trainer schafft, dem man obige Fehler verzeihen kann.

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