Neue Herausforderungen? Oder Geld, Macht und geringer Widerstand

Pep Guardiola wird den FC Bayern München nach Ablauf seines dreijährigen Vertrages verlassen. Eine mögliche Vertragsverlängerung lehnte der Spanier, offenbar mit der Begründung, er benötige eine neue Herausforderung, ab.

Eine neue Herausforderung. Das klingt so fussballromantisch. Und fühlt sich, aus der Ferne betrachtet, schlichtweg wie eine Lüge an.

Herausforderungen gibt es für Guardiola auch beim FC Bayern München:

  • Die Champions League hat er (noch) nicht gewonnen. Noch nicht einmal das Finale erreicht. Klar, das ist nicht planbar. Aber es wäre eine Herausforderung, es zu schaffen.
    Dahingehend wäre der Gewinn des nachfolgenden UEFA Super Cups und der FIFA-Klub-Weltmeisterschaft eine weitere, mögliche Herausforderung.
  • Mit Douglas Costa hat Guardiola derzeit ein echtes Juwel in der Mannschaft. Nicht wenige Experten sehen im Brasilianer den nächsten Messi, den nächsten Weltfussballer. Die Weiterentwicklung des potentiellen „Prinzen“, der irgendwann „seinen Messi“ ablösen soll, sie dürfte auch als Herausforderung gelten.
  • Überhaupt ist das Thema „Weiterentwicklung“ so eine Sache unter Pep Guardiola. Es wäre auch eine echte Herausforderung, aus der eigenen Jugendabteilung einen regelmäßigen Spieler für die 1. Mannschaft zu formen. Es wäre sogar ein Novum für die „Ära Pep“. Gerade jetzt, wo man so viel für den Nachwuchsbereich aufbaut, würde das auf der Hand liegen.
  • Rekorde wurden viele aufgestellt. Aber einige könnte man sich durchaus noch unter den Nagel reißen. Ungeschlagen deutscher Meister werden. Die Champions League (erst gewinnen und dann….) verteidigen. UEFA-Super Cup und FIFA-Klub-Weltmeisterschaft verteidigen. Die Superlative bieten Möglichkeiten.
  • Eine kleine, aber durchaus wesentliche Herausforderung wäre es, wenn man die Ursachen für die Muskelverletzungen in der Mannschaft aufspürt und entsprechend Veränderungen vornimmt. Also ohne den Doktoren die Schuld zu geben.
  • Und eine Herausforderung mit Strahlkraft wäre es, wenn man nicht nur projektbezogen ein Team über 3-4 Jahre an der Spitze hält, sondern tatsächlich eine Ära prägt.

Nein, stattdessen scheint Pep Guardiola die „neue Herausforderung“ bei Manchester City zu suchen. Die besteht aber wohl hoffentlich nicht nur darin, das Plus an Gehalt auszugeben. Obwohl man das wohl nicht so genau sagen kann.
Bei Manchester City findet Pep Guardiola vor allem alte Weggefährten aus Barcelona in einflussreichen Positionen wieder. Die Herausforderung ist somit wohl eher keine Herausforderung, sondern der Weg in die Bequemlichkeit. Kein Kampf mehr um Spielertransfers, um Einfluss und Macht. Kein Doktor, den Fans und Spieler noch immer vertrauen. Kein Rummenigge, Sammer und wohl in einigen Monaten auch Hoeneß wieder, die sich auch eine eigene Meinung erlauben. Nein, nein. Alles bleibt schön im Kreise der alten Bekannten und Freunde.

Immer und immer wieder habe ich bei diesem Thema betont, dass man Reisende nicht aufhalten soll. Als die Presse noch Peps „super super Pressekonferenzen auf deutsch“ lobten, kritisierte ich bereits die überzogene Heiligsprechung einer Person, die nichts anderes vorzuweisen hatte, als ihren Ruf.
Der FC Bayern München hat unter Pep Guardiola bis hierher zumeist tollen und erfolgreichen Fussball gespielt. Es soll seine Verdienste nicht schmälern, wenn ich auch nun widerspreche: ich denke nicht, dass neue Herausforderungen dringend nötig waren oder eine Rolle spielten. Geld, Macht und geringerer Widerstand wohl eher. Völlig legitim. Aber dann nennen wir die Dinge doch auch bei ihren Namen.

Advertisements

One response to “Neue Herausforderungen? Oder Geld, Macht und geringer Widerstand”

  1. BlutgraetscheAT says :

    Kann mir schon vorstellen, dass er eine neue Herausforderung wollte. Er wollte immer schon nach England, in die beste Liga, in eine Liga, die herausfordernd ist. Seien wir doch ehrlich, es ist keine Herausforderung für das Guardiola-Bayern, die Bundesliga zu gewinnen. Das bei City seine Friends und Ex-Kollegen bereits tätig sind, eine perfekte Gelegenheit nenne ich sowas. Ich glaube, Guardiola will einfach wieder dieses Kribbeln, jedes Wochenende nur durch Arbeiten auf allerhöchstem Niveau gewinnen zu können, nicht wie in der Bundesliga trotz taktischer Fehler noch mit 2-0 gewinnen zu können.
    Und die Champions League? Wer weiß, vielleicht hat er sie für heuer fest eingeplant (falls man sowas kann). Zu gönnen wärs ihm. Damit er den FC Bayern auch „guten Gewissens“ verlassen kann..

Dein Kommentar (keine Anmeldung notwendig):

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s