Pep Guardiola: Ein paar Worte zum Abschied | #FCBH96 #FCBayern |

pep guardiola gegen hoffenheim

Heute wird Pep Guardiola zum letzten mal als Trainer des FC Bayern München im Rahmen eines Bundesliga-Spiels an der Seitenlinie stehen.
102 Spiele um die deutsche Meisterschaft, die er in allen 3 Jahren gewinnen konnte.
Es wird Zeit, (ein kleines bisschen) Abschied zu nehmen. Ich Erinnere mich an seinen ersten Auftritt und spekuliere über seinen Abgang.

Der Messias des Fussballs ist da!
Als Pep Guardiola in München vorgestellt wurde, gab es einen Hype, den es so noch nie zuvor in der Bundesliga gegeben hatte. Nicht nur der Andrang, auch die Reaktionen der Pressevertreter kannte man zuvor nur von kreischenden Girlies in den 90ern, wenn die jeweils aktuelle Boygroup am Start war.
Nach der ersten Pressekonferenz waren sich die Sport-Redaktionen einig: der Messias des Fussballs ist da …und er spricht so verdammt gut deutsch!?

Seltsam. Der FC Bayern München brauchte eigentlich gar kein Messias, denn als Triple-Gewinner konnte man zwar neue Impulse gut gebrauchen, das Rad neu erfinden brauchte aber niemand.
Und mal ehrlich, ich habe in den ersten Pressekonferenzen von Pep Guardiola kaum ein Wort verstanden. Zu schnell und zu inhaltslos – wahrscheinlich, weil er sich in der deutschen Sprache einfach noch nicht so gut ausdrücken konnte, was verständlich war. Und ist. Denn nach 3 Jahren ergeht es mir bei vielen Pressekonferenzen kaum anders.

Kein Messias. Aber ein Projektleiter?
Unmittelbar vor dem Ende seiner ersten Hinrunde bezeichnete ich Guardiola als „Projektleiter“, der nicht mit dem Herzen beim Verein sei. Ich stellte die Frage, ob sich das „Ich“ und „die Mannschaft“ irgendwann zu einem „Wir“ formen ließe.
Betrachtet man die damalige Ausrichtung der Berichterstattung, war dies schon eine Form der Blasphemie.
Das hat sich mittlerweile geändert. Mit der Sekunde, in der es offiziell wurde, dass Pep den Verein in Richtung England verlassen würde, kam die Kritik am Trainer auf und der kritische Unterton in jeder Schlagzeile sollte bis heute nicht verstummen.

Guardiola: gescheitert oder erfolgreich?
Die Diskussion über Peps Erfolg oder Misserfolg beim FC Bayern München spaltet die Nation und sogar die sogenannten Experten können sich nicht einigen.
Es geht halt immer nur schwarz oder weiß. Dabei gibt es viele Grautöne und allein die Titel spielen beim Fazit keine Rolle.

In der Bundesliga brach der FC Bayern unter Guardiola sämtliche Rekorde und fuhr die maximale Anzahl an Titel ein. Es wurden zwar auch schon Spiele fahrlässig verloren, weil man öffentlich den Wettkampf für beendet erklärte, aber die Quittung bekam man an anderer Stelle.

Im DFB-Pokal konnte Guardiola bisher nur einen Titel holen. Das Finale in einer Woche wird zeigen, ob das letztjährige Ergebnis nur ein, im wahrsten Sinne des Wortes, Ausrutscher war, oder eben nicht.

In der Champions League ist das dreimalige Erreichen des Halbfinales in Folge eine sehr starke Leistung. Warum es nie für den ganz großen Wurf gereicht hat, darüber kann man sich genauso streiten, wie über das endgültige Fazit über Erfolg und Misserfolg.

Der Unterschied zwischen sehr gut und großartig liegt im Herzen. Und dafür kann man ein ganz einfaches Beispiel aufführen.
Unser Thomas Müller wird geliebt. Zwischen Fans und Spieler passt kaum ein Blatt Papier. Es war nie ein Thema, dass Müller und der vergebene Strafstoß dem Verein die Champions League gekostet haben könnte.
Diese Bindung entstand zwischen Guardiola und den Fans nie. Und ich wage es zu behaupten, dass es nicht unbedingt an den Fans gelegen hat.
Vom ständigen Ärzte-Streit bis hin über den fehlenden Respekt, seinen Abschied per Pressemitteilung verkünden zu lassen, während er im Urlaubsflieger nach Spanien sitzt: Pep Guardiola ist nie wirklich angekommen, sich nicht wirklich identifiziert und all das schreibe ich heute nicht zum ersten mal.
Vielleicht wurde es auch dem letzten Zweifler verdeutlicht, als Guardiola heute eine Rückkehr zum FC Bayern München grundsätzlich ausschloss.
„Das wäre nicht gut für den Verein…“, begründete er seine Meinung. Und nun darf man spekulieren, was damit gemeint sein könnte, oder ob es einfach nur der Versuch war, nicht unhöflich klingen zu wollen.
Wahrscheinlich ist der FC Barcelona tatsächlich der einzige Verein auf dieser Welt, zu dem der stolze und politisch engagierte Katalane eine emotionale Bindung aufbauen kann. Das kann und sollte man akzeptieren. Mich würde interessieren, ob er sich selbst dessen auch bewusst ist.
Im Ansatz vielleicht, denn er selbst sagte gestern, es sei nicht leicht für einen ausländischen Trainer, „Ins Herz der Leute“ zu kommen. Aber Pep, lass Dir gesagt sein, an der Nationalität scheiterte es wohl nicht.

Der Abschied von Pep Guardiola von der Bundesliga-Bühne bot zwischen den Zeilen auch noch eine weitere Botschaft. Über 3 Jahre lang waren stets alle „super-super Spieler“. In seiner letzten Bundesliga-Pressekonferenz sprach er dann davon, am meisten würde er die Spieler vermissen. Er korrigierte dann direkt und sprach davon „FAST alle Spieler“ zu vermissen.
Warum? Warum jahrelang diese zwanghafte und schon häufig parodierte Gleichstellung aller Spieler, um dann, auf gepackten Koffern sitzend, noch einen kleinen, fast unbemerkten Seitenhieb abzulassen?
Man kann es nicht genau wissen. Aber an einem sprachlichen Missverständnis mag ich nicht glauben.

Ein seltsamer Abschied. Und es würde mich kaum überraschen, wenn er nicht noch seltsamer werden würde. Pep Guardiola traue ich so einiges zu. Auch, dass er etwa 20 Minuten nach der Pokalübergabe am kommenden Samstag (an welches Team auch immer) im Flugzeug sitzt und sich mit einer Pressemitteilung vom FC Bayern München verabschiedet. Gesendet von einem iPhone.


 


 

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