"Titel sind nur Nummern": Danke und auf Wiedersehen, Pep Guardiola

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Die Ära „Pep Guardiola“ beim FC Bayern München endete gestern mit dem Erfolg im DFB-Pokalfinale gegen Borussia Dortmund. Der Rekordmeister und Rekord-Pokalsieger hat sich aus der Saison 2015/2016 – wieder einmal – mit dem Double verabschiedet. Nicht der einzige Erfolg, den der Spanier mit den Bayern innerhalb seiner drei Jahre in Deutschland feiern konnte. Und trotzdem gibt es auf der Liste von Titel und Rekorde noch leere Zeilen.

Eines der größten Themen zum Abschied von Pep Guardiola ist die Beurteilung seiner Arbeit. Zwischen „gescheitert“, „unvollendet“ und „großartig“ können sich weder Experten, Medien noch Fans so richtig entscheiden.

Am einfachsten wäre es wohl zu beurteilen, wenn die Champions League gewonnen worden wäre. Allerdings ist mir gestern auch aufgefallen, dass ein Missverständnis die Beurteilung von Pep Guardiola bisher negativ beeinflusste.

„Titel sind nur Nummern…!“, erklärte der Spanier gestern immer wieder. Der Umkehrschluss ist klar. Der Weg ist das Ziel für Pep Guardiola. Und auf diesem Weg hat er eine Mannschaft geformt, die es in dieser Art in der Bundesliga, vielleicht sogar auch auf europäischer Ebene, noch nie gegeben hat: flexibel, dominant und häufig nahe an der Perfektion spielend.
Aber warum hat Pep Guardiola der Außenwelt nicht vorher schon einmal erklärt, dass ihm der Weg, das große Ganze, wichtiger sei, als die Titel?
Es hätte ein ganz anderes Licht auf die Arbeit und eigentlichen Ziele des Trainers geworfen. Und er wäre unter Umständen, zumindest von mir, ganz anders bewertet worden.
Und die Antwort auf diese Frage überraschte mich selbst: Guardiola HAT bereits früher von „Titel sind nur Nummern“ gesprochen. Nachweislich sogar auf einer Pressekonferenz im Anschluss des Winter-Trainingslagers in Katar. Aber es ging unter. Und da liegt das Defizit  in der Arbeit und gleichzeitig auch die Erklärung darin, dass Pep Guardiola von seinen Spielern und Kollegen so hoch geschätzt und extern so in Frage gestellt wird. Intern konnte er diese Einstellung vermitteln, extern ging sie unter. Und vielleicht ist eine der Lehren, die Guardiola aus Deutschland mitnehmen kann, dass man auch mit den Menschen außerhalb des engsten Kreises kommunizieren muss.

Rückblickend frage ich mich, wie es wohl gelaufen wäre, wenn Pep Guardiola sich und seine Fussball-Lehre häufiger öffentlich erklärt hätte? Und wenn man dem Trainer hätte deutlicher machen können, dass die medizinische Abteilung, allen voran Müller-Wohlfahrt, keine Sündenböcke, sondern hochgeschätzte Mitarbeiter, ja sogar Ikonen, sind?

Hätte, wäre, wenn. Bei allen Bewertungen, Missverständnissen und offenen Fragen kann man sich wohl am ehesten auf „unvollendet“ einigen.
Und das hieße auch, dass der Perfektionist Pep Guardiola sich nicht irgendwann zur Ruhe setzen können wird, ohne dieses Kapitel abzuschließen.
Ich würde es nicht ausschließen, dass Pep Guardiola sich menschlich und fachlich in den nächsten Jahren stark weiterentwickelt und dann noch einmal an die Säbener Straße zurückkehrt, um die Vollendung zu erreichen.

Bis dahin „Danke Pep und auf Wiedersehen“.

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