Warum "Public Viewing" bei der #Euro2016 wirklich floppt…

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Der „Stern“ veröffentlichte einen Bericht über das Public Viewing im EM-Sommer 2016 und wollte zwei Gründe aufführen, warum das „Rudelgucken“ ein Flop ist.
So wirklich herausgestellt wurden die beiden Gründe im Artikel nicht. Und zudem verschwieg man, warum auch immer, viele Punkte, seien sie auch noch so naheliegend.

  • Viele der typischen Public Viewing-Besucher sind die so genannten „Event-Fans“, die sich nur alle 2 Jahre ein wenig mit Fussball beschäftigen. Die noch höhere Stufe wären wohl die Gäste, die eine EM und das Public Viewing lediglich als eine Motto-Party ansehen.
    Für dieses Klientel hat sich das Motto in den letzten 10 Jahren abgenutzt und sie verlieren zunehmend das Interesse an shwarz-rot-goldenen Make-Up und Fussball-Outfits.
  • In den zwei Jahren, zwischen gewonnener Weltmeisterschaft und Start in die Europameisterschaft, konnte die Mannschaft nicht begeistern.
    Pleiten in den Freundschaftsspielen, knappe Siege, Unentschieden und Niederlagen in der EM-Qualifikation: die Mannschaft machte es uns nicht immer leicht. Eine klare Euphoriebremse, besonders für die „Event-Fans“.
  • Ein weiterer Punkt ist natürlich das Wetter. Der Sommer verdient bisher seinen Namen eher nicht.
    Regen und Gewitter, oder drückend, schwüle Wärme, wirklich tolles Klima mit warmen Abenden gab es bisher nicht.
  • Natürlich spielen auch die Anstoßzeiten eine Rolle. Um 15 Uhr kann man keinen großen Ansturm auf die öffentlichen Flachbildschirme erwarten. Um 18 Uhr haben die meisten Deutschen wohl schon Feierabend, können und wollen aber nicht direkt zum Public Viewing hetzen, sondern lieber daheim oder bei Freunden schauen. Unter der Woche ist 21 Uhr schon wieder unpraktisch spät, wenn man noch nach dem Schlusspfiff heim fahren muss.
  • „Die Händler beklagen…“ liest man immer wieder. Und daran erkennt man schon den Kommerz, den die Betreiber von sogenannten „Fress-und Sauf-Buden“ genauso betreiben, wie der fliegende Händler mit seinen breitem Fanartikel-Sortiment. Vom Eintrittspreis über Getränke, Nahrung und möglichst noch einen Großeinkauf von Fanartikel – kein Wunder, dass der Fussball-Fan keine Lust darauf hat.
    Natürlich ist es für die Bratwurst-Verkäufer ärgerlich, wenn sie 30.000 Euro (wohl der aktuelle Preis auf der Berliner Fanmeile) Standgebühr bezahlen und dann nur 70 Euro am ganzen Abend einnehmen. Aufgrund der, seit Jahren rückläufigen Besucherzahlen, ist dies aber eher ein kaufmännischer Fehler und nicht das Problem des Fussball-Fans.
  • Von den Rechtsradikalen bekommt man gesagt, die Mannschaft sei nur ein Haufen von Ausländern. Von den Linksradikalen bekommt man gesagt, man wird automatisch ein NAZI, wenn man eine Deutschland-Fahne auch nur anfasst. In Zeiten, in denen die Mannschaft so für politische Themen  ausgeschlachtet wird, lässt sich der ein oder andere die Freude am (temporären) Fussball-Spaß verderben.
  • Überhaupt nicht angesprochen wurde vom „Stern“ die Angst vor Terroranschlägen, die allgegenwärtig ist. Nach den Anschlägen von Paris im November 2015 dürften große Public Viewings ebenfalls im Visier von Terroristen sein, nachdem die Sicherheitsvorkehrungen in den Stadien angeblich erhöht wurden.
  • Aber nicht nur Terroranschlägen fürchten sich die Deutschen, sondern auch vor den Mobs und deren sexuellen und kriminellen Übergriffen, wie man sie in der Silvester-Nacht u.a. in Köln erlebte.
  • Die rückläufigen Besucherzahlen sind nicht zuletzt auch auf den Fortschritt der Technik zurückzuführen. Flachbildschirme und Soundsysteme sind mittlerweile schon für den schmalen Geldbeutel zu haben. Und schon steht dem heimischen Erlebnis, ggf. auch mit Freunden und Bekannten, nichts mehr im Wege.
  • Alle Fussball-Fans, die eine Europa- oder Weltmeisterschaft nicht als Motto-Party ansehen und schon einmal Public Viewing ausprobiert haben, wissen es zu schätzen, wenn man nicht von den Party-Kids davon abgehalten wird, ein Spiel vernünftig zu verfolgen. Ich selbst war 2006 erschrocken, während meines, bisher einzigen, Public Viewing Besuches, als nach einem Tor der deutschen Mannschaft eine Gruppe tanzender Partygäste vor der Leinwand die Sicht versperrte. Der Ton wurde abgestellt und irgendwelche „Party-Songs“ wurden angespielt. Ständig standen 14jährige vor mir, die Beziehungsprobleme diskutierten und alle 5 Minuten gemeinsam auf die Toilette verschwanden.
    Seitdem war „Public Viewing“ für mich gestorben. Und scheinbar nicht nur für mich…

Gibt es für Dich noch andere Gründe, nicht zum Public Viewing zu gehen? Berichte mir davon auf Twitter und Facebook!

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