Warum ist die #Euro2016 so langweilig?

euro 2016 langweiligDas Achtelfinal-Spiel zwischen Polen und Portugal war, trotz zweier Tore in der ersten halben Stunde, so langweilig, dass die Zuschauer im Stadion sich zwischendurch Snacks und Getränke geholt haben.
Und auch vor dem Fernseher hatte man nicht das Gefühl, irgendwas zu verpassen, wenn man gelegentlich den Raum verlässt.
Am Ende des endlosen Abends zog dann mit Portugal eine Mannschaft ins Halbfinale ein, die es während des kompletten Turnieres noch nicht einmal schaffte, einen Gegner innerhalb der regulären Spielzeit zu schlagen.
Die Gruppenphase wurde überhaupt nur mit drei Unentschieden überstanden…

Portugal ist ein gutes Beispiel dafür, wie langweilig die Euro 2016 eigentlich ist. Einen echten Torrausch haben wir noch nicht erlebt. Auch kein Spiel, wo es so heiß herging, dass am Ende vielleicht 9 gegen 9 spielen mussten.
Die größten Aufreger waren Pyro-Deppen, Flitzer und randalierende „Fans“, wobei selbst die wohl aufgrund der Langeweile müde geworden sind […positiver Nebeneffekt].

Woran liegt das? Der Trainer Ewald Lienen sprach in einem, keinem neuen, aber immer noch aktuellen, Interview davon, dass die Spieler völlig überlastet seien und deswegen im Sommer bei einem Turnier keine Höchstleistung mehr bringen können.
Da muss sich dann aber für die Spieler in den letzten 2 Jahren vieles geändert haben, denn die WM 2014 in Brasilien war noch nicht ganz so langweilig.
Allerdings führt Lienen auch Bastian Schweinsteiger auf und nennt dabei u.a. zahlreiche Freundschafts- und Qualifikationsspiele, die zwischen den Turnieren noch stattfinden würden. Ein unpassendes Beispiel, denn Schweinsteiger hat bei der Euro nur sehr wenig gespielt und im kompletten Kalenderjahr 2016 sah es wohl noch schlimmer aus. Zudem fehlte der Kapitän häufig bei Länderspielen, was ihm ja schon mehrmals negativ ausgelegt wurde.

Vielleicht spielt der pralle Terminkalender tatsächlich eine Rolle. Hier müsste dann aber langfristig ein Umdenken stattfinden. Jede Firma, die mehr Aufträge annimmt, stellt mehr Personal ein. Sofern man immer mehr Spiele stattfinden lassen will, um eben auch die Einnahmen zu steigern, muss man zwangsläufig den Kader vergrößern. Qualitativ in die Breite allein nützt es aber nichts, solange die Trainer weiterhin nicht verstehen, wie wichtig auch die entsprechende Rotation ist.
Finanziell ist es machbar, denn man hat ja auch das entsprechende Plus auf Seiten der Einnahmen generiert. Hier hat sich aber der Markt dorthin entwickelt, dass man lieber den einzelnen Profispieler mit Geld zuschüttet und den Beratern durch verrückte Transfersummen ein Luxusleben finanziert.

Das allein kann aber nicht verantwortlich für eine Euro 2016 sein, bei der man den Eindruck hat, in vielen Spielen will gar keiner so richtig zwingend gewinnen.
Kurios ist dabei, dass die Italiener bestimmt nicht sehr viel weniger Spiele in den Knochen haben, zudem die älteste Mannschaft des ganzen Turnieres sind und phasenweise den größten Siegeswillen zeigten.
Vielleicht gelingt es den Mannschaften nicht, den Schalter umzulegen. Bereits in der Qualifikation konnte man mit mittelmäßigen Leistungen die Teilnahme sichern. In der Gruppenphase führte es sich fort, weil man – wie Portugal – mit drei Unentschieden schon im Achtelfinale stand.
Zudem entwickelt sich in vielen Ländern Europas, respektive im Gastgeberland Frankreich, keine echte Turnierstimmung. Das mag am Wetter liegen, aber sicherlich spielt auch die Angst vor Terroranschlägen, saudämlichen Politikern mit schlechten Frisuren und eben der Null-Bock-Stimmung auf den Plätzen eine Rolle – womit sich der Kreis wieder schließt.

Verzweifelt versuchen Marketingmaschine und Medien einen Star der Euro 2016 zu finden, aber so richtig drängt sich niemand auf. Einen Schritt vor dem Halbfinale stellt man nun fest, dass die Isländer mit ihrem Lauf diese Rolle ganz gut als Team ausfüllen könnten.
Plötzlich werden deren Frauen in den Medien vorgestellt, die Trikots sind ausverkauft, es gibt einen „Dein Name auf isländisch“-Generatoren und einen riesengroßen Hype. Der nahm nach dem Sieg über England medial so richtig seinen Lauf und in den Sportredaktionen wird man hoffen, dass er gegen Frankreich nicht vollständig ausgebremst wird.

Wirklich interessant ist nun nur noch die Frage, wer diese Situation ausnutzt und den größeren Willen hat, seinen Briefkopf am Ende der Euro 2016 mit dem Titel „Europameister 2016“ zu verzieren.
Wo meine Hoffnung liegt, dürfte klar sein. Nur dumm, dass wir unbedingt auf das – augenscheinlich – einzige Team treffen, welches gleichermaßen Motivation und Qualität vereint, wie unsere Mannschaft…

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