#GERITA:Ein Spiel mit Risiken und Nebenwirkungen

Was für ein Krimi haben wir im Viertelfinale von Deutschland gegen Italien erlebt? Das Spiel selbst war kein Feuerwerk, lebte aber von der Spannung und einem gesundheitsgefährdenden Elfmeterschießen. Wäre es absehbar gewesen, wäre die ARD wohl dazu verpflichtet worden, vor dem Spiel auf Risiken und Nebenwirkungen hinzuweisen! Menschen mit Herzfehlern und Bluthochdruck waren wohl bis zur letzten Sekunde, dem „HecTOR“, stark gefährdet…

„#GERITA“ bietet so viele Geschichten, da weiß man kaum, wo man anfangen soll, sie zu erzählen.

 

Obwohl ich eine ähnliche Taktik im Vorfeld favorisierte, ging sie im Spiel nicht auf. Mehmet Scholl fand danach drastische Worte in der ARD, die aber so nur bedingt zutreffend sind.
Hatte ich noch den Gedanken, die 3er-Kette würde defensiv das Zentrum schließen und offensiv die Möglichkeit geben, das Spiel extrem in die Breite zu ziehen, wurde dies auf dem Spielfeld so nicht umgesetzt. Ob das nun an den Spielern lag, oder ob das nie die Vorgabe war, werden wir wahrscheinlich nicht erfahren. Aber so, wie gespielt wurde, beraubte man sich in der Abwehr lange Zeit die Sicherheit und nutzte im Angriff nicht die erhofften Möglichkeiten.

Ein ungutes Gefühl bescherte im Vorfeld auch die Nominierung des ungarischen Schiedsrichters Viktor Kassai. Man hätte sich wohl für dieses Match mit „Endspiel-Charakter“ einen Unparteiischen aus einer Top-Liga gewünscht.
Prompt pfiff er auch mal kleinlich, mal zu großzügig. Mit Ausnahme der gelben Karte und der damit verbundenen Sperre für Mats Hummels hatte dies glücklicherweise keinerlei Konsequenzen.

Gesprächsbedarf gibt es aber bei den Elfmetern. Das Özil zum zweiten mal in Folge vom Punkt vergab, muss das vorläufige Ende als potentieller Schütze bedeuten. Während einer Europameisterschaft kann man da nicht auf Rehabillitation hoffen. Erschreckend auch, dass Bastian Schweinsteiger seine Insel-Integration bereits so weit abgeschlossen hat, dass auch er den deutschen Einzug ins Halbfinale fast auf dem Gewissen hatte.
Traurig stimmt der Fehlschuss von Thomas Müller. Einen fitten „Raumdeuter“ mit den Knipser-Qualitäten der vergangenen Saison hätte die Mannschaft bitter nötig, aber er hat sprichwörtlich die Scheiße am Schuh kleben.
Wer Müller, der sich für das Team die Lunge aus den Leib gerannt hat, aber nun am liebsten auf die Bank setzen will, hat das Spiel wohl nicht verstanden.
Fakt ist aber auch, dass wir nicht nur den hart arbeitenden, mannschaftsdienlichen Dauerläufer, sondern auch den treffsicheren Müller unbedingt benötigen. Also was tun?
Als Außenstehender kann man nicht beurteilen, wo die Gründe für diese Blockade liegen. Jogi Löw sollte aber zumindest mit dem Gedanken spielen, Müller eine 24stündige Auszeit zu verordnen. Ein paar gemeinsame Stunden, abseits des DFB-Quartiers, in einem abgelegenen Hotel gemeinsam mit seiner Frau, könnten bereits hilfreich dabei sein, einfach mal wieder den Kopf frei zu bekommen. Und intime Zweisamkeiten sollen damit überhaupt nicht angedeutet werden, sondern tatsächlich nur die Möglichkeit, ein paar Stunden nicht an Fussball zu denken.

Positiv erwähnen muss man, neben dem Siegtreffer-Schützen Hector, auch Joshua Kimmich. Wer sich in seinem 4. Länderspiel nach einigen kleinen Fehlern selbst wieder so hochzieht, dann auch noch zum Elfmeterpunkt schreitet und den Ball eiskalt im Netz unterbringt, der hat die – im kahnschen Sinne – notwendigen Eier bewiesen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass zuvor mit Özil, Schweinsteiger und Müller gestandene Nationalspieler und Führungskräfte der Mannschaft scheiterten.

Das Fazit des Spiels ist klar: alles egal, wir sind weiter!
Über die Hummels-Sperre, den glücklosen Müller und die vielen, vielen kleineren Verletzungen, die aus diesem Spiel wohl mitgenommen werden, können wir uns dann ab morgen wieder Gedanken machen.

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