#GERFRA: Gegen viel Frankreich und ein wenig Italien glücklos ausgeschieden…

Es war vielleicht nur eine Ungenauigkeit im Regie-Raum des ZDF, aber am Ende kann man es durchaus als schlechtes Omen für das Spiel ansehen, dass die deutschen Zuschauer den Anpfiff des Spiels verpassten. Statt von der ersten Sekunde live dabei zu sein, zeigte das ZDF erst einmal den offiziellen UEFA Spot inklusive der Hauptsponsoren.

Aber nicht nur das ZDF verschlief den Anfang, auch die deutsche Nationalmannschaft war noch nicht ganz auf dem Platz und brauchte etwa 10 Minuten, bis sie den Gastgeber dann aber fast durchweg dominierte. Am Ende gewinnt man aber allein mit der Überlegenheit kein Spiel. Und auch kein Turnier. Brotlose Kunst, wenn man es nicht in zählbaren Toren umsetzen kann.

Italiener nominiert italienischen Schiedsrichter, der mit Deutschland noch eine Rechnung offen hat.
Schiri-Legende Collina, ein Italiener, nominierte seinen Landsman Rizzoli für das deutsch-französische Halbfinale, nachdem die Mannschaft zuvor Italien aus dem Turnier schoß. Das allein birgt schon unnötigen Stoff für Diskussionen, wenn da nicht noch der Fakt wäre, dass Rizzoli mit Deutschland noch eine Rechnung offen hatte…
Der hatte nämlich seit 2014 einen Makel in seiner Karriere, weil er im WM-Endspiel eine Neuer-Aktion nicht sanktionierte.
Im Vorfeld versuchte ich die Sorgenfalten mit der Hoffnung zu glätten, dass er als Unparteiischer sich nicht trauen würde, auf einer so großen Bühne Rache zu nehmen. Leider wurde diese Hoffnung nicht zu 100% bestätigt…

Rizzoli pfiff das Spiel anfangs großzügig, schien dann aber schlagartig seine Linie zu ändern und bremste die deutschen Spieler direkt mit gelben Karten aus.
Der Höhepunkt war aber der Hand-Strafstoß gegen Bastian Schweinsteiger, den man zu diesem Zeitpunkt in einem Halbfinale wohl normalerweise nicht pfeifen würde. Schweinsteiger berührte den Ball zwar mit dem Unterarm, spielt ihn aber auch mit dem Kopf, den er übrigens gesenkt hatte. Gleichzeitig konnte Rizzoli diese Situation gar nicht genau sehen, die Franzosen rechneten mit einem Offensiv-Foul, aber alles kam anders.
Die Krönung dieser Schlussphase der ersten Halbzeit war dann noch eine gelbe Karte für Mesut Özil, der in dieser aufgewühlten Szenerie offenbar den Ball wegschlug. Deeskalation stand heute nicht auf Rizzolis Tagesagenda. Wenn selbst englische Top-Schiedsrichter sein Verhalten in den Medien kritisieren und davon sprechen, Rizzoli hätte „Trouble“ gesucht und gefunden, ist das schon bedenklich.

Auf keinen Fall darf dies als Ausrede für die Halbfinal-Niederlage angesehen werden. Aber es ist ein Glied in einer längeren Kette unglücklicher Umstände, die am Ende zu diesem Ergebnis führten.

In dieser Kette reihen sich auch die ungerechtfertigte Sperre für Hummels, das Verletzungspech und der Ausfall von Boateng im laufenden Spiel.
Und wenn man die zahlreich vergebenen Torchancen anschaut, dann fehlte am Ende des Tages auch einfach mal das Glück im entscheidenden Moment.
Allein die fehlende Durchschlagskraft in der Offensive ist ein Umstand, an dem wir zukünftig zwingend arbeiten müssen. Dies ist aber auf diesem Niveau kein alleiniges Problem der Nationalmannschaft, sondern wurde von mir auch schon beim FC Bayern München auf Vereinsebene beklagt. Unter Umständen ist dies Details in der Spielveranlagung geschuldet, die sich beim DFB ja tendenziell am Rekordmeister anlehnt.

Für die UEFA und ihr Sport-Produkt konnte es eigentlich gar nicht besser laufen, nachdem die Euro 2016 insgesamt als ziemlich langweilige Veranstaltung wahrgenommen wurde.
Im Finale trifft der kommende Weltfussballer, diesmal wahrscheinlich ohne nennenswerte Konkurrenz des verurteilten Lionel Messi, auf die vom Terror so stark getroffene Nation Frankreich. Auf keinen Fall möchte ich nach der Schiedsrichter-Kritik ins Reich der Fabeln und Verschwörungstheorien abdriften, aber es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass dieses Finale marketingtechnisch die einzige Rettung für ein ansonsten eher fragwürdiges Turnier sein könnte.

Die Mannschaft und Trainer Jogi Löw müssen sich keine wirklichen Vorwürfe machen. Selten sah man ein deutsches Team noch bis zur letzten Minute kämpfen, obwohl die Situation so ausweglos war. Auch der frühzeitige Versuch, durch Aufgabe des defensiven Mittelfelds auf vollstes Risiko zu gehen, empfand ich als mutig und richtig.
Ein Rücktritt von Löw, wie ihn tatsächlich einige Schönwetter-Fans forderten, sollte überhaupt kein Thema sein. Der Bundestrainer trat selbstbewusst auf und wurde häufig für seinen durchaus vorhandenen Mut belohnt. Das wir schon wieder die Top 4 erreichten, sollte, bei allem Erfolgshunger, nicht als Selbstverständlichkeit angesehen werden.

Zum Abschluss möchte ich aber noch ein paar Worte über die französischen Fans verlieren. Während der kompletten Euro 2016 schien im Land überhaupt keine Stimmung aufgekommen zu sein. Das änderte sich schlagartig, nachdem man die, am Limit angekommenen, Isländer im Viertelfinale deklassierte. Auf einmal, so machte es den Eindruck, herrschte eine Euphorie im Land und man liebte seine Nationalspieler. Ein Paradebeispiel am klassischen „Erfolgsfan“, der dann auch noch den isländischen Klatsch-Jubel – unterstützt vom Team – klaute. Das empfand ich dann doch irgendwie einer großen Fussball-Nation wie Frankreich unwürdig.

Trotzdem sollen sie sich dann im großen Finale am Sonntag auch den Titel nicht mehr nehmen lassen. Vielleicht hilft es dem Land ja tatsächlich, wie zuvor angesprochen, durch die schweren Zeiten. Und außerdem wäre unsere Niederlage im Halbfinale dann irgendwie nicht ganz so umsonst gewesen.

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