Rückblick auf die #Euro2016

leadImageObwohl am morgigen Sonntag erst das Finale der #Euro2016 ansteht, kann man bereits einen kleinen Rückblick wagen. Besonders als Unterstützer der deutschen Mannschaft ist das ja (leider) schon problemlos möglich.

Wie war die Europameisterschaft 2016 in Frankreich denn so? Am häufigsten hörte man Begriffe wie „komisch“, „seltsam“ und unerwartet oft auch „langweilig“.
Zurückzuführen ist das wohl am ehesten auf den neuen Modus der UEFA und somit auch auf die Aufstockung der Teilnehmer auf 24 Mannschaften.
Für viele Nationen reichte es, ein Spiel nicht zu verlieren und so wurde die Begegnungen auch ausgetragen. Von der 10er-Kette bis zum kreativ- und motivationsbefreiten Ballgeschiebe war alles dabei.
Man muss sich nur einmal vor Augen halten, dass mit Portugal ein Team im Finale steht, welches in der Vorrunde nicht ein Spiel gewonnen und nur eine Tor-Differenz von 4 Treffern und 4 Gegentreffern hat.

Besonders im späten Abschluss der Gruppen E und F konnten sich die schlechteren Teams genau ausrechnen, welches Ergebnis sie benötigen, um in die nächste Runde einzuziehen. Die zeitgleiche Austragung der letzten Gruppenspiele wurde also überflüssig, aber trotzdem so durchzogen.
Dieses System hatte auch so kuriose Szenen wie einen türkischen Autokorso zu verantworten, da die Türkei erst sehr viel später, passiv und vor dem TV sitzend, aus dem Turnier ausschieden.

Während die UEFA sich für diesen Modus selbst auf die Schulter klopft, konnte man bei zahlreichen Spielen vor dem Fernseher einschlafen und verpasste rein gar nichts.
Jede 1. Runde beim DFB-Pokal dürfte mehr Brisanz und Spannung beinhalten, als die Vorrunde der Europameisterschaft. Es ist müßig darüber nachzudenken, wie spannend eine Euro mit direkten K.O.-System werden und aussehen könnte. Aber so passierte, was passieren musste: viele Nationen konnten auch in der K.O.-Runde den Schalter nicht mehr richtig umlegen und die Spiele plätscherten teilweise so vor sich hin. Nicht selten las man auf Twitter die verzweifelte Frage: „Will denn da niemand gewinnen!??“.

Diesem Umstand ist es auch geschuldet, dass die Leistung der Schiedsrichter überwiegend positiv bewertet wurde. Spiele in denen es wirklich zur Sache ging, in denen sich zwei Teams bis an die Grenzen der Legalität bekämpften, gab es schlichtweg nicht. Dieser ständige „Freundschaftspielcharakter“ konnte ja auch für die größten Pfeifen unter den Pfeifenpustern keine wirkliche Herausforderung gewesen sein.

Für die Stimmung waren überwiegend die Kleinen verantwortlich. Und damit meine ich nicht die vielen Tanzeinlagen auf dem Rasen, die es vor jedem Spiel gab, sondern die Isländer, die Iren und woher sie auch sonst so kamen. Ich kann nicht einmal mehr genau sagen, wann die Veranstalter damit endlich aufgehört haben, regionale Tanzschulen einzubinden, oder ob die TV-Sender den Unsinn einfach nicht mehr gezeigt haben.
Selbst im Halbfinale zwischen Portugal und Wales waren noch viele Sitze im Stadion frei und das spiegelt den Gesamteindruck der französischen Gastgeber wieder. Dort entstand das Interesse, ganz im klassischen Sinne der Erfolgsfans, erst mit dem hohen Sieg gegen Island im Viertelfinale und fand mit dem Einzug ins Finale seinen vorläufigen Höhepunkt.
Nun darf man sich aussuchen, ob Frankreich einfach nicht den Kopf für eine Euro im eigenen Land frei hatte, oder ob sie einfach nur desinteressierte Gastgeber waren.

Die TV-Sender machten überwiegend einen vernünftigen Job. Oliver Welke konnte häufig nicht von seinem Spaßvogel-Image lassen, Scholl musste sich kurz vor Schluss noch beweisen, was für ein knallharter Hund er doch ist, aber den wirklichen Tiefpunkt erreichte die ZDF-Regie. Den verpassten Anstoß im Halbfinale kann man Fussball-Laien wohl am ehesten damit erklären, dass es sich für uns so anfühlte, als würde man beim Ja-Wort auf einer Hochzeit mal kurz die Toilette besuchen.
Die Rolle von SAT1 kann man bei der Euro-Übertragung wohl mit der von Lukas Podolski vergleichen: beide waren auch dabei. Punkt.

Eigentlich ist es ein Wunder, dass es keinen Terroranschlag auf die Spiele gab. Ein Wunder, dass ich natürlich gern mitnehme, das steht außer Frage.
Betrachtet man aber, wie häufig Pyrotechnik ins Stadion gelang, das dort problemlos randaliert und auf das Spielfeld gerannt werden konnte, darf man die Sicherheitsvorkehrungen durchaus mal in Frage stellen.
Als TV-Sender dies machten und Stadionbesucher interviewten, waren die zum Teil überrascht, dass trotz der angekündigten 3 Sicherheitsringe um das Stadion nur sehr lasche Durchsuchungen stattfanden und sie ziemlich schnell auf ihren Plätzen waren.

Von 51 Spielen werde ich am Sonntagabend etwa 45 gesehen haben (plus/minus die Spielminuten, in denen man vor dem TV kurz eingeschlafen ist). Die UEFA hat es wohl zu verantworten, dass man sich danach riesig auf den Start der neuen Saison freut, um auch qualitativ wieder guten Fussball zu sehen.
Kurz gesagt war die Euro 2016 eine nette Überbrückung der Sommerpause. Und damit ein solches Turnier wieder zum Highlight wird, wären dringend Veränderungen notwendig.

Aus deutscher Sicht hätte die Euro 2016 natürlich auch gern noch erfolgreicher laufen können. Ganz bestimmt wäre mit etwas Glück auch deutlich mehr möglich gewesen. Betrachtet man aber auch die Qualifikation zur Euro, dann war das Halbfinale ein sehr großer Erfolg. Und seit einem Jahrzehnt immer unter den Top4 in der Weltspitze zu stehen, ist jetzt auch nicht so schlecht.
In diesem Sinne ein Dank an die Mannschaft und dem Team hinter dem Team, welches durchaus auf den Confederations Cup 2017 und die Weltmeisterschaft 2018 hoffen lässt. Und zwar mit Jogi, denn es löwt ja doch immer irgendwie, auch wenn so eine komplette Euro bestimmt auch für den Trainer kein ständiges, nur gelegentliches, Eierkraulen ist.

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