Fluch und Segen: Fußballer und die sozialen Netzwerke

Die sozialen Medien, allen voran Facebook, Twitter und Instagram, haben für Stars und Prominente aus allen Bereichen schon längst einen großen Stellenwert. Obwohl wir uns regelmäßig über Fußball-Spieler aufregen, die offenbar mehr Vorbereitungszeit in die Vorbereitung eines Selfies, anstelle von Vorbereitung auf ein Spiel investieren, ergibt die sinnvolle Nutzung auch durchaus Sinn.

Bastian Schweinsteiger tritt als Kapitän und Spieler der Nationalmannschaft zurück und veröffentlicht seine Abschied auf Facebook. Fast zeitgleich gehen die Meldungen auch über die DFB-Seiten an die Öffentlichkeit.
Am Montag folgte dann Lukas Podolskis Rücktritt als Nationalspieler. Und auch er verabschiedete sich mit einem Dank über das Netzwerk.
Pressemitteilungen, die über sorgfältig gepflegte Verteiler an die Redaktionen im In- und Ausland verschickt werden, sind damit überflüssig geworden. Längst gehört es zum Arbeitsalltag von Journalisten und (Hobby-) Blogger, dass man diese Personen im sozialen Netzwerk folgt und entsprechende Meldungen bekommt.

Der Wechsel von Mario Götze vom FC Bayern zum BVB machte Öffentlichkeitsarbeit notwendig. Zu brisant war die Stimmung des Heimkehrers, nachdem Fans des Vereins seiner Zeit Trikots des Spielers verbrannten und ihn massiv als „Judas“ beschimpften.
Wo Götze zu früheren Zeiten zahlreiche TV-Auftritte und Interviews hätte absolvieren müssen, um die Dortmund-Fans zu erreichen und sie möglichst positiv auf eine Rückkehr einzustimmen, gab es ein Facebook-Posting. Höchstwahrscheinlich wurde dieses Posting von seiner Agentur verfasst und anstatt eine kleine Medien-Tour einplanen zu müssen, konnte Götze am Strand liegen und einen Cocktail schlürfen.

Diese Entwicklung ist zwar beeindruckend, aber auch mit Vorsicht zu genießen. Innerhalb von Sekunden erreicht ein Statement weltweit die Menschen. Und wenn man sich da nicht vor der Veröffentlichung wirklich sicher ist, kann nachhaltiger Schaden angerichtet werden: das Internet vergisst nichts! Auch die „Löschen“-Funktion verhindert es nicht, dass ein Posting um die Welt geht. So schnell wie es veröffentlich ist, so schnell haben auch Menschen diese Meldung geteilt oder Bildschirmfotos davon angefertigt.
Von Extremsportler Felix Baumgartner über Mario Balotelli, oder jüngst die Olympia-Teilnehmer von Rio, die gern mal ihren Unmut über hampelnde Sieger oder Zwillingen beim Zieleinlauf äußern: die Welt liest mit. Und wie jeder Segen kann auch dies zu einem Fluch werden, wenn man nicht vernünftig damit umgeht.
CoyfFyLXgAAWIHWWenn man nun noch bedenkt, wie gern sich – besonders die Deutschen – über alles empören, ist es durchaus nachvollziehbar, dass die Accounts immer häufiger von Agenturen gepflegt werden. So gut, so langweilig. Es sei denn, selbst den Social-Media Profis passieren peinliche Fehler. Dann postet nämlich „Gündogan“ plötzlich die Meldung von „Özil“ und die Fans reiben sich verwundert die Augen. Wie ich schon sagte: jeder Segen hat auch seinen Fluch.

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