#FCBayern: Wo sind die Stellschrauben?

Matthias Sammer Interview

Nach der Niederlage im kalten Russland klingelt es jetzt doch langsam. Zwei Niederlagen in Folge, das gab es nämlich zuletzt vor 7 Jahren unter Louis Van Gaal und nun dürfte auch dem Letzten langsam klar werden, dass „ganz ruhig, läuft schon“ nicht unbedingt das beste Mittel der Wahl ist.

Natürlich haben wir auch die klassischen „jetzt verliert Bayern mal, dann heulen sie alle“-Kritiker. Aber die haben es auch nicht verstanden.
Der Anspruch des FC Bayern München ist höher, als mit Rückschritten zufrieden sein zu können. Das Spiel der Roten zeigte die Tendenz, in Punkteverlusten wurde es greifbar und mit der Tatsache, dass sie in der Champions League nur Gruppenzweiter wurden, ist es nun ein Fakt geworden.
Und an dem Tag, wo man sich als Verein dafür entschuldigen muss, möglichst alles gewinnen zu wollen, sollten wir aufhören die Tore zu zählen, uns Sonnenblumen ins Haar stecken und bei einer leckeren Tasse Tee einen Münzwurf über Titel entscheiden lassen.

Ich bin noch immer der Meinung, als Außenstehender kann man die Gründe für den Rückschritt nicht genau erkennen. Aber man kann einiges zumindest in Erwägung ziehen.

  • Matthias Sammer fehlt dem Verein. Obwohl man ihm in seinen Einfluss immer wieder beschnitten hat, die Egos beim FC Bayern sind halt schon immer groß gewesen, hätte man schon vor Wochen einen wie Sammer gebraucht. Er war nah an der Mannschaft, erkannte Tendenzen früh und hatte den Ehrgeiz, sich nicht auf vergangene Leistungen auszuruhen.
  • In den letzten Spielen hatte man häufig das Gefühl, die Bayern geben das Spiel in die Breite auf. Stattdessen drücken sie den Gegner vor deren eigenes Tor und wundern sich dann, dass kein Weg durch die Masse führt.
    Das machte man zwar schon bei Guardiola so, allerdings funktionierte das Zusammenspiel auf engsten Raum dort noch besser.
  • Die Zeit unter Pep Guardiola dürfte nicht nur körperlich, sondern mental auch sehr anstrengend gewesen sein. Das die Spieler nun ein wenig ausgebrannt sind, kann man nachvollziehen. Allerdings findet auch eine massive Rotation statt, die Erholungsphasen ermöglicht. Und Ancelotti scheint auch durchaus Rücksicht auf die Befindlichkeiten zu nehmen, wenn man die Äußerungen der Spieler hört. Allerdings handelt es sich auch um Profis, die einen großen Betreuerstab inkl. Psychologen und Wasserträger um sich herum haben. Man darf von ihnen erwarten, dass sie sich aus so einem Loch herausziehen können.
  • Die Rotation muss sein. Im Vorfeld sprachen die sogenannten Experten ja ständig davon, dass Ancelotti kein Trainer wäre, der auf Rotation setzen würde. Und man befürchtete schon massenhaft verschenktes Können in der 2. Reihe, sowie völlig platte Spieler am Ende einer Saison.
    Bei den Auswechslungen hat der Trainer aber nicht immer so ein gutes Händchen. Klassisches und populärstes Beispiel war die Herausnahme von Lahm gegen Rafinha, als man mit 1:0 in Dortmund zurücklag. Lahm hatte gerade erst eine 2wöchige Pause während der Länderspiele und wäre ganz sicher in der Lage gewesen, 90 Minuten lang durchzuspielen. Unter Umständen wäre es die bessere Wahl gewesen, Lahm für Alonso ins Mittelfeld zu befördern. So wurde es ja dann auch in der Champions League gemacht, auch wenn die Veränderung allein dann nichts bewirkte.
  • Der wichtigste Punkt ist allerdings die Erkenntnis, dass etwas nicht rund läuft. Nun hat sich Karl-Heinz Rummenigge Boateng nach einer katastrophalen Leistung mit seiner „Back to Earth“-Kritik als Bauernopfer ausgesucht. Er hat damit sicherlich nicht falsch gelegen, es hätte aber auch jeden anderen treffen können.

Bezeichnend ist auch, dass die Spieler mittlerweile lauter und sachlicher kritisieren, als die Bosse. Das gibt allerdings auch die Hoffnung, dass sie die Kurve schnell wieder bekommen werden. Gefahr erkannt – Gefahr gebannt. Nur schade, dass es erst Konsequenzen haben muss, um sie zu erkennen. So macht man es sich im Endeffekt nämlich schwerer, als es hätte sein müssen.

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