FC Bayern in der Krise: Was Ancelotti ändern muss

Carlo Ancelotti

Wieso reden diese Erfolgsfans des FC Bayern München eigentlich schon wieder von einer Krise, während die deutsche Meisterschaft fast schon sicher ist?

Der Anspruch anderer Vereine und deren Fans kann einem als „Roter“ vollkommen egal sein. Der des FC Bayern München ist es auf jeden Fall, national alles zu gewinnen und auf europäischer Ebene die allerbesten Chancen zu haben.
Das wurde nicht erreicht. Und man will nicht den Teufel an die Wand malen, aber die deutsche Meisterschaft ist auch noch nicht in trockenen Tüchern.

Carlo Ancelotti wollte das Team auf den Punkt genau im Frühjahr, die Zeit der wichtigen Spiele, bei 100% haben. Beim Verein vertraute man auf sein Versprechen. Der Status quo ist ein anderer. Unabhängig von Schiedsrichter-Entscheidungen humpelt das Team über den Platz, Spieler bringen ihre Leistung nicht oder wurden in ihrer Entwicklung gebremst. Spiele gingen verloren und Titelchancen vernichtet.
Es ist das Versprechen der 100% im Saisonfinale, woran sich Carlo Ancelotti messen lassen muss. Er bat um Vertrauen, bekam es und lieferte nicht ab. Punkt.

Auch wenn Karl-Heinz Rummenigge nun beteuert, man würde Ruhe bewahren, muss sich beim FC Bayern einiges ändern, damit man den eigenen Ansprüchen wieder gerecht werden kann. Ändern muss sich auch Ancelotti, ansonsten würde es wenig überraschen, wenn wir im Verlauf der nächsten Saison nach langer Zeit mal wieder einen Rauswurf erleben werden.

  • In der ersten Saisonhälfte profitierte der FC Bayern noch davon, dass Pep Guardiola das Team bis über die Leistungsgrenze zu einem Guß formte. Trotzdem war der Start alles andere als bayernlike. Wenn die Nachwirkungen der Pep-Dominanz in der nächsten Saison wegfallen, wird es noch schwieriger werden.
  • Man sollte sich auch nicht zwingend darauf verlassen, dass der BVB und andere Konkurrenten in der nächsten Saison erneut so viele Punkte liegen lassen, dass der FC Bayern trotzdem an der Tabellenspitze so schludern kann.
  • Vermutlich kann Ancelotti nichts für die vielen verletzten Spieler. Die gab es auch schon unter Pep Guardiola. Der Italiener verkleinerte den Kader im Vergleich zu Guardiola aber weiterhin und schaffte sich damit selbst das Problem, dass am Ende Spieler wie Hummels, Boateng und Lewandowski noch die Schmerzspritze im Gesäß sitzen hatten, während sie Top-Leistungen gegen Real Madrid zeigen sollten.
  • Ancelotti kam als großer „Flüsterer der Stars“. Zumindest bei einer Auswechslung verstand Robben das Geflüsterte wohl nicht. Und sollten die Medienberichte über das Verhältnis von Ribery und seinem Trainer stimmen, schwillt da ein ernsthaftes Problem an.
    Bisher ist mir auch noch Spieler aufgefallen, der beispielsweise nach Toren seinem Trainer um den Hals gefallen ist. Als großer Freund der Spieler scheint Ancelotti in Bayern noch nicht angekommen zu sein.
  • In der kompletten Saison stand Thomas Müller völlig neben sich. Was anfangs noch als Spätwirkung der Euro2016 wirkte, hätte ein so erfahrener Trainer gemeinsam mit dem Spieler lösen müssen; zumal die Motivation bei Müller niemals ein Problem gewesen sein wird.
  • Sanches plagt scheinbar das Heimweh, Kimmich wurde offenbar schon für die Lahm-Nachfolge im nächsten Jahr geschont. 
    Costa hält sich für den nächsten Ronaldo, spielt aber effektiv wie Klausi aus der Bezirksliga.
    Coman träumt von einer großen Karriere im Bayern-Trikot und legt seinen Schlafzimmerblick noch nicht einmal bei einem Tempo-Dribbling an der rechten Außenbahn ab. Hat der Spieler überhaupt Emotionen? Und wenn ja, warum kann er nicht aus sich heraus kommen?
    Das sind personelle und persönliche Baustellen, für die es individuelle Lösungen geben muss.
  • Der einzige Spieler, der sich unter Ancelotti verbesserte, war Thiago. Aber diesen Verdienst darf sich der Spieler selbst mit der medizinischen Abteilung teilen: er konnte endlich sein Potential abrufen, weil er keine größeren Verletzungen hatte.

Lange Rede, kurzer Sinn: es gibt viele Baustellen und mindestens genauso viele Entscheidungen und Einstellungen, die Ancelotti und die Bayern Bosse überdenken sollten. Da kann man über die Größe des Kaders sprechen. Über die Arbeit mit den Spielern, die nicht ihr Potential abrufen. Und natürlich auch darüber, dass man in der Winterpause leichtfertig den Co-Trainer gehen ließ und Ancelottis Sohn als Nachfolger akzeptierte: Vetternwirtschaft anstelle von professionelle, interne Reibung beim Meinungsaustausch.
So oder so, es besteht Handlungsbedarf und es wäre gut, wenn es konsequent angegangen würde. Ansonsten wird es nur unnötig teuer: keine Titel, Abfindungen für den Trainerstab, neuer Trainerstab. Und weit über 100 Millionen Euro für die nächste Transferoffensive a la Ribery-Klose-Toni…

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