Halbzeitshows in der Bundesliga?

91 minute kolumne fussball

Das Thema „Halbzeit-Shows“ dominiert neben diversen Transfergerüchten, die überwiegend aus Mangel an Neuigkeiten von den Medien selbst gestreut werden, die herrschende Sommerpause.
Nachdem sich der FC Bayern München mit dem Auftritt von Anastacia, oder vielmehr mit dem Abbau der Bühne, ein echtes Desaster erlaubte, folgte auch noch das Pfeifkonzert von Helene Fischer in Berlin. Kein Wunder also, dass es hier noch Gesprächsbedarf gibt.

Völlig weltfremd sind bei dieser Diskussion die ganzen „Kommerz“-Argumente. Fakt ist doch, dass der Spielbetrieb bei den Profis u.a. wegen der Gehälter, notwendigen Sicherheitsvorkehrungen und modernen Spielstätten nicht mehr aus der Vereinskasse bezahlt werden kann. Und wenn der Fan weiterhin echte Topspieler auf internationalen Niveau in der Bundesliga sehen will, dann muss man auch über deren Finanzierung sprechen. Eintrittspreise sollen unten bleiben, sonst wird sich sofort beklagt. PayTV ist grundsätzlich zu teuer. Und irgendwelche Spiele ins Ausland zu verlagern, um dort Kasse zu machen, das trauen sich die Verantwortlichen scheinbar schon gar nicht mehr.

Allerdings muss man sagen, dass die Halbzeitshows zwar einen gewissen Unterhaltungswert haben, aber völlig unnötig sind.
Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen wird die Halbzeitpause in der Regel für Nachrichten und kurze Analysen genutzt. Im PayTV um noch ein paar Euro mit Werbung zu verdienen, gefolgt von kurzen Interviews, Wiederholungen oder anderen Gesprächen.
Die Sender müssten schon ziemliche Abstriche machen, um da noch einen musikalischen Programmpunkt hinzufügen zu können.
Ein Auftritt, der nur für die Stadionbesucher eingeplant wird, lohnt sich nicht. Die Fans im Stadion wollen es gar nicht sehen, nutzen außerdem die Zeit lieber für den obligatorischen Gang zur Toilette, kaufen sich Getränke und Snacks.
Dadurch verliert sich auch der Promo-Effekt für Musiker, die somit nur für 20, 30 oder vielleicht sogar 40 tausend Menschen auftreten. Die meisten Künstler würden mit einem Facebook Posting mehr Menschen erreichen.

Wenn sich also jemand ernsthaft Gedanken um eine richtige Halbzeitshow machen möchte, sollte er die logischen Fakten berücksichtigen.
Eine Alternative wären da wohl nur musikalische Beiträge vor den Spielen.  Aber selbst das funktioniert nur, wenn die TV-Sender mitspielen. Das ZDF zahlt beispielsweise hohe Summen für die Übertragung des Champions League Finales, geht dann aber erst 20 Minuten vor Anpfiff des Spiels auf Sendung. Vorberichte Fehlanzeige. Warum auch Sendezeit damit füllen? Immerhin kommt dank der Rundfunkgebühr genügend Geld in die Kasse, dass man sich um solche Kleinigkeiten gar keine Gedanken machen muss.

Und dann bleibt da natürlich noch der traditionelle „es geht nur noch ums Geld“-Fan. Der könnte einfach mal in die unteren Ligen und Klassen reinschauen. Dort machen sie noch Luftsprünge, wenn mehr Leute zu den Spielen kommen und sie hier und da noch 5 Euro mehr durch ein verkauftes Würstchen mit Getränk verdienen. Es wäre also eine Win-Win-Situation.

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