Meinungsfreiheit unerwünscht? ARD löst Vertrag mit Mehmet Scholl auf

opdenhövel scholl ard

Die Geschichte von Mehmet Scholl und der ARD hat eine kuriose Entwicklung genommen: der Vertrag wurde mit sofortiger Wirkung aufgelöst.
Online fühlen sich diejenigen in ihrer Meinung bestärkt, die meinen, das öffentlich rechtliche Fernsehen wäre sowieso nur ein „Staatsfernsehen“ und würde keine andere Meinungen zulassen.

Fassen wir mal zusammen:
Scholl will während des Confed Cups nicht über die Dopingvorwürfe gegen die russische Nationalmannschaft sprechen. Nach einem Streit mit der Redaktion über seine Rolle und die Möglichkeiten verlässt er den Ort des Geschehens. Für zwei Übertragungen springt Thomas Hitzlsberger ein.
Wochen später äußert sich nun die ARD. Man habe die Differenzen geklärt, die Redaktion ist für die Themen verantwortlich und Scholl, als Experte, muss vor laufender Kamera seine Meinungen dazu äußern.
Schien ja alles geklärt? Oder auch nicht. Denn nachdem die Einigung einmal durch die gesamte Presse ging, folgte direkt die nächste Mitteilung: der Vertrag wurde mit sofortiger Wirkung aufgelöst: Scholl ist raus aus der Geschichte.

In der vorherigen Mitteilung stand sinngemäß, Scholl habe bei der Themenauswahl nichts zu sagen und seine Aufgabe bestand darin, vor der Kamera seine Meinung zu den ausgewählten Themen von sich zu geben.
Wahrscheinlich hat es gar nichts „keine Meinungsfreiheit im öffentlich rechtlichen Fernsehen“ zu tun. Es dürfte Scholl eher missfallen, dass die Jobbeschreibung so ungefähr klingt wie: Du stellst Dich vor die Kamera, plauderst ein wenig und ansonsten hast Du nichts zu sagen.

Sollte Scholl die einzige Person im Team gewesen sein, die das Thema Doping an diesem Tag unpassend fand, ist das ein völlig normaler Prozess. Sollte man ihn aber grundsätzlich nicht anhören wollen, weil er ja „nur“ der Fussball-Experte vor der Kamera sein soll, dann ist das keine echte Teamarbeit. Und dann ist es auch nur zu verständlich, wenn Scholl sagt, ihr könnt mir den Buckel runterrutschen.

Was genau die Beweggründe waren, wird man vielleicht in einem der Bücher lesen können, die Ex-Spieler hin und wieder veröffentlichen. Oder auch nicht, denn so eine Vertragsauflösung kann auch gern mal mit einer Schweigepflicht verbunden sein.
Aber wenn die öffentlich-rechtlichen Sender so weitermachen, spielt das alles bald sowieso keine Rolle mehr, weil die öffentlich-rechtlichen Sender den Fussball an die privaten Sender verlieren.

Bild: ARD

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