Und die Frage heißt “warum?”! | #Mertesacker

Per Mertesacker spricht offen wie kaum jemand über den Druck im Profifußball. Über Würgereize vor dem Spiel, der Erleichterung nach einer Niederlage, die Millionen von Fans 2006 trauern ließ und das er mittlerweile lieber auf der Bank, noch lieber aber auf der Tribüne sitzen würde.

Die Kritik an Mertesacker ist überwiegend unsachlich, aber vor allem auch unqualifiziert. “Früher waren es halt noch echte Kerle….”, “….der bekommt doch Millionen von Euro jeden Monat…”.
Der einzige, der einen wahren Kern ansprach, war Lothar Matthäus. Er fragte sich, warum Mertesacker sich 2006 für die WM im eigenen Land nominieren ließ, wenn er mit dieser Drucksituation nicht klarkommen würde. Dem Rekordnationalspieler wirft man deswegen mangelnde Empathie vor.
Aber das ist die Gesellschaft in der heutigen Zeit: dummes Zeug quatschen oder Menschen abstempeln, aber auf keinen Fall objektiv eine Situation reflektieren.

Es gibt in der Tat einige Fragen und sie alle lauten “warum?”.

Warum hat Mertesacker denn nun überhaupt die zusätzliche Belastung der Nationalmannschaft auf sich genommen, obwohl es im allgemeinen akzeptiert wird, wenn jemand freiwillig darauf verzichtet?
Eine Erklärung für einen freiwilligen Verzicht hätte man sich schnell aus den Fingern ziehen können. Zu große Belastung. Auf den Verein konzentrieren.
Statt eines Innenverteidigers, dessen großen Traum in Erfüllung gegangen wäre, quälte sich Mertesacker lieber. Nicht nur, dass es ihm selbst schadete, es wird auch dem Sport und den vielen Talenten dahinter nicht gerecht, die weniger bis gar keine Schwierigkeiten mit dieser Rolle gehabt hätten.

Und warum möchte Per Mertesacker in London überhaupt die Nachwuchsarbeit übernehmen? Er will, dass die Jugendlichen auch über den Tellerrand schauen und etwas abseits des Fußballs lernen. Verständlich. Aber als Verein würde man dafür vielleicht doch lieber einen Betreuer mit sozialpädagogischer Ausbildung anstelle eines teuren Ex-Profis einstellen.

Grundsätzlich muss die Frage erlaubt sein, warum Per Mertesacker sich dieser Qual überhaupt jahrelang aussetzte und nicht, wie beispielsweise Deisler wahrscheinlich gerade noch rechtzeitig, die Notbremse zog?
Und dann kommen zwangsläufig doch die Millionen von Euro ins Spiel, die man als Fußballprofi verdient und die einen Abschied vom Business wahrscheinlich schwerer machen.
Warum, wenn er das alles erkannte, beendete er seine Karriere nicht zumindest vor dieser Saison? Stattdessen spricht er kurz vor der heißen Phase für Arsenal London davon, dass er am liebsten auf der Tribüne sitzen würde.
Wie soll ein Trainer nun einem Spieler vermitteln, dass er Mertesacker anstelle von ihm auflaufen lassen würde?

Per Mertesacker, der “BFG”, die Kante in der Innenverteidigung, Mr.Zuverlässig. Pressekonferenzen mit ihm waren eine Wohltat: intelligent, offen und ehrlich. Einfach ein feiner Kerl.
Aber am Ende heißt die Frage einfach immer wieder “warum?”. Und Antworten darauf finde ich ehrlich gesagt keine.

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