Warum Jogi Löw als Bundestrainer weiter arbeiten sollte | #Nationalmannschaft #WMAus

snap_2018-06-28-15h47m16s017Nach dem katastrophalen WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft hat sich der Bundestrainer Jogi Löw Zeit erbeten, um die ganze Situation zu analysieren. Sicherlich braucht er auch eine gewisse Phase der Verarbeitung, um danach mitzuteilen, ob er sich selbst noch in der Lage sieht, weiter als Bundestrainer zu arbeiten.

Angefeuert von den Medienberichten, die bereits einen Tag später schon die Nachfolger aufzählten und zur Stimmenabgabe in Umfrage aufriefen, will der eine Teil der DFB-Fans den Kopf von Löw rollen sehen. Laut Umfragen sind diese Menschen nicht in der Mehrheit, aber traditionell lauter, als andere.
Es ist nicht neu, dass eine aufgebrachte Meute derartige Lösungen bevorzugt. Sinnvoller wird es in diesem Fall aber deswegen nicht. Es gibt durchaus Gründe für den Verbleib von Jogi Löw als Bundestrainer.

Als erstes spricht dafür schlicht und ergreifend der Mangel an Alternativen. Auch wenn besonders die Fans von Borussia Dortmund ihren Jürgen Klopp als höchsten Trainer im Lande sehen wollen: warum sollte der Liverpool dafür verlassen wollen? Es ist unwahrscheinlich, dass der nächste Bundestrainer erneut 12 Jahre im Amt ist, das scheint doch eher eine Ausnahme zu sein. Klopp hat also noch genügend Zeit, wenn er irgendwann einmal als Bundestrainer arbeiten möchte.
Tuchel und Nagelsmann haben ihre Zukunft geplant. Miroslav Klose wäre ein Risiko, er sammelt jetzt erste Erfahrungen in der Jugendarbeit vom FC Bayern München und dürfte bei guter Arbeit als einer der zukünftigen Bayern-Trainer gelten.
Deutlich näher dran wären Hansi Flick und die 1A-Alternative Matthias Sammer, der aber ursprünglich aus gesundheitlichen Gründen kürzertreten wollte.
Also Vorsicht mit dem was man sich wünscht, manchmal hilft es, einen Schritt weiter zu denken.

Jogi Löw ist diese ganze Weltmeisterschaft um die Ohren geflogen. Aber auch Oliver Bierhoff wird gerade merken müssen, dass „die Mannschaft“ kein Projekt in einem Betriebswirtschaftsunterricht ist. Fehler wurden auf allen Ebenen, neben und auf dem Platz gemacht.
Ich halte besonders Löw und Bierhoff für intelligent genug, dass sie aufgrund der massiven Kritik nun Fehler eingestehen und gewillt sind, diese nicht zu wiederholen. Der „alte Bundestrainer“ weiß also ganz genau, wie man es nicht machen kann. Er hat einem potentiellen Nachfolger nicht nur die Erfahrung aus 12 Jahren Cheftrainer und 2 Jahren Co-Trainer beim DFB voraus.

Es hängt einzig und allein von der Frage ab, ob Jogi Löw noch ausreichend Motivation besitzt, den Karren aus dem Dreck zu holen. Anders als bei Vereinen, wo man schlecht den halben Kader entlassen kann, kann ein Bundestrainer mit diesem breiten Angebot an deutschen Spielern anders arbeiten.
Zudem müssen Bierhoff und alle anderen DFB-Verantwortlichen gewillt sein, sich wieder dem Fan anzunähern und damit aufhören, als Marketingexperten aufzutreten.
Natürlich braucht auch die Nationalmannschaft, wie sie übrigens auch in der Presse jetzt wieder immer häufiger genannt wird, eine solide Arbeit auf dem Posten des Managements. Aber man kann es auch übertreiben. Und das muss Bierhoff sich eingestehen.

Der Trainerwechsel mag in der Bundesliga die schnellste und häufig auch einzig mögliche Lösung sein, aber in der Nationalmannschaft bestehen durchaus gute Chancen, dass es auch anders funktionieren kann. Und auf der anderen Seite muss man auch sagen: die uns diesen Bockmist eingebrockt haben, sollten die Suppe jetzt auch selbst auslöffeln. Das schulden sie dem deutschen Fussball genauso, wie wir ihnen den Respekt entgegenbringen sollten, eine Entscheidung abzuwarten, bevor wir groß aufgezogene Abstimmungen in den Medien präsentieren.

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2 responses to “Warum Jogi Löw als Bundestrainer weiter arbeiten sollte | #Nationalmannschaft #WMAus”

  1. Leselöwe says :

    Ich gehöre auch zur aufgebrachten Meute…naja, nicht wirklich. Ich kann die Arbeit von Jogi Löw zwar teilweise schätzen, hoffe aber schon seit 12 Jahren auf ein schnelles Ende dieser Ära. Ich kann den Mann nicht leiden. Ist persönlich. Er schafft sich ein gemütliches Umfeld von Ja-Sagern, bootet andere Leute aus. Das begann schon mit Oliver Kahn, damals als Jogi noch Co-Trainer unter Klinsmann war. Weitere Bespiele folgen: Kruse, Kuranyi usw. Beide wurden geschasst von Jogi, für immer in die Verbannung geschickt. Was aber macht ihre Verfehlungen schlimmer als Özil und Gündogan. Es wird mit zweierlei Maß gemessen beim DFB und auch bei Jogi Löw.
    Oliver Bierhoff sollte endlich aufhören, wie von einem BWL-Projekt zu sprechen. Da gebe ich dir völlig Recht. Ach ja, ich bin übrigens auch deiner Meinung, wenn du sagst, es gibt derzeit keinen anderen geeigneten Kandidaten. Gibt es auch nicht. Und dennoch, ein unerfahrener Trainer wäre mir allemal lieber. Die eingebildete Truppe ist jetzt gerade geerdet worden, aber wird das wirklich ein Umdenken hervorbringen.
    Ich glaube nach einem historischen Tief muss frischer Wind her. Dazu muss der DFB auch einmal über den Tellerrand ins Ausland schauen. Es gibt wirklich keinen Grund nur deutsche Trainer ins Auge zu fassen. #ArseneWenger

    • Autor says :

      Einen ausländischen Trainer kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Einzig allein aus dem Grund, weil unsere jungen Trainer so hochloben und immer davon sprechen, was für gute Leute da nachkommen. Das wäre irgendwo eine Bankrotterklärung.

      Stefan Kuntz habe ich bei meiner bisherigen Auflistung immer außen vor gelassen. Obwohl ich ihn als Trainer zu wenig erlebt habe, um mir da eine echte Meinung erlauben zu können.

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