«Eine Inszenierung in 3 Akten…» | #Özil

91 minute kolumne fussballMit einer noch nie dagewesenen Inszenierung hat Mesut Özil heute über die sozialen Netzwerke ein Statement veröffentlicht. Obwohl der DFB dieses ja bekanntlich forderte, haben sie wahrscheinlich nicht mit einem solchen Rundumschlag gerechnet.
Während der eigentlichen Krise waren die Berater ihr Geld nicht wert. Offenbar haben sie es sich nun mit der Ausarbeitung eines Statements in 3 Akten wieder härter erarbeiten wollen.

Die «linke Hälfte» der Reaktionen kann man mit „…scheiß Nazis!!“ zusammenfassen. Die «rechte Hälfte» der Reaktionen mit „….scheiß Türke!!“. Nimmt man die überflüssigen Randgestalten beider Seiten einfach mal weg, kann man sich auch wieder vernünftig mit dem Thema auseinandersetzen. Allerdings ohne die Medien, die den englischsprachigen Text einfach mal mit «…er würde es wieder tun…» zusammengefasst haben.

Das Statement ist vor allem eins: viel zu spät.
Die zusätzliche – nicht alleinige (!) – Belastung für die Nationalmannschaft im Rahmen der WM-Vorbereitung ist ein Schaden, den man jetzt nicht mehr gutmachen kann. Alles was jetzt noch kommen konnte, war eine Stellungnahme, die von vorn bis hinten durchkalkuliert und berechnet wurde.

Nachdem es im zweiten Teil des Statements auch darum ging, dass der Sponsor Mercedes sich von ihm distanzierte und er das Unternehmen für seine Rolle im sogenannten «Diesel-Skandal» angriff, wurde es spannend. Mit dieser Kritik schoss Mesut Özil nicht nur gegen einen langjährigen Partner des deutschen Fussballbundes, sondern auch gegen den Verband selbst. Der hätte nämlich auch von Mercedes eine Stellungnahme für dessen Rolle im «Diesel-Skandal» verlangen sollen.

Jetzt, wo der 3. Akt der Özil-Spiele in den sozialen Netzwerken noch aussteht, wird es spannend. Fans, Mitspieler, Trainerteam – wer noch ins Visier kommen wird, ist unklar. Aber auch das Fazit der ganzen Aktion steht noch nicht fest.
Zwei mögliche Szenarien:
1. Mesut Özil tritt als Nationalspieler zurück. Dann stehen noch die offiziellen Stellungnahmen seitens des DFB aus. Die werden aber wahrscheinlich so diplomatisch weichgespült daher kommen, dass die Spannung sich in Grenzen hält.
2. Mesut Özil lässt seinen Verbleib in der Nationalmannschaft offen. Dann liegt der Ball vor den Füßen des Verbandes, vor Bierhoff und Löw. Wie wird die Reaktion dann ausfallen?

Eigentlich kann man sich nicht vorstellen, dass Mesut Özil noch einmal ein Spiel für Deutschland bestreiten wird. Und darüber bin ich auch ganz froh. Mit der Nationalität des Spielers hat das überhaupt nichts zu tun. Vielmehr damit, dass ich den Anblick der Lustlosigkeit auf zwei Beinen einfach nicht mehr sehen kann. Statistiken sind mir hierbei völlig gleichgültig. Vielleicht ist es einfach die Chemie, die nicht stimmt. Aber so oder so, am Ende bin ich dann einfach gut damit zufrieden, wenn das Kapitel Özil & Nationalmannschaft zu einem Ende kommt.

Update!

Nachdem nun der 3. Teil von Mesut Özils Statement veröffentlicht wurde, steht fest, dass dieses Thema in der nächsten Zeit garantiert nicht ruhen wird.
Obwohl die Presse seine Aussagen als “Rücktritt aus der Nationalmannschaft” betiteln, hat Özil eigentlich nur gesagt, er werde nicht mehr für Deutschland spielen, solange er dort Rassismus und Respektlosigkeit spüren würde.
Besonders scharf wurde dabei DFB-Präsident Grindel angegriffen, den Özil als Rassist betitelt.

Wir können also in den nächsten Tagen abwarten, ob da noch ein weiterer Rücktritt folgen wird.

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