Rauchbombe: Der FC Bayern erklärt der Presse den Krieg

Nachdem der FC Bayern München gestern eine Pressekonferenz der kompletten Vereinsführung ankündigte, begann das große Rätselraten: um was könnte es denn wohl gehen, wenn mit Hoeneß, Rummenigge und Salihamidžić die Bosse vor die versammelte Presse treten?
In der Vergangenheit kam dies hauptsächlich bei einem Trainer-Rauswurf oder einer Neuverpflichtung vor. Da aber Niko Kovac nur eine Stunde vorher seine eigene Pressekonferenz vor dem Bundesligaspiel abhalten sollte (..und auch tat), kam das schon einmal nicht in Frage.
Nächste Vermutung: BMW löst AUDI als Partner des FC Bayern München ab.

Falsch gedacht. Es kam alles ganz anders….

Der FC Bayern München holte zu einem Rundumschlag gegen die Presse aus. Und es soll wohl auch nicht bei leeren Drohungen bleiben, denn es sind schon so einige Unterlassungserklärungen zugestellt worden.
Es betrifft nicht nur den FC Bayern München, aber der Verein will als leuchtendes Beispiel voran gehen und so ganz allgemein die Art und Form der Berichterstattung in Deutschland ändern.

Es wurde zu Recht beklagt, dass hinter den Kulissen in den Redaktionen zu viele „Deals“ laufen. Wenn ein Berater für eine Redaktion wichtige Informationen liefert, dann wird auch entsprechend über seinen Schützling berichtet. Sollte es diese Zustände geben, realistisch gesehen läuft es auch wohl so, dann ist das zu verurteilen und der FC Bayern hätte meine volle Unterstützung bei diesem Plan.

Aber dann sind da auch noch diverse andere Aussagen. Wenn Karl-Heinz Rummenigge beispielsweise das Grundgesetz zitiert und davon spricht, die Würde des Menschen wäre unantastbar, das würde auch für Fußballer gelten.
Großartig, ich finde es nämlich vollkommen daneben, wenn im Stadion mal wieder Spieler der Mittelfinger gezeigt wird und nichts passiert. Mache ich das aber im Straßenverkehr, könnte ich unter Umständen sogar meinen Führerschein verlieren.
Ja, das macht Sinn. Allerdings sollte man aufpassen, mit was man wirft, wenn man in einem Glashaus mit hauchdünnen Scheiben sitzt.

Und dann kommen wir auch schon zu den Ungereimtheiten dieser Pressekonferenz, die ich Euch an dieser Stelle als Video einbinden werde, denn man kann nicht auf jedes Detail eingehen und man sollte diesen Fremdschäm-Moment auch mal selbst erlebt haben.

Uli Hoeneß verlangt absoluten Respekt für die Spieler des FC Bayern München. Keine 10 Minuten später nagelt er aber in einer Art und Weise gegen den Ex-Spieler Juan Bernat, dass ich persönlich hoffe, bei PSG stellt man sich schützend vor den Spanier und fängt das auf. Hat er nur einen Bruchteil der Empfindlichkeit eines Robert Enke, dann könnte nach dieser Ansage nicht nur seine Karriere beendet sein, man müsste sich auch um sein Leben sorgen.

Zudem stehen ja auch noch andere Hoeneß-Aussagen im Raum. Da wäre beispielsweise die Özil-Kritik „hat einen Dreck gespielt…“. Seine Absichten waren sicherlich in Ordnung, aber der Weg keinesfalls besser, als der unserer Pressevertreter. Da hilft es auch nicht, wenn er auf der Pressekonferenz zugibt, er hätte lieber „Mist“ sagen sollen.
Und seine „Geisteskrank“-Aussage über Karim Bellarabi? Gab es natürlich nur, weil er nach dem Spiel so emotional war.

Weiter wurde vom FC Bayern kritisiert, dass Journalisten zu Gerüchten per Email um ein Statement bitten. Oder das der Reporter Christian Falk bei der Telekom angefragt hat, ob sie ihm das Video von den Pfiffen gegen Kovac bei einem Bayern-Basketballspiel für seine Berichterstattung überlassen könnten.

Zusammenfassend kann man also sagen: der FC Bayern München möchte keine Gerüchte, möchte keine unsachliche oder persönliche Kritik, hat aber auch ein Problem mit Recherche und findet es nur minimal schlimm, wenn man sich selbst wie ein Elefant im Porzellanladen verhält.
Den Partnern in Katar dürfte diese Einstellung gefallen.

Also, was soll das alles überhaupt?
Wenn man die Medien mal hätte ein wenig zurechtstutzen wollen, sehr gerne. Einige Schlagzeilen müssen wirklich nicht sein und man muss auch nicht immer alles so persönlich werden lassen.
Aber dafür eine große Pressekonferenz einberufen?
Natürlich lenkt man damit erst einmal von der jetzigen sportlichen Situation des FC Bayern München ab, auch wenn diese Absicht direkt von den Bossen dementiert wurde.
Aber man lenkt damit auch von der eigenen Person ab. Fakt ist nämlich, dass der FC Bayern München unter seinen bisherigen Ansprüchen bleibt, man gar nicht mehr so die ganz große Auswahl auf dem Trainermarkt vorfindet, man mit den vielen Verletzten aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre durchaus hätte rechnen können und diese ganzen Punkte auch irgendwann für die Bosse des FC Bayern München ein Problem werden könnten.
Obwohl die Fans für gewöhnlich wie eine Wand hinter Rummenigge und Hoeneß stehen, ist auch deren Kredit irgendwann verspielt. Und vielleicht, man kann sich nicht ganz sicher sein, aber vielleicht, hätte das nun bei einem drohenden Kovac-Aus soweit sein können.

Wie die Presse darauf reagiert, wird spannend zu beobachten sein. Für gewöhnlich lässt die BILD sich von Unterlassungserklärungen eher nicht abschrecken. Wahrscheinlich rahmen die sich die sogar ein und hängen sie irgendwo in den Büros an den Wänden. Und wer am Ende des Jahres die meisten gesammelt hat, bekommt sogar noch einen Bonus.
Wenn wir die ganze Aktion also einmal positiv sehen wollen: es wird trotz Platz 6 in der Bundesliga nicht langweilig beim FC Bayern München.

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