Das Nachbeben zur Pressekonferenz der Schande

Nachdem der FC Bayern München mit 1:3 gegen VfL Wolfsburg gewonnen hatte, wurde der große Wirbel um die Pressekonferenz der Bosse nach und nach leiser.
Viel schlimmer noch, dass man auf einmal von Fans lesen konnte, dies wäre genau der richtige Weg gewesen.
In was für einer Welt von mangelnder Bildung leben wir eigentlich, dass der Sieg gegen einen Gegner im Fußball plötzlich so eine Aktion rechtfertigt?
Wie will man das zukünftig handhaben? Wenn die Pressekonferenz notwendig war, um schwächelnde Wolfsburger in der Bundesliga zu besiegen, lässt man dann für ein Champions League Halbfinale gegen Real Madrid eine Atombombe abwerfen?

Die Pressekonferenz der Bayern-Bosse bleibt auf vielen Ebenen einfach falsch. Und peinlich. Ein Schandfleck für den Verein.

Inhaltlich waren die Aussagen aus einer völlig anderen Welt. Obwohl der Journalismus im Allgemeinen völlig neue Wege geht, das betrifft aber nicht nur den Fußball und vor allem nicht nur den FC Bayern München, gab es zum Zeitpunkt keinen seismographischen Ausschlag.
Wenn man die Tabellensituation des FC Bayern mit den Schlagzeilen vergleicht, dann war es sogar noch relativ ruhig.
Und auch der Verweis auf Jogi Löw war nicht gerechtfertigt: in der Geschichte des DFB ist dieser Absturz wohl recht einmalig und das die Fans noch nicht nach Abpfiff das Stadion abgerissen haben, liegt wohl am ehesten daran, dass mittlerweile bei der Nationalmannschaft überwiegend Event-Fans zu finden sind.
So gesehen befand sich die Berichterstattung auf einem völlig akzeptablen Niveau. Das erkannt man ja auch daran, dass ein völlig harmloser NTV Beitrag von Hoeneß in einem völlig falschen Licht dargestellt wurde. Und Recherche-Anfragen per Email sprechen eher für die Arbeit der Journalisten, auch wenn man in der Chefetage des Branchenprimus eher noch mit Faxgeräten und Brieftauben arbeiten möchte.
Außer der aussichtslosen eigenen Situation gab es schlichtweg keinen Anlass für diese Pressekonferenz.

Inhaltlich also falsch und menschlich unter aller Würde, wenn man sich zum Moralapostel aufschwingt und gleichzeitig Ex-Spieler, die nur in den höchsten Tönen von Stadt, Verein und Kollegen sprechen, so dermaßen öffentlich wie eine Sau durchs Dorf treibt.

Und zum Schluss wollen das dann auch noch Menschen schönreden, indem sie Hoeneß seine Leidenschaft für den Verein so hoch anrechnen.
Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge mussten an jenem denkwürdigen Freitag nicht den Verein, sondern in allererster Linie ihre schlechte Arbeit aus den vergangenen Monaten (oder gar Jahren) verteidigen. Wie viel Prozent Vereinsliebe und wie viel schnöder Egoismus hinter dieser Pressekonferenz steckten, muss jeder für sich selbst beantworten. Aber dafür muss man auch mal die Vereinsbrille absetzen und den Verstand einschalten.

 

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