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#S04FCB: Alles wieder gut beim FC Bayern?

fc bayern newsZwei deutliche Siege gegen Mainz05 und Schalke04 haben ausgereicht, um im öffentlichen Verständnis das Gefühl zu vermitteln, beim FC Bayern München wäre wieder alles in Ordnung.

Aber ist dem wirklich so?

Auch wenn ich Gefahr laufe, mich zu wiederholen: die Niederlage gegen Hoffenheim und die wirklich schlechte Leistung gegen Anderlecht waren ein Anlass, zu kritisieren. Aber sie waren nicht allein der Grund. Die liegen tiefer und können nicht an zwei Spielen festgemacht werden.
Und diese Gründe haben sich auch nicht in Luft aufgelöst.

Von außen betrachtet hat man allerdings das Gefühl, die Mannschaft würde unter Umständen etwas autonom laufen. Getreu dem Motto „der Trainer sitzt da eh nur rum und kaut Kaugummi, also lassen wir uns davon nicht das ganze Jahr verderben…“.
Wie ich darauf komme?
Obwohl der Trainer massiv in der Kritik stand, haben viele Spieler über die Situation gesprochen, aber niemand hat sich wirklich Pro-Ancelotti geäußert. Eher wurde das Thema vermieden.
Der traditionelle Torjubel mit einem Trainer, der von den Medien schon längst abgeschrieben wurde, blieb ebenfalls aus. Stattdessen stützt Robben seinen Kollegen Ribery und jubelt mit ihm vor der Ersatzbank.

Nachdem nun feststeht, dass Manuel Neuer wohl scheinbar mindestens (!) für die komplette Hinrunde fehlen wird, eröffnet sich sogar noch eine neue Baustelle: die Ärzte-Abteilung des FC Bayern München steht auf einmal in den Schlagzeilen.
Ausfallzeiten sollen total falsch eingeschätzt werden und zuletzt auch Manuel Neuer viel zu früh wieder auf dem Platz gestanden haben.
Da dürfte die deutsche No.1 sich auch ruhig mal bei seinen Bundestrainer bedanken, der dann die Situation wohl gar nicht einmal so schlecht eingeschätzt hatte, als er Neuer noch eine längere Pause gönnte und ihn nicht nominierte.

Kritik gab es auch noch in Richtung Hasan Salihamidzic. Und zwar vom ZDF-Mann Jochen Breyer. Das ist dieser Typ, der sich bei Pep Guardiola immer mit seinen Spanisch-Kenntnissen einschleimen wollte. Erinnert Ihr Euch?
Er beschrieb, in Anspielung auf die „Abteilung Attacke“ Uli Hoeneß, „Brazzo“ wäre eher so die „Abteilung Wegducken“. Der neue Sportdirektor flüchtet schon mal vor einem Mikrofon oder versucht sich in allgemeine Aussagen, ohne auf die Fragen der Reporter ansatzweise zu antworten.

Um die Eingangsfrage zu beantworten: nein, es ist nicht alles gut beim FC Bayern München. Die Ergebnisse und die Einstellung der Mannschaft passten in den letzten beiden Spielen wieder, obwohl man auch dort natürlich noch Luft nach oben hat.
Aber die Liste der Baustellen hat sich um 1.5 Punkte verlängert. „Brazzo“ war vorher schon ein Thema, scheint aber noch ein Größeres zu werden.
Und nun folgt offenbar auch noch die Geschichte mit den Ärzten.

Ganz schön viel Bewegung beim FC Bayern München. Zumindest abseits des Platzes. Nur gut, dass es auf dem Rasen auch wieder mehr Bewegung gibt: so ein feiner Sieg gegen Schalke04 am Dienstagabend ist da eine tolle Ablenkung. Und irgendwie hat man das Gefühl, man möchte sich dafür bei der Mannschaft bedanken. Und zwar nur bei der Mannschaft.

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Arjen Robben: Sportdirektor der Zukunft

 

arjen robben sportdirektor fc bayern münchen

Was man an jemanden hat, merkt man man häufig erst, wenn derjenige nicht mehr da ist.
Zu dieser Erkenntnis dürfte auch der FC Bayern München gekommen sein, sonst hätte man sich wahrscheinlich nicht so verzweifelt auf die Suche nach einem Nachfolger von Matthias Sammer gemacht.
Wie lang die Liste der Absagen nun wirklich war und ob „Brazzo“ irgendwann doch noch einmal als richtiger Sportdirektor überrascht, das soll hier und jetzt aber gar kein Thema sein.
Vielmehr geht es darum, dass der Verein auf dem Platz einen Typen hat, der meiner Meinung nach ein Sportdirektor für die Zukunft des FC Bayern München wäre: Arjen Robben.

  • Robben hat eine außerordentliche Karriere abgeliefert. Er hat bei großen Vereinen gespielt und international Erfahrungen gesammelt, von denen später einmal jeder Nachwuchsspieler profitieren könnte.
  • Hinter den ganzen Titelgewinnen und dem Gefühl, ein Finale zu entscheiden, stehen auch viele Tiefpunkte in der Karriere. Pfiffe der eigenen Fans, im entscheidenden Moment mal zu versagen, aber auch jedes mal aus so einem Loch zurück zu kommen. Es gibt kaum etwas, was Robben noch nicht im Fußball erlebt oder auf Vereinsebene nicht gewonnen hat.
  • Der Niederländer wird von einem unglaublichen Ehrgeiz angetrieben. Anders könnte er in seinem Alter gar nicht mehr auf diesem unglaublichen Niveau spielen. Er glaubt an sich, an seine Fähigkeiten und an das Potential des Vereins.
  • Der Flügelflitzer ist eine ehrliche Haut. Er gab ganz offen zu, anfangs wenig begeistert von einem Wechsel zum FC Bayern München gewesen zu sein. Aber noch mehr Ehrlichkeit sieht man in seinem Gesicht, wenn er spielt. Ob es gut läuft oder nicht, man muss nur auf Robbens Mimik und Gestik achten, die Bände spricht.
  • Was aber noch viel wichtiger ist, ist das Feingefühl für den richtigen Moment. Und damit ist nicht die Ballabgabe im Spiel gemeint.

    Nach dem Spiel gegen den RSC Anderlecht redete er den Sieg nicht schön, wie es sogar der Trainer tat. Er mahnte stattdessen, man müsse mehr miteinander auf dem Platz sprechen, sich verbessern und zusammenspielen. Nicht zum ersten und garantiert auch nicht zum letzten mal, dass Robben bereit ist, den Finger in eine Wunde zu legen.

    Gegen Mainz hatte er das Gespür dafür, dass Franck Ribery aufgebaut werden musste. Der generierte kritische Schlagzeilen und kam dann auch noch in der Bundesliga erst sehr spät zum Einsatz. Prompt lief Robben zu seinem Kollegen und feierte sein Tor mit ihm an der Seitenlinie. „Wir brauchen ihn, wenn wir Titel gewinnen wollen.“, erklärte er später und sorgte wohl für echten Balsam auf das empfindliche Gemüt des Franzosen.

Erfahrung. Unbedingten Ehrgeiz. Und das Gespür, in den richtigen Momenten die passenden Worte zu finden.
Unbequem sein, aber nicht um sich zu profilieren. Spieler mitnehmen, aber sich nicht bei ihnen anbiedern. Selbstbewusst sein, aber ohne sich selbst zu wichtig zu nehmen.
Alles Qualitäten und Eigenschaften, die als Sportdirektor qualifizieren.
Sollte Hasan Salihamidzic nicht plötzlich zu einer riesengroßen Überraschung auf dieser Position werden, sollte man alles dafür tun, Arjen Robben nach seiner aktiven Laufbahn als Sportdirektor zu verpflichten.

Alles dafür tun, dazu gehört dann natürlich auch, dass die beiden „Alpha-Männchen“ Rummenigge und Hoeneß sich zum Wohle des Vereines deutlich zurückschrauben. Ansonsten reißen sie irgendwann mit ihren Egos das ein, was sie mit fleißigen Händen und klugen Kopf aufgebaut haben.
Seit Jahren hört man sie davon reden, dass der Generationswechsel auch in der Führungsetage vorangetrieben werden soll. Und beim ersten populären Versuch scheiterten sie gnadenlos, weil Lahm augenscheinlich auch nur ein „Frühstücksdirektor“ werden sollte.
Marionetten werden Hoeneß und Rummenigge noch viele unter den Ex-Spielern finden. Ein Job beim FC Bayern München, da sind viele bereit, Abstriche zu machen. Wenn man aber ernsthaft Leute sucht, die später einmal das Ruder in die Hand nehmen können, dann muss man langsam damit anfangen, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Julian Nagelsmann zum FC Bayern München: was noch getan werden muss…

Julian Nagelsmann neuer Trainer FC Bayern München

Julian Nagelsmann wurde schon häufiger mit dem FC Bayern München in Verbindung gebracht. Zuletzt wurde das alles natürlich dadurch verstärkt, dass er bei der 3. Gelegenheit als Trainer von 1899 Hoffenheim noch immer ungeschlagen gegen den Rekordmeister blieb.
Aufgrund seiner eigenen Aussagen stellen Medien im ganzen Land natürlich die gleiche Frage: Nagelsmann & Bayern München – kann das gehen?

Julian Nagelsmann ist der Prototyp eines potentiellen Bayern-Trainers. Er hat seine Geschichte, eine Gegenwart und Zukunft in München. Beruflich feiert er derzeit mit Hoffenheim nationale Erfolge, leistet gute Arbeit und spricht sogar selbst davon, dass der FC Bayern München ihn noch ein stückweit glücklicher machen könnte.

Eine Verpflichtung von Nagelsmann drängt sich so sehr auf, dass man es einfach machen muss!
Allerdings sollte man dafür auch einige Voraussetzungen schaffen, damit die Chancen auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit gesteigert werden.

Die Mannschaft

Nagelsmann ist noch relativ jung und international unerfahren. Das er sich beim Hoffenheim nun einen machte, beeindruckt die Stars im Team der Roten überhaupt nicht. Beim kleinsten Problem würde dieser Mangel ein gefundenes Fressen für die Ego-Stars im Team werden. Hierbei fühlt man sich aufgrund der aktuellen Ereignisse wohl am ehesten an Ribery und Lewandowski erinnert.

Der FC Bayern München hat die Weichen der Zukunft ja bereits mit dem Nachwuchszentrum gestellt. Dieser Weg muss so konsequent verfolgt werden, dass hinter jedem teuer eingekauften Superstar mit großem Ego ein nicht minder talentierter, junger Spieler steht, der die Situation sofort ausnutzen würde.
Es sind zumeist die jungen Spieler, die sich für Ideen begeistern lassen und uneingeschränkt mitziehen. Der FC Bayern funktioniert nicht als Nachwuchsmannschaft, aber eine ausgewogenere Mischung könnte für entsprechende Grundstimmung sorgen.

Der Sportdirektor

Ein starker Sportdirektor wäre dringend notwendig, um den jungen Trainer im Ernstfall direkt an der Front den Rücken zu stärken. Das kann aber keiner sein, der sich selbst noch am ehesten als Kumpel der aktuellen Spieler sieht und mit ihnen zum Einstand ein lockeres Liedchen singt.
Matthias Sammer kann man nicht einfach so klonen, ein vergleichbarer Charakter hat keine Lust darauf, sich von Hoeneß und Rummenigge an die Kette legen zu lassen.
Das „Brazzo“ in den nächsten 1-2 Jahren diese Rolle so ideal ausfüllt, ist nur schwer vorstellbar.

Die Bosse

Julian Nagelsmann könnte es sich nicht erlauben, nebenbei auch noch zwischen die Fronten der beiden Alt-Bosse Hoeneß und Rummenigge zu kommen.
Der dürfte mit dem ganzen Zirkus um den FC Bayern, seiner Trainerarbeit und der fortlaufenden kritischen Beobachtung, die man zwangsläufig als Bayern-Trainer aushalten muss, durchaus ausgelastet sein.
Es ist zwingend notwendig, dass die Uneinigkeit an der Spitze endgültig und konsequent beigelegt wird.
Andernfalls stehen die Freunde des Trainers demnächst beim Hoeneß, seine Kritiker bei Rummenigge – und beide Parteien fühlen sich beim jeweiligen Ansprechspartner bestens gebauchpinselt.

Die Baustellen, die oben aufgeführt wurden, müssen aber so oder so in Angriff genommen werden. Denn egal wer auf Ancelotti folgen wird, er wird sich mit diesen Problemen ansonsten auch konfrontiert sehen. Nur sollte es halt gut vorbereitet sein, wenn man sich auf so ein „big thing“ einlässt.

Die Verpflichtung von Julian Nagelsmann als Trainer des FC Bayern München wäre ein Experiment. Unter Umständen kann man es mit Pep Guardiola und dem FC Barcelona vergleichen. Und das war seinerzeit ja nicht so sehr schlecht gelaufen.
Es gibt keine Garantien, aber lieber mit einem Versuch scheitern, als im Stillstand zu sterben.