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#WM2018: Reaktion auf Jogis Entscheidungen

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In einer künstlich aufgeblähten und phasenweise lächerlich wirkenden Pressekonferenz stellte der DFB und Bundestrainer Jogi Löw gestern seinen vorläufigen Kader für die Weltmeisterschaft 2018 in Russland vor.
Bekanntlich wird Deutschland von Millionen an Bundestrainern besiedelt, die dazu eine eigene und meist auch eine andere Meinung haben. Ich nehme mich da überhaupt nicht raus. Und deswegen nehmen wir die Entscheidungen von Löw mal genauer unter die Lupe.

Das Jogi Löw seinen Kapitän erst einmal zusätzlich mit in die Vorbereitung nimmt und sich selbst ein Bild von der ganzen Geschichte machen will, finde ich vollkommen richtig. Das ist irgendwo auch eine Frage des Respektes gegenüber seinen bisherigen Verdiensten.
Unter Umständen könnte man ihn sogar als dritten Torhüter mitnehmen, sollte es nicht ganz reichen. Sein Einsatz wäre somit sehr unwahrscheinlich, aber als Kapitän und Führungskraft wäre er nahe am Team.

Unverständlich ist jedoch die ausbleibende Nominierung von Sven Ulreich. Er hat die Lücke von Manuel Neuer im Verein auf internationaler Bühne großartig ausgefüllt. Sein Fehler im Halbfinale war einer wohl einmaligen Situation geschuldet und sollte keine Rolle spielen. Das verhält sich ja bei terStegen nicht anders. Zudem hätte es den Vorteil, dass Ulreich keine Ambitionen hätte, aus einen möglichen Ausfall Neuers für die WM Profit zu schlagen. Sportlicher Konkurrenzkampf ja, aber darüber hinaus wäre Ruhe auf dieser Position.

Das Ilkay Gündogan und Mesut Özil nach ihrem Erdogan-Skandal nominiert werden, ist noch nachvollziehbar. Aber das es keinerlei Konsequenzen gibt, ist unverständlich.
Es gab durchaus schon Rauswürfe für geringere Vergehen. Mit der Ankündigung, dass die beiden Spieler “auf Bewährung” nominiert werden und man interne Gespräche über ihre Einstellung zu den Werten des DFB führen wird, hätte man auch die Fans wieder ins Boot holen können.

Völlig unverständlich ist jedoch die ausbleibende Nominierung von Sandro Wagner. Mit Wagner hätten wir zumindest einen Spieler im Kader gehabt, der sich bei großen Namen nicht sprichwörtlich in die Hose macht und das auch entsprechend ausstrahlt.
Sportlich gesehen schätze ich ihn nicht schlechter als Petersen ein und hat dazu im Vergleich schon beim Confed Cup und in der anschließenden WM-Quali abgeliefert.
Schlimmer wiegt aber noch, dass er felsenfest davon überzeugt war, bei der WM dabei zu sein. Dann muss man schon hinterfragen, was die Trainer der Mannschaft ihm vermittelt haben, dass er das so in der Öffentlichkeit sagt. Da scheint man doch dem Spieler gegenüber nicht offen genug gewesen zu sein. Von einer 100%tigen Überzeugung, bei der WM zu sein, hin zu einer ausbleibenden Nominierung für einen erweiterten Kader – das ist ein langer Weg.

Fragwürdig ist auch die Geschichte um Sebastian Rudy. Sollte Rudy nun zum dritten mal aus einem vorläufigen Kader gestrichen werden, dürfte es wohl langsam traumatisch werden. Man kann nur hoffen, dass es hier die eindeutige Absicht gibt, ihn auch wirklich mitnehmen zu wollen.

Bild: DFB

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Özil & Gündogan: Wie passt das zusammen?

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Screenshot: BILD.de, 14. Mai 2018

Während einer “Wahlkampf-Tour” von Erdogan posieren die Fußballspieler Özil und Gündogan für gemeinsame Bilder mit dem türkischen Politiker.
Gündogan, der auf dem Bild sogar seinen Bart auf traditionelle Art trägt, nennt Erdogan in seiner Widmung “meinen Präsidenten”.

Während der DFB die beiden Spieler häufig in diversen Aktionen und Projekten als eine Art “Vorzeige-Migranten” präsentiert, leisten sie wertvolle PR-Arbeit für einen politisch sehr umstrittenen Politiker.
Es ist überhaupt nicht tragisch, wenn Özil und Gündogan sich der Heimat ihrer Eltern näher fühlen, als dem Land, in dem sie geboren wurden, aufwuchsen und gefördert wurden.
Dann darf man auch völlig zu recht von “meinen Präsidenten” sprechen oder Wahlkampf für Erdogan machen. Wir verfechten immerhin die Meinungsfreiheit.
Aber es stört mich, wenn man sich augenscheinlich nur der eigenen Karriere wegen der erfolgreicheren Nationalmannschaft anschließt und dort für völlig andere Werte an Aktionen und Projekte teilnimmt.

In den nächsten Wochen steht die Weltmeisterschaft an. Ich würde mir wünschen, dass nur solche Spieler auflaufen, die sich mit der jeweiligen Nation auch wirklich identifizieren können.
Leider werden der DFB und Jogi Löw nicht darauf verzichten, Özil und Gündogan weiterhin zu nominieren. Aber vielleicht sind sie wenigstens so anständig und verschonen uns zukünftig mit den “Heile-Welt-Botschaften”, die in diesem Licht wie blanker Hohn wirken.

#BestNeVerRest: Die idiotische Kritik an einem Slogan

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Als langjähriger Partner der deutschen Nationalmannschaft hat Mercedes-Benz sich auch in diesem Jahr, in Hinblick auf die Weltmeisterschaft 2018, einen Slogan ausgedacht:

BEST NE V ER REST

Auch ohne die offiziellen Pressemitteilungen zu lesen, kann man sich leicht ausmalen, was mit diesem Slogan und der besonderen Schreibweise gemeint ist:
Deutschland ist Weltmeister, wird sich aber nicht darauf ausruhen, sondern bei der WM in Russland alles geben und den 5. [römisch: V] Titel anstreben.

Eigentlich ganz simpel, oder? Scheinbar nicht für alle Menschen….

”Das ist arrogant…!”, heißt es in den sozialen Netzwerken. Aber als amtierender Weltmeister ist man aktuell der Beste. Und es sollte dann auch nicht verboten sein, einen weiteren Titelgewinn anzustreben.
”Burnout lässt grüßen…”, heißt es in den sozialen Netzwerken. Wahrscheinlich von denjenigen, die gerade eben noch ihren Namen tanzten und nicht darüber nachdenken, warum es “Leistungssport” heißt.
Wirklich idiotisch wird es aber, wenn kommentiert wird, der Slogan erinnere an den Nazi-Spruch “Arbeit macht frei”. Da sollte man sich dann auch mal langsam überlegen, ob professionelle Hilfe nicht angebracht wäre.

So neu ist der Slogan übrigens gar nicht. Der Film “R.E.D. 2” trägt beispielsweise den Untertitel “The Best never Rest”. Außerdem findet man das motivierende Motto auch auf zahlreichen T-Shirts und anderen Artikeln, die in irgendeinem Zusammenhang mit Fitness und Sport stehen.

Es ist einfach nur ein Trauerspiel, wenn man diese Reaktionen betrachtet. Da darf man sich dann wirklich fragen, ob unsere Gesellschaft etwa doch zu viel Freizeit hat.

Bild: Mercedes-Benz Pressemitteilung