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Deutschland vs Peru: 100% Quote

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Heute Abend spielt die deutsche Nationalmannschaft, die zu meiner Überraschung immer noch offiziell «Die Mannschaft» genannt wird, gegen Peru an.

Das Spiel ist eine ganz klare Geschichte.
Deutschland hat bisher nämlich 100% aller Spiele gegen Peru gewonnen.
Deutschland hat auch 100% aller Länderspiele in Sinsheim gewonnen.

Ok, die Statistik ist jetzt nicht ganz so viel wert. Wir haben nämlich bisher nur einmal gegen Peru gespielt. 1970 gab es in der Gruppenphase der WM einen 3:1 Sieg. Alle drei Tore erzielte Gerd Müller.
Und in Sinsheim spielte die Nationalmannschaft auch nur einmal.  Gegen Uruguay konnten wir durch die Tore von Mario Gomez und Andre Schürrle mit 2:1 gewinnen.

Die aktuelle Situation ist auch völlig anders. Von den letzten 10 Spielen hat Deutschland gerade einmal zwei gewonnen. Dagegen stehen vier Unentschieden und vier Niederlagen. Wenn man einen positiven Lichtblick sehen will: als wir 0:0 gegen Frankreich spielten, blieb die Nationalmannschaft zum ersten mal seit fast einem Jahr (17. November 2017) ohne Gegentor.

So viel zu den Zahlen und Gedankenspielchen. Das torlose Unentschieden gegen den amtierenden Weltmeister war ja ganz nett. Aber wenn es heute Abend gegen Peru geht, zählt nicht nur ein eindeutiger Sieg. Es muss dem Team auch gelingen Spielfreude, Laufbereitschaft, Kampfeswille und Begeisterung auf das Grün zu bringen.
Das sind dummerweise sogar die Mindestanforderungen an ein Team, welches vom Funktionär bis zum Spieler komplett versagt hat und unter anderem mit einer völlig falschen Einstellung Millionen Fussballfans in Deutschland den WM Sommer 2018 versaute.
Unter Druck entstehen Diamanten. Also bewahre ich mir einfach mal die Hoffnung, dass am Ende wieder etwas Positives entsteht.

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Was Özil nicht sagte, die Auswirkungen und ein Stoßgebet | #Özil

91 minute kolumne fussballDer vorläufige Rücktritt von Mesut Özil kam nicht nur mit einer großen Inszenierung, sondern auch mit einem großen Knall zum Schluss.
Özil zeigte mit seinem Finger auf Sponsoren, Medien, Fans, dem Verband und dem DFB-Präsidenten, den er offensichtlich mit seiner Aktion mitreißen und stürzen will.
Der schwerwiegende Vorwurf, Grindel habe sich rassistisch verhalten, wird von einem großen Teil der Gesellschaft ungeprüft übernommen: Özil ist das Opfer, Grindel ein Rassist und ganz Deutschland besteht aus Nazis. Das ist die bekannte Hysterie in unserer Zeit.

Nicht weniger interessant sind aber die Dinge, die Mesut Özil in seinem sehr langen Statement nicht angesprochen hat.


  • Er verliert kein Wort über die fragwürdigen Methoden von Präsident Erdogan.
  • Er kritisiert mit keiner Silbe seine eigene, sportliche Leistung bei der Weltmeisterschaft.
  • Er hinterfragt auch sein eigenes Verhalten in der Krise nicht. Er verliert kein Wort darüber, dass dieses Thema auch für die Nationalmannschaft eine Belastung gewesen sein könnte.
  • Es gibt keinen Dank an die Mitspieler, die ihn versuchten in der Öffentlichkeit zu schützen.
  • Es gibt auch keinen Dank an Jogi Löw, der trotz massiver Kritik immer zu ihm stand.
  • Zu guter Letzt gab es auch keinen Gruß an die Fans, die ihn gegen rassistische Anfeindungen, die es von Rechtsaußen ja durchaus gab, in Schutz nahmen.

Mesut Özil wurde unter anderem durch den DFB zum international gefragten Spieler und mehrfacher Millionär. Es wäre sein gutes Recht gewesen, Fehlverhalten zu kritisieren. Aber dieses Statement ist ein Rachefeldzug gegen einen ganzen Verband und dem Land, in dem Özil aufgewachsen ist. Dieser Rassismus-Vorwurf ist so schwerwiegend, dass auch das Bewerberduell zwischen der Türkei und Deutschland um die Europameisterschaft dadurch entschieden werden könnte. Das wiederum würde dem Präsidenten Erdogan gut gefallen, der sich – ähnlich wie andere Staatsoberhäupter – sicherlich auch gern mit einer großen, internationalen Sportveranstaltung rühmen würde.

Beim DFB sollten sie sich reihenweise selbst in den ***** beissen. Wären sie im richtigen Moment einfach mal konsequent gewesen, hätten sie sich diesen ganzen Schlamassel ersparen können.

Klar ist auch, dass der Neuaufbau der Nationalmannschaft durch diese ganze Situation sich weiter verzögern wird. In den nächsten Wochen wird der Fokus nämlich erneut nicht auf den eigentlichen Problemen liegen.
Vielmehr wird die Presse versuchen Stellungnahmen der anderen Nationalspieler zu bekommen, es wird um den Verbleib oder potentiellen Nachfolger von Grindel gehen und selbstverständlich wird jedem Fußball-Fan, der wieder Lust auf die Nationalmannschaft bekommen könnte, vorgeworfen, er wäre ein Nazi.
Und das geht so lange, bis der erste Politiker um die Ecke kommt und vorschlägt, man könnte die Nationalmannschaft doch einfach auflösen und stattdessen lieber Bäume im Wald umarmen.

Fußballgott im Himmel, lass endlich die Bundesliga wieder die Schlagzeilen beherrschen!

«Eine Inszenierung in 3 Akten…» | #Özil

91 minute kolumne fussballMit einer noch nie dagewesenen Inszenierung hat Mesut Özil heute über die sozialen Netzwerke ein Statement veröffentlicht. Obwohl der DFB dieses ja bekanntlich forderte, haben sie wahrscheinlich nicht mit einem solchen Rundumschlag gerechnet.
Während der eigentlichen Krise waren die Berater ihr Geld nicht wert. Offenbar haben sie es sich nun mit der Ausarbeitung eines Statements in 3 Akten wieder härter erarbeiten wollen.

Die «linke Hälfte» der Reaktionen kann man mit „…scheiß Nazis!!“ zusammenfassen. Die «rechte Hälfte» der Reaktionen mit „….scheiß Türke!!“. Nimmt man die überflüssigen Randgestalten beider Seiten einfach mal weg, kann man sich auch wieder vernünftig mit dem Thema auseinandersetzen. Allerdings ohne die Medien, die den englischsprachigen Text einfach mal mit «…er würde es wieder tun…» zusammengefasst haben.

Das Statement ist vor allem eins: viel zu spät.
Die zusätzliche – nicht alleinige (!) – Belastung für die Nationalmannschaft im Rahmen der WM-Vorbereitung ist ein Schaden, den man jetzt nicht mehr gutmachen kann. Alles was jetzt noch kommen konnte, war eine Stellungnahme, die von vorn bis hinten durchkalkuliert und berechnet wurde.

Nachdem es im zweiten Teil des Statements auch darum ging, dass der Sponsor Mercedes sich von ihm distanzierte und er das Unternehmen für seine Rolle im sogenannten «Diesel-Skandal» angriff, wurde es spannend. Mit dieser Kritik schoss Mesut Özil nicht nur gegen einen langjährigen Partner des deutschen Fussballbundes, sondern auch gegen den Verband selbst. Der hätte nämlich auch von Mercedes eine Stellungnahme für dessen Rolle im «Diesel-Skandal» verlangen sollen.

Jetzt, wo der 3. Akt der Özil-Spiele in den sozialen Netzwerken noch aussteht, wird es spannend. Fans, Mitspieler, Trainerteam – wer noch ins Visier kommen wird, ist unklar. Aber auch das Fazit der ganzen Aktion steht noch nicht fest.
Zwei mögliche Szenarien:
1. Mesut Özil tritt als Nationalspieler zurück. Dann stehen noch die offiziellen Stellungnahmen seitens des DFB aus. Die werden aber wahrscheinlich so diplomatisch weichgespült daher kommen, dass die Spannung sich in Grenzen hält.
2. Mesut Özil lässt seinen Verbleib in der Nationalmannschaft offen. Dann liegt der Ball vor den Füßen des Verbandes, vor Bierhoff und Löw. Wie wird die Reaktion dann ausfallen?

Eigentlich kann man sich nicht vorstellen, dass Mesut Özil noch einmal ein Spiel für Deutschland bestreiten wird. Und darüber bin ich auch ganz froh. Mit der Nationalität des Spielers hat das überhaupt nichts zu tun. Vielmehr damit, dass ich den Anblick der Lustlosigkeit auf zwei Beinen einfach nicht mehr sehen kann. Statistiken sind mir hierbei völlig gleichgültig. Vielleicht ist es einfach die Chemie, die nicht stimmt. Aber so oder so, am Ende bin ich dann einfach gut damit zufrieden, wenn das Kapitel Özil & Nationalmannschaft zu einem Ende kommt.

Update!

Nachdem nun der 3. Teil von Mesut Özils Statement veröffentlicht wurde, steht fest, dass dieses Thema in der nächsten Zeit garantiert nicht ruhen wird.
Obwohl die Presse seine Aussagen als “Rücktritt aus der Nationalmannschaft” betiteln, hat Özil eigentlich nur gesagt, er werde nicht mehr für Deutschland spielen, solange er dort Rassismus und Respektlosigkeit spüren würde.
Besonders scharf wurde dabei DFB-Präsident Grindel angegriffen, den Özil als Rassist betitelt.

Wir können also in den nächsten Tagen abwarten, ob da noch ein weiterer Rücktritt folgen wird.