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Hoeneß bei Wontorra: Wieder Sprüche und Widersprüche

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Jörg Wontorra feierte heute auf Sky Sport News HD (Bild) sein Comeback als Fussball-Talker. Als exklusiven und einzigen Gast, vom live zugeschalteten Clemens Tönnies mal abgesehen, war der FC Bayern Präsident Uli Hoeneß. Und der zeigte sich auch ordentlich in Plauderlaune. Sport-Redakteure des ganzen Landes hatten wohl während der Sendung immer wieder ihre Entwürfe löschen müssen, weil Hoeneß dann noch einen Spruch raushaute, der eine größere Schlagzeile garantierte.

  • Über den BVB-Chefscout Sven Mislintat erzählte Hoeneß beispielsweise, der FC Bayern habe nur mal unverbindlich angefragt, weil der sich zuvor auf den jetzigen Reschke-Posten als Sportdirektor beim VfB Stuttgart beworben hatte.
    Als Mislintat dies aber dem BVB mitteilte und der klar „Nein“ sagte, habe man den Gedanken wieder fallen gelassen.
  • Für Neymar hätte Uli Hoeneß keine 222 Millionen Euro bezahlt. Noch nicht einmal deutlich weniger: „….denn für so gut halte ich den Neymar gar nicht.“.
    Alles klar, das dürfte den Schwerverdiener Neymar nicht unbedingt treffen, aber trotzdem schön, dass mal jemand nicht in diese dauernden Lobgesänge einstimmt.
  • Grundsätzlich sollten Medien und Fans die Spieler „nicht wie Götter behandeln, wenn sie sich nicht wie Götter benehmen.“, erklärte Hoeneß. Gemeint war damit das Beispiel Dembele, der durch sein Verhalten einen Wechsel zum FC Barcelona erzwingen will.
  • Costa, erklärte Hoeneß, wäre auch so ein Fall gewesen. Der wollte, laut des Bayern-Präsidenten, bereits nach kurzer Zeit mehr Geld haben, obwohl er gar keine entsprechende Leistung zeigte. Der Verein sei wirklich froh, dass er nun weg sei.

Uli Hoeneß sprach mir aus der Seele, als er erklärte, man sei hier „..nicht im FIFA Manager Spiel…“, wo man einfach mal Spieler hin- und herschieben könnte. Wenn beispielsweise ein Arjen Robben sauer ist, weil er schon in der 70. Minute vom Platz muss, könnte man den nicht einfach ständig auf der Bank sitzen lassen, um einen Nachfolger Einsatzzeiten zu geben. „Das der dann ständig mit mieser Laune heimfährt, kommt in keinem Manager-Spiel vor….“. Die Stimmung innerhalb der Mannschaft sei manchmal halt einfach wichtiger.

Etwas widersprüchlich hingegen war seine Aussage über das Alter. Anfangs hieß es noch, es würde nur gut oder schlecht, nicht aber jung oder alt geben. Später erklärte Hoeneß dann aber, Reschke sei ja nun auch schon 59 Jahre alt und müsse sehen, wo er bleibt. Er zeigte Verständnis dafür, dass er lieber Sportvorstand in Stuttgart werden würde, anstatt unter einem deutlich jüngeren Sportdirektor „Brazzo“ beim FC Bayern arbeiten zu wollen. Also ist das Alter nun doch nicht nur eine unbedeutende Zahl, oder?

Alles in allem war es eine recht gelungene Premiere des neuen SKY-Formates, welches wohl dem Sport1-Doppelpass ordentlich Konkurrenz machen wird. Einzig der Hashtag #SkyOneT ergibt irgendwie keinen Sinn: die Sendung läuft doch gar nicht auf SKY 1, sondern auf Sky Sport News HD? #SkyTalk hätte sich da vielleicht eher angeboten….
Das alles ließ Uli Hoeneß aber völlig kalt. Der postet seine Sprüche nämlich (immer noch) nicht: bald, so sagt er, würde er sich aber mal eine Email-Adresse einrichten lassen. Ganz schön hipp ist er, der Uli. Mal abwarten, ob er irgendwann doch noch auf Twitter landet, wovon er Donald Trump zum Abschluß in der neuen Kategorie „Was wäre, wenn…“ noch dringend abriet.

Bild: Screenshots Sky Sport News HD

Meinungsfreiheit unerwünscht? ARD löst Vertrag mit Mehmet Scholl auf

opdenhövel scholl ard

Die Geschichte von Mehmet Scholl und der ARD hat eine kuriose Entwicklung genommen: der Vertrag wurde mit sofortiger Wirkung aufgelöst.
Online fühlen sich diejenigen in ihrer Meinung bestärkt, die meinen, das öffentlich rechtliche Fernsehen wäre sowieso nur ein „Staatsfernsehen“ und würde keine andere Meinungen zulassen.

Fassen wir mal zusammen:
Scholl will während des Confed Cups nicht über die Dopingvorwürfe gegen die russische Nationalmannschaft sprechen. Nach einem Streit mit der Redaktion über seine Rolle und die Möglichkeiten verlässt er den Ort des Geschehens. Für zwei Übertragungen springt Thomas Hitzlsberger ein.
Wochen später äußert sich nun die ARD. Man habe die Differenzen geklärt, die Redaktion ist für die Themen verantwortlich und Scholl, als Experte, muss vor laufender Kamera seine Meinungen dazu äußern.
Schien ja alles geklärt? Oder auch nicht. Denn nachdem die Einigung einmal durch die gesamte Presse ging, folgte direkt die nächste Mitteilung: der Vertrag wurde mit sofortiger Wirkung aufgelöst: Scholl ist raus aus der Geschichte.

In der vorherigen Mitteilung stand sinngemäß, Scholl habe bei der Themenauswahl nichts zu sagen und seine Aufgabe bestand darin, vor der Kamera seine Meinung zu den ausgewählten Themen von sich zu geben.
Wahrscheinlich hat es gar nichts „keine Meinungsfreiheit im öffentlich rechtlichen Fernsehen“ zu tun. Es dürfte Scholl eher missfallen, dass die Jobbeschreibung so ungefähr klingt wie: Du stellst Dich vor die Kamera, plauderst ein wenig und ansonsten hast Du nichts zu sagen.

Sollte Scholl die einzige Person im Team gewesen sein, die das Thema Doping an diesem Tag unpassend fand, ist das ein völlig normaler Prozess. Sollte man ihn aber grundsätzlich nicht anhören wollen, weil er ja „nur“ der Fussball-Experte vor der Kamera sein soll, dann ist das keine echte Teamarbeit. Und dann ist es auch nur zu verständlich, wenn Scholl sagt, ihr könnt mir den Buckel runterrutschen.

Was genau die Beweggründe waren, wird man vielleicht in einem der Bücher lesen können, die Ex-Spieler hin und wieder veröffentlichen. Oder auch nicht, denn so eine Vertragsauflösung kann auch gern mal mit einer Schweigepflicht verbunden sein.
Aber wenn die öffentlich-rechtlichen Sender so weitermachen, spielt das alles bald sowieso keine Rolle mehr, weil die öffentlich-rechtlichen Sender den Fussball an die privaten Sender verlieren.

Bild: ARD

Was hat Scholl gegen Doping-Berichte?

mehmet scholl

Plötzlich war Mehmet Scholl nicht mehr als „TV-Experte“ beim Confederations Cup zu sehen. Thomas Hitzlsperger sprang für seinen ehemaligen Kollegen ein.
Und die BILD informierte ihre Leser mittlerweile auch über die Gründe der personellen Rotation in der ARD: Scholl soll nicht damit einverstanden gewesen sein, dass der Sender einen ausführlichen Bericht über Doping im Fussball eingeplant habe. Nach einem Streit soll er die Brocken hingeworfen haben und gegangen sein.

Interessant hierbei ist vor allem eine Frage:

Was hat Scholl gegen Doping-Berichte?

Die ARD wollte vor dem Spiel zwischen Chile und Portugal über die Doping-Vorwürfe gegen die russische Nationalmannschaft berichten. Scholl soll das Thema „langweilig“ gefunden haben und hätte angeblich lieber über die Erfolge der deutschen U21 und Jogis Casting-Clique gesprochen.
Aber das kann doch noch nicht der wahre Grund sein?
Zur Spielpaarung passte weder ein Lobgesang auf den deutschen Fussball, noch war es zwingend notwendig, über die Doping-Vorwürfe zu sprechen. Das es aber zum Thema gemacht werden sollte, war nicht ungewöhnlich, denn immerhin war es aktuell und sollte schon allein deswegen angesprochen werden, weil es sich um den Gastgeber des ConfedCups, sowie der WM im Jahr 2018 handelte.
Es macht überhaupt keinen Sinn und ist somit auch nicht nachvollziehbar, warum Scholl dieses Thema so rigoros ablehnte, dass er damit auch seinen Job aufs Spiel setzen würde. „Langweilige“ Phasen haben wir doch im Berufsleben alle schon einmal erlebt. Aber es ist eher unwahrscheinlich, dass wir wegen ein paar Minuten direkt den ganzen Job aufs Spiel setzen würden.

Irgendwann wird es sicherlich noch einmal Stellungnahmen oder Informationen darüber geben, was da wirklich an jeden Abend im ARD-Studio stattgefunden hat. „Langeweile“ allein kann es doch nicht gewesen sein…

Screenshot: ARD