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Clever: Der Kniefall von Berlin

91-header_transAm vergangenen Samstag ging Hertha BSC im Bundesliga-Spiel gegen Schalke04 gleich zwei mal in die Knie.
Aus PR-Gründen vor dem Spiel. Und mit der 0:2 Niederlage auch nach dem Spiel.

Die Kniefall-Aktion der Berliner ist eines der Themen des Spieltages. Genau so hatte man es sich in der Marketingabteilung wahrscheinlich gewünscht. Nur die Richtung, in der die Diskussion geht, mit der hätten sie wahrscheinlich nicht gerechnet.

Überwiegend wurde das Vorhaben nämlich durchschaut, dass die Idee, die nicht von den Spielern stammte, eine reine PR-Aktion war.

Mit der Kritik sollte man aber vorsichtig sein. Vor wie vielen Spielen haben wir Spielführer von Mannschaften gesehen, die irgendein Anti-Rassismus Text der UEFA aufsagen mussten. Wie viele Spieler sind auf ihre Vereinsbosse zugegangen und haben aus eigenen Antrieb darum gebeten, dass der Verein mal mit einem Anti-Rassismus Trikot auflaufen könnte?

Am Ende des Tages sind die sozialen Engagements der Vereine und Verbände doch fast ausschließlich als Unternehmensziele mindestens in enger Zusammenarbeit, wenn nicht sogar im Alleingang, einer PR-Abteilung entstanden.

Das die Berliner es nun im Alleingang nutzten und von ihrer Idee nicht versuchten die ganze DFL zu überzeugen, gilt unternehmenstechnisch wohl als cleverer Schachzug. Das sie dafür in Deutschland heftige Kritik einstecken müssen, damit rechneten sie vielleicht nicht, aber es kann ihnen egal sein. Am nächsten Spieltag ist es dann wieder ein anderes Thema.
Aber die weltweiten Berichte über die Aktion, die bleiben. Und wenn nur 50% der Menschen im Ausland etwas positiven abgewinnen können, sind das immer noch 50% mehr internationale Wahrnehmung, als die Hertha ohne diese Aktion generieren konnte.

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Meinungsfreiheit. Jetzt auch für Toni Kroos erhältlich.

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Am Sonntagabend schauten Millionen von Menschen in Deutschland das TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem Herausforderer bei der Bundestageswahl 2017, Martin Schulz.
Einer dieser Zuschauer war der Nationalspieler Toni Kroos. Auf Twitter schrieb er während der Übertragung:

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Die Reaktionen waren, wie immer in der Online-Welt, sehr gemischt. Kroos reagierte aber ziemlich lässig auf ein „Ich kotze gleich…“-Kommentar. „Mach doch…“, antwortete der Weltmeister.

Seltsame Reaktionen

Viele Kommentatoren scheinen mit dem Begriff „Meinungsfreiheit“ gar nichts anfangen zu können. Und natürlich gilt die Meinungsfreiheit auch für Fussballer. Wir wünschen uns doch ständig mündige Menschen in diesem Sport, die nicht nur „Ja“ und „Amen“ sagen?

Andere User konnten mit der Unterstützung von Merkel gerade noch leben, aber wäre es die AfD gewesen, dann solle sich auch ein Sportler zurückhalten.
Seltsames Verständnis von Meinungsfreiheit. Manche Menschen sind halt faschistischer, als die, auf die sie deswegen mit dem Finger zeigen.

Wir können natürlich auch weiterhin Fussballer dabei zuschauen, wie sie auf Instagram Bilder vom Pool oder Strand zeigen. Wie sie stolz auf neue Frisuren, Tattoos oder die neuste vegane Gesichtscreme sind.
Oder wir freuen uns einfach mal darüber, dass mit Toni Kroos jemand über den Tellerrand des Fussballs schaut und sich sogar öffentlich zur Politik äußert.

Gut, der Tweet war kein inhaltliches Meisterwerk, aber dafür auch immerhin nicht von einer Agentur drei Wochen vorher vorbereitet. Vermute ich zumindest.

Hoeneß bei Wontorra: Wieder Sprüche und Widersprüche

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Jörg Wontorra feierte heute auf Sky Sport News HD (Bild) sein Comeback als Fussball-Talker. Als exklusiven und einzigen Gast, vom live zugeschalteten Clemens Tönnies mal abgesehen, war der FC Bayern Präsident Uli Hoeneß. Und der zeigte sich auch ordentlich in Plauderlaune. Sport-Redakteure des ganzen Landes hatten wohl während der Sendung immer wieder ihre Entwürfe löschen müssen, weil Hoeneß dann noch einen Spruch raushaute, der eine größere Schlagzeile garantierte.

  • Über den BVB-Chefscout Sven Mislintat erzählte Hoeneß beispielsweise, der FC Bayern habe nur mal unverbindlich angefragt, weil der sich zuvor auf den jetzigen Reschke-Posten als Sportdirektor beim VfB Stuttgart beworben hatte.
    Als Mislintat dies aber dem BVB mitteilte und der klar „Nein“ sagte, habe man den Gedanken wieder fallen gelassen.
  • Für Neymar hätte Uli Hoeneß keine 222 Millionen Euro bezahlt. Noch nicht einmal deutlich weniger: „….denn für so gut halte ich den Neymar gar nicht.“.
    Alles klar, das dürfte den Schwerverdiener Neymar nicht unbedingt treffen, aber trotzdem schön, dass mal jemand nicht in diese dauernden Lobgesänge einstimmt.
  • Grundsätzlich sollten Medien und Fans die Spieler „nicht wie Götter behandeln, wenn sie sich nicht wie Götter benehmen.“, erklärte Hoeneß. Gemeint war damit das Beispiel Dembele, der durch sein Verhalten einen Wechsel zum FC Barcelona erzwingen will.
  • Costa, erklärte Hoeneß, wäre auch so ein Fall gewesen. Der wollte, laut des Bayern-Präsidenten, bereits nach kurzer Zeit mehr Geld haben, obwohl er gar keine entsprechende Leistung zeigte. Der Verein sei wirklich froh, dass er nun weg sei.

Uli Hoeneß sprach mir aus der Seele, als er erklärte, man sei hier „..nicht im FIFA Manager Spiel…“, wo man einfach mal Spieler hin- und herschieben könnte. Wenn beispielsweise ein Arjen Robben sauer ist, weil er schon in der 70. Minute vom Platz muss, könnte man den nicht einfach ständig auf der Bank sitzen lassen, um einen Nachfolger Einsatzzeiten zu geben. „Das der dann ständig mit mieser Laune heimfährt, kommt in keinem Manager-Spiel vor….“. Die Stimmung innerhalb der Mannschaft sei manchmal halt einfach wichtiger.

Etwas widersprüchlich hingegen war seine Aussage über das Alter. Anfangs hieß es noch, es würde nur gut oder schlecht, nicht aber jung oder alt geben. Später erklärte Hoeneß dann aber, Reschke sei ja nun auch schon 59 Jahre alt und müsse sehen, wo er bleibt. Er zeigte Verständnis dafür, dass er lieber Sportvorstand in Stuttgart werden würde, anstatt unter einem deutlich jüngeren Sportdirektor „Brazzo“ beim FC Bayern arbeiten zu wollen. Also ist das Alter nun doch nicht nur eine unbedeutende Zahl, oder?

Alles in allem war es eine recht gelungene Premiere des neuen SKY-Formates, welches wohl dem Sport1-Doppelpass ordentlich Konkurrenz machen wird. Einzig der Hashtag #SkyOneT ergibt irgendwie keinen Sinn: die Sendung läuft doch gar nicht auf SKY 1, sondern auf Sky Sport News HD? #SkyTalk hätte sich da vielleicht eher angeboten….
Das alles ließ Uli Hoeneß aber völlig kalt. Der postet seine Sprüche nämlich (immer noch) nicht: bald, so sagt er, würde er sich aber mal eine Email-Adresse einrichten lassen. Ganz schön hipp ist er, der Uli. Mal abwarten, ob er irgendwann doch noch auf Twitter landet, wovon er Donald Trump zum Abschluß in der neuen Kategorie „Was wäre, wenn…“ noch dringend abriet.

Bild: Screenshots Sky Sport News HD