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Andersson… Und was ist mit Sagnol?

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Bevor es für den FC Bayern München am Samstagabend um 18.30 Uhr ein zweites mal in dieser Woche gegen RB Leipzig geht, gibt es auch noch andere Themen rund um den Verein.

Verpflichtung für die Zukunft oder Verrat des eigenen Konzeptes?

Der Sportdirektor Hasan Salihamidzic durfte zum ersten mal in einer Pressemitteilung ein exklusives Statement zu einem Transfer abgeben. Alex Timossi Andersson wurde verpflichtet. Wer?
Keine Ahnung. Aber das zeigt ja auch schon die Tatsache, dass “Brazzo” öffentlich als Vater des Transfers dargestellt wird. Der Junge ist 16 Jahre jung, soll wohl ein sehr großes Talent sein und kommt dann 2019 zum FC Bayern München. Bis dahin soll er in seiner Heimat weiter reifen.
Grundsätzlich natürlich alles in Ordnung. Bis auf die Tatsache, dass sich der FC Bayern München ein Multi-Millionen-Euro Nachwuchsleistungszentrum gegönnt hat, um dann einen Jugendlichen aus dem Ausland zu verpflichten.
Wenn Andersson, mit dem Namen verbindet man als Bayern-Fan ja tolle Erinnerungen (#MeisterderHerzen) wirklich einmal eine Granate wird, wunderbar. Es passt aber trotzdem nicht zu der ursprünglichen Absicht, selbst Granaten im NLZ zu entwickeln.

Und was ist eigentlich mit Willy Sagnol?

Vor etwa drei Wochen erklärte Karl-Heinz Rummenigge, man würde sich mit Willy Sagnol zusammensetzen und zeitnah eine Lösung finden.
Vielleicht hat man sich ausgetauscht und eine Lösung gefunden. Es wäre aber wohl zu erwarten gewesen, dass diese Lösung auch irgendwie öffentlich gemacht wird – oder nicht?
Vielleicht ist es in den Kommentaren über Heynckes Schäferhund ja untergegangen, aber weiß irgendwer, was mit Willy Sagnol nun ist? Oder definiere ich “zeitnah” nur einfach völlig anders, als der FC Bayern München?

Der Franzose wurde letztendlich nur deswegen verpflichtet, weil man im Familienbetrieb von Carlo Ancelotti Augen und Ohren installieren wollte. Für Heynckes braucht man keinen betriebsinternen Spion, also ist die Personalie schlichtweg überflüssig.
Vielleicht äußert man sich derzeit nicht dazu, weil die Entscheidung ihn erst als “Vereinslegende” zu verpflichten und ihn dann zu feuern nicht besonders populär ist. Oder man will sich die Türen offen halten, dem kommenden Trainer das gleiche Ei noch einmal ins Nest zu legen. Egal ob es nun Tuchel oder irgendein anderer Trainer wird: er sollte auf jeden Fall aufpassen, wenn man plötzlich ein Freund des Hauses als Co-Trainer, Wasserflaschenauffüller oder Schnürsenkelknoter aufs Auge drückt.

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Clever: Der Kniefall von Berlin

91-header_transAm vergangenen Samstag ging Hertha BSC im Bundesliga-Spiel gegen Schalke04 gleich zwei mal in die Knie.
Aus PR-Gründen vor dem Spiel. Und mit der 0:2 Niederlage auch nach dem Spiel.

Die Kniefall-Aktion der Berliner ist eines der Themen des Spieltages. Genau so hatte man es sich in der Marketingabteilung wahrscheinlich gewünscht. Nur die Richtung, in der die Diskussion geht, mit der hätten sie wahrscheinlich nicht gerechnet.

Überwiegend wurde das Vorhaben nämlich durchschaut, dass die Idee, die nicht von den Spielern stammte, eine reine PR-Aktion war.

Mit der Kritik sollte man aber vorsichtig sein. Vor wie vielen Spielen haben wir Spielführer von Mannschaften gesehen, die irgendein Anti-Rassismus Text der UEFA aufsagen mussten. Wie viele Spieler sind auf ihre Vereinsbosse zugegangen und haben aus eigenen Antrieb darum gebeten, dass der Verein mal mit einem Anti-Rassismus Trikot auflaufen könnte?

Am Ende des Tages sind die sozialen Engagements der Vereine und Verbände doch fast ausschließlich als Unternehmensziele mindestens in enger Zusammenarbeit, wenn nicht sogar im Alleingang, einer PR-Abteilung entstanden.

Das die Berliner es nun im Alleingang nutzten und von ihrer Idee nicht versuchten die ganze DFL zu überzeugen, gilt unternehmenstechnisch wohl als cleverer Schachzug. Das sie dafür in Deutschland heftige Kritik einstecken müssen, damit rechneten sie vielleicht nicht, aber es kann ihnen egal sein. Am nächsten Spieltag ist es dann wieder ein anderes Thema.
Aber die weltweiten Berichte über die Aktion, die bleiben. Und wenn nur 50% der Menschen im Ausland etwas positiven abgewinnen können, sind das immer noch 50% mehr internationale Wahrnehmung, als die Hertha ohne diese Aktion generieren konnte.

Meinungsfreiheit. Jetzt auch für Toni Kroos erhältlich.

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Am Sonntagabend schauten Millionen von Menschen in Deutschland das TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem Herausforderer bei der Bundestageswahl 2017, Martin Schulz.
Einer dieser Zuschauer war der Nationalspieler Toni Kroos. Auf Twitter schrieb er während der Übertragung:

tk

Die Reaktionen waren, wie immer in der Online-Welt, sehr gemischt. Kroos reagierte aber ziemlich lässig auf ein „Ich kotze gleich…“-Kommentar. „Mach doch…“, antwortete der Weltmeister.

Seltsame Reaktionen

Viele Kommentatoren scheinen mit dem Begriff „Meinungsfreiheit“ gar nichts anfangen zu können. Und natürlich gilt die Meinungsfreiheit auch für Fussballer. Wir wünschen uns doch ständig mündige Menschen in diesem Sport, die nicht nur „Ja“ und „Amen“ sagen?

Andere User konnten mit der Unterstützung von Merkel gerade noch leben, aber wäre es die AfD gewesen, dann solle sich auch ein Sportler zurückhalten.
Seltsames Verständnis von Meinungsfreiheit. Manche Menschen sind halt faschistischer, als die, auf die sie deswegen mit dem Finger zeigen.

Wir können natürlich auch weiterhin Fussballer dabei zuschauen, wie sie auf Instagram Bilder vom Pool oder Strand zeigen. Wie sie stolz auf neue Frisuren, Tattoos oder die neuste vegane Gesichtscreme sind.
Oder wir freuen uns einfach mal darüber, dass mit Toni Kroos jemand über den Tellerrand des Fussballs schaut und sich sogar öffentlich zur Politik äußert.

Gut, der Tweet war kein inhaltliches Meisterwerk, aber dafür auch immerhin nicht von einer Agentur drei Wochen vorher vorbereitet. Vermute ich zumindest.