Was Özil nicht sagte, die Auswirkungen und ein Stoßgebet | #Özil

91 minute kolumne fussballDer vorläufige Rücktritt von Mesut Özil kam nicht nur mit einer großen Inszenierung, sondern auch mit einem großen Knall zum Schluss.
Özil zeigte mit seinem Finger auf Sponsoren, Medien, Fans, dem Verband und dem DFB-Präsidenten, den er offensichtlich mit seiner Aktion mitreißen und stürzen will.
Der schwerwiegende Vorwurf, Grindel habe sich rassistisch verhalten, wird von einem großen Teil der Gesellschaft ungeprüft übernommen: Özil ist das Opfer, Grindel ein Rassist und ganz Deutschland besteht aus Nazis. Das ist die bekannte Hysterie in unserer Zeit.

Nicht weniger interessant sind aber die Dinge, die Mesut Özil in seinem sehr langen Statement nicht angesprochen hat.


  • Er verliert kein Wort über die fragwürdigen Methoden von Präsident Erdogan.
  • Er kritisiert mit keiner Silbe seine eigene, sportliche Leistung bei der Weltmeisterschaft.
  • Er hinterfragt auch sein eigenes Verhalten in der Krise nicht. Er verliert kein Wort darüber, dass dieses Thema auch für die Nationalmannschaft eine Belastung gewesen sein könnte.
  • Es gibt keinen Dank an die Mitspieler, die ihn versuchten in der Öffentlichkeit zu schützen.
  • Es gibt auch keinen Dank an Jogi Löw, der trotz massiver Kritik immer zu ihm stand.
  • Zu guter Letzt gab es auch keinen Gruß an die Fans, die ihn gegen rassistische Anfeindungen, die es von Rechtsaußen ja durchaus gab, in Schutz nahmen.

Mesut Özil wurde unter anderem durch den DFB zum international gefragten Spieler und mehrfacher Millionär. Es wäre sein gutes Recht gewesen, Fehlverhalten zu kritisieren. Aber dieses Statement ist ein Rachefeldzug gegen einen ganzen Verband und dem Land, in dem Özil aufgewachsen ist. Dieser Rassismus-Vorwurf ist so schwerwiegend, dass auch das Bewerberduell zwischen der Türkei und Deutschland um die Europameisterschaft dadurch entschieden werden könnte. Das wiederum würde dem Präsidenten Erdogan gut gefallen, der sich – ähnlich wie andere Staatsoberhäupter – sicherlich auch gern mit einer großen, internationalen Sportveranstaltung rühmen würde.

Beim DFB sollten sie sich reihenweise selbst in den ***** beissen. Wären sie im richtigen Moment einfach mal konsequent gewesen, hätten sie sich diesen ganzen Schlamassel ersparen können.

Klar ist auch, dass der Neuaufbau der Nationalmannschaft durch diese ganze Situation sich weiter verzögern wird. In den nächsten Wochen wird der Fokus nämlich erneut nicht auf den eigentlichen Problemen liegen.
Vielmehr wird die Presse versuchen Stellungnahmen der anderen Nationalspieler zu bekommen, es wird um den Verbleib oder potentiellen Nachfolger von Grindel gehen und selbstverständlich wird jedem Fußball-Fan, der wieder Lust auf die Nationalmannschaft bekommen könnte, vorgeworfen, er wäre ein Nazi.
Und das geht so lange, bis der erste Politiker um die Ecke kommt und vorschlägt, man könnte die Nationalmannschaft doch einfach auflösen und stattdessen lieber Bäume im Wald umarmen.

Fußballgott im Himmel, lass endlich die Bundesliga wieder die Schlagzeilen beherrschen!

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«Eine Inszenierung in 3 Akten…» | #Özil

91 minute kolumne fussballMit einer noch nie dagewesenen Inszenierung hat Mesut Özil heute über die sozialen Netzwerke ein Statement veröffentlicht. Obwohl der DFB dieses ja bekanntlich forderte, haben sie wahrscheinlich nicht mit einem solchen Rundumschlag gerechnet.
Während der eigentlichen Krise waren die Berater ihr Geld nicht wert. Offenbar haben sie es sich nun mit der Ausarbeitung eines Statements in 3 Akten wieder härter erarbeiten wollen.

Die «linke Hälfte» der Reaktionen kann man mit „…scheiß Nazis!!“ zusammenfassen. Die «rechte Hälfte» der Reaktionen mit „….scheiß Türke!!“. Nimmt man die überflüssigen Randgestalten beider Seiten einfach mal weg, kann man sich auch wieder vernünftig mit dem Thema auseinandersetzen. Allerdings ohne die Medien, die den englischsprachigen Text einfach mal mit «…er würde es wieder tun…» zusammengefasst haben.

Das Statement ist vor allem eins: viel zu spät.
Die zusätzliche – nicht alleinige (!) – Belastung für die Nationalmannschaft im Rahmen der WM-Vorbereitung ist ein Schaden, den man jetzt nicht mehr gutmachen kann. Alles was jetzt noch kommen konnte, war eine Stellungnahme, die von vorn bis hinten durchkalkuliert und berechnet wurde.

Nachdem es im zweiten Teil des Statements auch darum ging, dass der Sponsor Mercedes sich von ihm distanzierte und er das Unternehmen für seine Rolle im sogenannten «Diesel-Skandal» angriff, wurde es spannend. Mit dieser Kritik schoss Mesut Özil nicht nur gegen einen langjährigen Partner des deutschen Fussballbundes, sondern auch gegen den Verband selbst. Der hätte nämlich auch von Mercedes eine Stellungnahme für dessen Rolle im «Diesel-Skandal» verlangen sollen.

Jetzt, wo der 3. Akt der Özil-Spiele in den sozialen Netzwerken noch aussteht, wird es spannend. Fans, Mitspieler, Trainerteam – wer noch ins Visier kommen wird, ist unklar. Aber auch das Fazit der ganzen Aktion steht noch nicht fest.
Zwei mögliche Szenarien:
1. Mesut Özil tritt als Nationalspieler zurück. Dann stehen noch die offiziellen Stellungnahmen seitens des DFB aus. Die werden aber wahrscheinlich so diplomatisch weichgespült daher kommen, dass die Spannung sich in Grenzen hält.
2. Mesut Özil lässt seinen Verbleib in der Nationalmannschaft offen. Dann liegt der Ball vor den Füßen des Verbandes, vor Bierhoff und Löw. Wie wird die Reaktion dann ausfallen?

Eigentlich kann man sich nicht vorstellen, dass Mesut Özil noch einmal ein Spiel für Deutschland bestreiten wird. Und darüber bin ich auch ganz froh. Mit der Nationalität des Spielers hat das überhaupt nichts zu tun. Vielmehr damit, dass ich den Anblick der Lustlosigkeit auf zwei Beinen einfach nicht mehr sehen kann. Statistiken sind mir hierbei völlig gleichgültig. Vielleicht ist es einfach die Chemie, die nicht stimmt. Aber so oder so, am Ende bin ich dann einfach gut damit zufrieden, wenn das Kapitel Özil & Nationalmannschaft zu einem Ende kommt.

Update!

Nachdem nun der 3. Teil von Mesut Özils Statement veröffentlicht wurde, steht fest, dass dieses Thema in der nächsten Zeit garantiert nicht ruhen wird.
Obwohl die Presse seine Aussagen als “Rücktritt aus der Nationalmannschaft” betiteln, hat Özil eigentlich nur gesagt, er werde nicht mehr für Deutschland spielen, solange er dort Rassismus und Respektlosigkeit spüren würde.
Besonders scharf wurde dabei DFB-Präsident Grindel angegriffen, den Özil als Rassist betitelt.

Wir können also in den nächsten Tagen abwarten, ob da noch ein weiterer Rücktritt folgen wird.

Verkehrte Welt: Lewandowski fordert…? | #FCBayern #MiaSanMia

Laut verschiedener Medienberichten forderte Robert Lewandowski ein Treffen mit den Bayern-Bossen. Dabei wollte der Pole angeblich wissen, ob der Verein wirklich noch hinter ihm stehe und ihn unterstützten würde.

Was ist das denn für eine verkehrte Welt?

Blicken wir doch mal kurz zurück. Robert Lewandowski sah sich selbst auf einer Stufe mit Ronaldo und ging auch offenbar davon aus, dass er nach dieser Saison im Trikot der Königlichen aufläuft, oder zumindest von einem anderen Top-Verein ein königliches Gehalt beziehen wird.
Verwirklichen sollte das ein Top-Berater, der extra für einige Monate verpflichtet wurde und auch gleich öffentlich mitteilte, Lewandowski wolle wechseln und er würde – ganz diplomatisch – auch für einen Ersatz sorgen.

Es folgte die kritikwürdige Leistung im Champions League Halbfinale gegen Real Madrid. Fans überschritten in der Wut sicherlich auch die Grenze der möglichen Kritik, aber der Stürmer wirkte auch tatsächlich lustlos und verärgerte damit die Anhänger.
Mit der Nationalmannschaft schied Lewandowski bei der WM 2018 frühzeitig aus und ging mit null Toren ebenfalls unter. Nicht einmal ein kleiner Abstauber, das sogenannte Ehrentor, war möglich. Nicht allein die Schuld von Lewandowski. Aber mit dem Selbstverständnis der Beste zu sein, sollte vielleicht wenigstens mal eine Einzelleistung mit einem erfolgreichen Abschluss möglich sein.

Vertraglich gesehen hat der FC Bayern München die Fäden in der Hand. Der Verein hätte es gar nicht nötig, sich auf irgendein Spielchen einzulassen. Sie könnten den Wechselgedanken des Spielers wegwischen, ihn bei entsprechenden Fehlverhalten sanktionieren und die Fussballwelt würde mit großen Augen staunen, dass die Bayern nicht mit sich spaßen lassen.

Und genau dieser Spieler soll nun in der Position sein, irgendwelche Forderungen zu stellen? Wäre sein Plan aufgegangen, hätte er versucht sich in diesem Sommer von den Bayern «weg zu motzen». Wahrscheinlich ist es am ehesten der Verein, der nun bei klaren Verhältnissen die Forderung nach Leistung und Loyalität stellen darf.

Ohne Frage ist Lewandowski ein Top-Spieler und kann wieder eine wichtige Rolle für den FC Bayern spielen. Seine Leistung soll das gar nicht schmälern. Aber man muss auch mal die Kirche im Dorf lassen.