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#WinterWM 2022: Ein 1.Welt Problem mit vier Sternen

winter wm

Was bisher als sehr wahrscheinlich galt, wurde heute offiziell. Die Fussball Weltmeisterschaft 2022 in Katar wird nicht, wie gewohnt, im Sommer, sondern im November und Dezember stattfinden.
Im Prinzip ist die “Winter-WM” also eher eine “Herbst-WM”, aber das sind Wortspielereien.

Zu dieser FIFA-Verkündung gibt es zahlreiche Stimmen. Radio und Fernsehen befragen Menschen auf der Straße und im Internet gibt bekanntlich sowieso jeder seinen Senf zu allem ab. Und das allein ist nicht wertend gemeint. Wie könnte ich, als Blogger, denn auch.
Auffällig bei den vielen Meinungsäußerungen ist eine wiederkehrende Aussage:

“Für (Fussball-) Fans ist das nicht zumutbar!”

Natürlich gibt es grundsätzliche Kritik an die Austragung einer Fussball-WM in Katar. Ob nun Bestechungsgelder geflossen sind oder nicht, Sklaven, Menschenrechte und all diese schrecklichen Dinge außen vor. Gehen wir einfach mal davon aus, dass sich Katar, oder ein Land mit ähnlichen klimatischen Bedingungen, auf fairen Wege beworben und den Zuschlag bekommen hat, weil sie einfach den besten Plan hatten.
Dann ist das WM-Turnier für die europäischen, oder genauer gesagt den deutschen Fans nicht zumutbar? Warum nicht!?

Neben den klassischen Fussball-Fans kommen zu einer Weltmeisterschaft noch die sogenannten “Event-Fans” hinzu. Keine Ahnung vom Sport und nur dabei, weil es wie eine (inter)nationale “Motto-Party” ist. Grundsätzlich kein Verbrechen, denn auf diesem Wege kann der Sport auch noch den einen oder anderen Fan gewinnen, der zuvor nichts damit am Hut hatte.

Wenn diese “Event-Fans” von unzumutbaren Verhältnissen sprechen, weil sie jetzt nicht wissen, wo sie feiern gehen und was sie anziehen sollen, ist das schon schlimm genug. Aber sollten die echten Fussball-Fans nun auch noch so ignorant sein, dass es ihnen egal ist, ob ihre Jungs bei 50 Grad Höchstleistungen bringen sollen, dann falle ich endgültig vom Glauben ab.
Da sollen Profisportler gesundheitliche Risiken eingehen und sich bei dermaßen hohen Temperaturen rennen, bis sie auf dem Spielfeld tot umkippen, nur weil wir Zuschauer nicht auf Public Viewing, Biergärten und die perfekte Sommerunterhaltung verzichten wollen? Und wenn das nicht so stattfindet, dann empfinden wir diese Situation als unzumutbar?

Wenn das kein “1. Welt-Problem mit vier Sternen” ist, dann weiß ich auch nicht weiter.
Übrigens schauen wir in anderen Jahren im November und Dezember auch Fussball. Da läuft nämlich sonst die Fussball-Bundesliga. Falls die zahlreichen “Event-Fans” nicht wissen was das ist: so eine Art Casting-Show für die Nationalmannschaften. Ach so, …und die Nationalmannschaften sind die Sportler, die auf dieser Großbild-Leinwand Fussball spielen, während ihr eine Polonaise tanzt, das schwarz-rot-goldene Make-Up nachzieht oder mit der Freundin auf der Toilette abhängt, weil man sich draußen bei der Lautstärke so schlecht über Chantal und Lukas-Malte unterhalten kann.

Kann man Politik aussperren?

politik gehört nicht ins stadion sprechblase

“Politik gehört nicht ins Stadion!”, titelte Rhyan Depesche heute in seinem Blog.
Er beschrieb einen Vorfall, den wir in dieser Form wahrscheinlich auch an jeder x-beliebigen Bushaltestelle in der Innenstadt hätten erleben können.
Ein Zuschauer trug eine Jacke der Marke “Thor Steinar”, die bekanntlich der rechtsradikalen Szene zugeordnet wird. Andere Zuschauer fühlten sich dadurch provoziert und es kam zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen diesen Personen.

Das Thema machte mich neugierig. Gehört Politik wirklich nicht ins Stadion? Hat sie dort grundsätzlich nichts verloren, oder betrifft es nur bestimmte Formen der Politik? Was? Wer? Wieso und weshalb? Man kennt die tausend Fragezeichen, die man vor Augen hat, wenn man sich erst einmal mit einem Thema auseinandersetzt.

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Rummenigge kritisiert Flut an Länderspielen

Karl Heinz Rummenigge

Karl-Heinz Rummenigge hat sich mal wieder im Vorwort des FC Bayern Magazins zu einem Thema geäußert. Bei der letzten Gelegenheit bezeichnete er die Diskussion um die Spanier im Verein als rassistisch.
Und diesmal kritisiert er die UEFA und FIFA, weil die Dachverbände des Fussballs die Spieler zu viele Länderspiele zumuten.
So ein Vorwort in einem Magazin kann man ein klein wenig mit einen Blogartikel vergleichen. Man sucht sich ein möglichst interessantes Thema, nimmt ein paar Fakten, Tatsachen oder Ansichten und schreibt seine eigene Sicht der Dinge dazu.
Eigentlich gibt es genug Themen, über die man schreiben könnte. Aber Karl-Heinz Rummenigge sucht sich ausgerechnet dieses aus. Eine unglückliche Entscheidung, denn seine Argumente sind nicht zwingend ausschlaggebend und im Umkehrschluss sogar ein Eigentor. Aber alles der Reihe nach.

"Die Belastung der Spieler hat ein gesundes Maß längst überschritten und ist am absoluten oberen Limit angelangt. Dafür sind die Dachverbände mit ihrer Flut von Länderspielen verantwortlich.”

Später vergleicht Rummenigge noch die Anzahl der Länderspiele, die Franz Beckenbauer im WM-Jahr 1974 und Thomas Müller im Jahr 2014 spielen musste. Von einer dramatischen 30% Steigerung spricht er und auch davon, dass die Spieler förmlich auf dem Zahnfleisch kriechen.

Wer sich einmal in den Fussball-Datenbanken informiert, wird sehen, dass es sich nicht ganz so dramatisch entwickelt hat. 1974 spielte die Nationalmannschaft 15 Spiele. Und im Jahr 2014 werden es 17 Spiele sein.
Innerhalb von 40 Jahren hat die Belastung also um +2 Spiele zugenommen. Sollten die Nationalspieler nun also über dem Zenit belastet sein, sind die Gründe sehr wahrscheinlich woanders zu suchen.

Auf der Suche nach diesem Grund kommen wir zwangsläufig auf die Promotion-Tour des FC Bayern durch die USA zu sprechen.
Das solche Aktionen wirtschaftlich notwendig geworden sind, steht außer Frage. Nur muss man natürlich zwischen Nutzen und Risiko abwägen. Immerhin wurden extra zu dieser Tour die Weltmeister eingeflogen, Spieler mussten direkt und ohne vorher auch nur ein einzige Trainingseinheit absolviert zu haben, in Freundschaftsspielen antreten und kräftezerrende PR-Termine wahrnehmen.

Wie wichtig die Nationalmannschaften für den Verein sind, erkennt man an einer humorvollen Aussage von Pep Guardiola im Rahmen einer Pressekonferenz in den USA. Er erklärte, Julian Green werde auf jeden Fall spielen, “….for the girls…”.
Diese Girls würden Julian Green gar nicht kennen, hätte er nicht kurz zuvor für die US-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft gespielt.
Und auch die deutschen Weltmeister hätten wohl kaum extra eingeflogen werden müssen, wenn sie nicht die Zugpferde in Sachen Eigenwerbung gewesen wären.

Bevor Karl-Heinz Rummenigge nun also mit dem Finger auf die UEFA und die FIFA zeigt, die wahrlich für genug Unsinn verantwortlich sind, sollte man wissen, dass dieser alte Spruch mit den “3 Finger zeigen dann auf einen selbst” durchaus richtig sein kann.


David gegen Goliath: Bayern trifft auf Bundesliga-Überraschung Paderborn