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Özil im Winter zum FC Bayern?

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Nachdem die englische “The Guardian” in einem beiläufigen Satz erwähnte, der FC Bayern München würde ein Angebot in Höhe von 40 Millionen Euro für Mesut Özil vorbereiten, griffen das Thema auch die deutschen Medien auf.

Eine typische Ente, so mein erster Gedanke. Und vielleicht werden wir heute Abend, im Rahmen des Champions League Spiels des FC Bayern, auch ein offizielles Dementi hören. Aber je länger ich darüber nachgedacht habe, desto realistischer wurde dieser Transfer.

Fakt ist, dass Xherdan Shaqiri den Verein bereits verlassen wollte. Mit seinen Aussagen und seiner seltsamen Meldung auf Twitter hat er sich nicht unbedingt Freunde gemacht. Als er dann zum Anfang der Saison spielte, war seine Leistung nun nicht unbedingt so zwingend, dass man sagen könnte, der Junge will dieses Jahr unbedingt den Durchbruch schaffen.

Mesut Özil hingegen mag ein wichtiger Spieler in den Planungen von Arsenal London sein, die Fans scheinen das aber anders zu sehen. Wer Özil in der Nationalmannschaft erlebt hat, der kann nachvollziehen, dass diese dauernde Kritik und der Spott ziemlich an ihn nagen werden. Nun, ob der FC Bayern dann die richtige Adresse ist, wage ich zu bezweifeln, aber das würde dann wohl die Zeit zeigen.

Mein Gedankengang ist klar. Mesut Özil soll etwa 40 Millionen Euro kosten. Weltmeister hin oder her, das ist eine stolze Summe. Immerhin ist er auch in der Nationalmannschaft nicht unumstritten und viele fragten sich, wie Löw so stur an ihn festhalten konnte.
Der Marktwert von Shaqiri wird mit 20 Millionen Euro beziffert. Wenn man dazu die obligatorischen “5 Millionen mehr, weil die Engländer so viel Geld haben” aufschlägt, haben wir mit 15 Millionen Euro schon eine realistischere Summe für den FC Bayern.

Jetzt stellt sich nur noch die Frage nach dem sportlichen Sinn dieses Transfers. Wie ich bereits erwähnte, sehe ich Özil auch in der Nationalmannschaft eher als “Schönwetterspieler”. Irgendwas sehen die großen Trainer dieser Welt aber in ihn. Mourinho, Wenger und Löw – immerhin frischgebackener Weltmeistertrainer – können doch nicht alle irren?
Im direkten Vergleich würde wahrscheinlich kaum jemand von den großen Trainern behaupten, Shaqiri wäre stärker. Somit würde der Transfer sportlich gesehen Sinn machen.

Das es zu einem Überangebot an Superstars kommt, oder besser gesagt für neue Unruhe sorgt, sehe ich erst einmal nicht.
Mesut Özil wird im ersten Halbjahr nicht in der Champions League spielen können. Und er wäre wahrscheinlich deutlich zurückhaltender, als es Shaqiri in der Vergangenheit war, wenn er auf der Bank sitzen würde.

Sollte im nächsten Jahr auch noch Marco Reus hinzukommen, könnte die erste und zweite Offensivreihe wie folgt aussehen:

Müller
Reus – Özil – Götze
oder Lewandowski
Ribery – Thiago – Robben

Wobei es sich hierbei sicherlich verbietet, von “erster” und “zweiter” Reihe zu sprechen. Und taktische Spielereien sind natürlich ebenfalls außen vor.

Auf jeden Fall darf man heute Abend gespannt sein. Nicht nur weil es das erste Champions League Spiel der Saison ist und es gegen Manchester City geht, sondern auch, was die Vorab- und Halbzeit Gespräche betrifft. Natürlich erwartet man von den Reportern, dass sie Matthias Sammer darauf ansprechen werden und versuchen, neue Informationen zu bekommen.

Die Flitzer Zensur

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Im Rahmen des UEFA Supercups zwischen Real Madrid und FC Sevilla war es mal wieder soweit.
Als TV-Zuschauer sah man auffällig lang die Menschen im Stadion und die Auswechselspieler am Rande des Spielfeldes. Der Kommentator Bela Rethy klärte dann verbal auf, wie er es nannte. Ein Flitzer rannte über das Spielfeld und die UEFA hält an der Vorgehensweise fest, diese Spielunterbrechung nicht zu thematisieren.

Das Thema hatten wir ja erst vor ein paar Wochen. Während der Weltmeisterschaft zeigte man uns gern die feiernden Fans in lustigen Kostümen. Beliebt waren auch die schönen Frauen, in der Regel mit großen Brüsten.
In der Bundesliga sind es eher die biertrinkenden Männer, leider auch gelegentlich mit großen Brüsten, ausgestrecktem Mittelfinger oder, je nachdem wie spannend es ist, auch mal gähnend.
Diese Zuschauer-Impressionen haben in den meisten Fällen noch viel weniger mit dem Spielgeschehen zu tun, als ein Flitzer. Der unterbricht das Spiel mit seiner Aktion und könnte zumindest theoretisch auch die Konzentration der Aktiven stören.

Machen wir uns nichts vor. Natürlich stecken die Fussball-Profis eine solche Unterbrechung in der Regel weg, ohne das sie in der nächsten Situation völlig unkonzentriert über den Platz rennen.
Als Zuschauer will man aber eben alles sehen. Nicht nur die 500. Wiederholung einer Schwalbe, eingefangen mit der Super-HD-Super-Mega-Slow-Motion-Kamera inklusive Lupe und 3D-Animation, sondern eben auch, wenn einer in hässlichen Unterhosen über den Platz rennt und Chrissiiiii Ronaldo abknutschen will.
Letztendlich gehört es zum Sport dazu, nicht nur im Fussball, wie man auf dem Bild (oben links) sehen kann.

Seitens der FIFA und der UEFA mag man gebetsmühlenartig wiederholen, dass man diesen Flitzern keine Bühne bieten und somit Trittbrettfahrern die Motivation nehmen möchte. Aber der Erfolg dieser Vorgehensweise liegt ja auf der Hand, wenn man sieht, wie lange dies schon die gängige Methode ist und trotzdem gibt es immer wieder Menschen, die es bis auf das Spielfeld schaffen.
Verständnis hätte ich dafür, wenn man die Bilder nicht live zeigt. Ich muss es auch nicht in Großaufnahme sehen, wenn sich einer Werbung für eine Internetseite auf den Bauch pinselt und dann für 5000 Euro ein Stadionverbot in Kauf nimmt. Aber man kann es direkt danach zeigen. Und notfalls sogar verpixeln.

Auch die DFL äußerte sich während der Weltmeisterschaft und nannte dieses Vorgehen eine “Zensur”, die so im Bundesliga-Alltag nicht stattfinden wird.
Gut so, denn wir übernehmen derzeit schon das fragwürdige Freistoß-Spray. Man muss den großen Verbänden nicht alles blind nachmachen. Ansonsten müssten wir demnächst auf die gähnenden Biertrinker-Impressionen verzichten und dürfen auch nur noch junge, dynamische und schöne Menschen zeigen, die weltweit das Bild vermitteln sollen, Fussball wäre einfach total hipp, modern und selbstverständlich läuft immer alles total glatt.

 

Bild: „MIT streaker at HarvardYale game“ von Alex Kehr – originally posted to Flickr as #367. Lizenziert unter CC BY 2.0 über Wikimedia Commons.

Toni Kroos wechselt zu Real Madrid

Toni Kroos Real Madrid Wechsel

Während einer Weltmeisterschaft beschäftige ich mich eigentlich nicht so gern mit Vereinsthemen. Während dieser paar Wochen muss der Verein eigentlich ruhen und man sollte sich darauf konzentrieren, dass die Nationalmannschaft ein gemeinsames Ziel verfolgt.
Dieses Prinzip der strikten Trennung lässt mich bei einem Hummels-Tor jubeln. Oder ernsthaft darüber nachzudenken, warum Jogi Löw nicht Kevin Großkreutz einwechselt.

Der anstehende und sehr wahrscheinliche Wechsel von Toni Kroos vom FC Bayern München zu Real Madrid lässt mich aber noch einmal kurz abschweifen…

Ich denke, dieser Wechsel ist eine gute Sache für alle Beteiligten. Toni Kroos ist ohne Zweifel ein guter Spieler, trotzdem fällt es mir schwer, so richtig warm mit Kroos zu werden.
Vor einigen Wochen giftete er einen Journalisten auf einer DFB-Pressekonferenz an. Der wollte ihn eigentlich für eine gute Leistung loben, Kroos hingegen verstand es im gleichen Atemzug als Kritik für seine vergangenen Auftritte.
Obwohl der Journalist mir kurz leid tat, denn er hatte es tatsächlich positiv gemeint, freute ich mich über die gezeigten Emotionen von Kroos.
Wie emotional er sonst so wirkt, zeigt vielleicht sein Tweet von gestern Abend:

Nichts dagegen, dass Toni Kroos sich für Dirk Nowitzki und Roger Federer freut. Absolut gar nicht. Aber in seiner einzigen Wortmeldung setzt er die Vertragsverlängerung des Basketballers, die gefühlt 222. Finalteilnahme von Federer und seinen eigenen Erfolg im Viertelfinale der WM irgendwie auf eine Stufe.

Auch auf dem Platz fehlen mir bei Kroos häufig die Emotionen. Nach einer vergebenen Chance, nach einem Foul, Toni Kroos wirkt ein bisschen wie die Schauspielerin Kristen Stewart, die auch mit nur einem Gesichtsausdruck auskommt.
Sicherlich kann er dafür gar nichts und es könnte einfach nur seine Art sein. Als Zuschauer bekommt man allerdings den Eindruck vermittelt, er wäre ein unbeteiligter Söldner und man wird, wie beschrieben, deswegen nicht warm mit ihm, obwohl man ich es eigentlich immer gern wollte.

Unterm Strich, da kommen wir wieder zurück zum anstehenden Transfer, gewinnen alle Beteiligten.
Der FC Bayern nutzt die letzte Chance noch eine Ablösesumme zu bekommen und muss sich nicht eine ganze Saison lang fragen lassen, was nun mit dem Spieler passiert. Toni Kroos hat mit Madrid bestimmt keine ganz schlechte Wahl getroffen und kann nun seine Zukunft in Spanien planen. Und Real Madrid bekommt seinen Spieler sofort und nicht irgendwann im nächsten Jahr.

Toni, ich werde Dein elegantes Streicheln Deiner Haarsträhne und Deine Querpässe beim FC Bayern München vermissen. Bei jedem misslungenen Seitenwechsel werde ich die Vertragsauflösung verfluchen. Aber Spaß beiseite. Auch wenn die offizielle Bestätigung noch fehlt, wünsche ich Toni Kroos alles Gute…zumindest in Spielen, in denen es nicht gegen den FC Bayern geht.