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Platini: Spielen oder Sperre!

Vor einiger Zeit hat UEFA-Präsident Michel Platini bereits schon einmal für Kopfschütteln gesorgt, als er davon sprach, Franck Ribery könnte gesperrt werden, wenn er sich weigert für die französische Nationalmannschaft zu spielen.
Nicht wenige Fans fragten sich danach, ob dies wirklich möglich sei.

Ja, es gibt diese Möglichkeit tatsächlich. Und sicherlich wurde diese Regel ursprünglich zum Schutz der Spieler in die Statuten aufgenommen. Es vermeidet nämlich eine Diskussion zwischen Arbeitnehmer (Spieler) und Arbeitgeber (Verein). Nominiert der nationale Verband einen Spieler für ein Länderspiel, hat dieser zu erscheinen, unabhängig davon, ob es dem Verein gerade nicht passt.

Als Platini zum ersten mal davon sprach, empfand ich es als respektlos gegenüber einem Nationalspieler. Ich hatte noch die Hoffnung, er würde es später aufklären und davon sprechen, er hätte nur die offiziellen Statuten erklären wollen.
Aber nein, ganz im Gegenteil. Im Interview mit BILD.de wiederholt er die Drohung sogar noch einmal:

Franck Ribéry kann nicht einfach selbst entscheiden, ob er für Frankreich spielt oder nicht. Wenn Trainer Didier Deschamps ihn einlädt, muss er zur Nationalmannschaft kommen. Das ist in den Fifa-Statuten festgelegt. Wenn er nicht kommt, wird er für drei Spiele mit Bayern München gesperrt. Ich verstehe ihn ohnehin nicht. Er ist Franzose, die EM findet 2016 in Frankreich statt, nicht in Polen. Da muss er doch spielen wollen.
Michel Platini

Was anfangs noch respektlos war, entwickelt sich durch diese erneute Aussage zu einem Skandal. Das der zweitmächtigste Mann im Fussball den Rücktrittswunsch eines Nationalspielers nicht akzeptiert und förmlich dazu auffordert, man solle ihn dazu zwingen, kann kein vernünftiger Fussballfan so akzeptieren und hinnehmen.
Noch vor einiger Zeit haben wir über die Aussagen von Christoph Kramer diskutiert, der vom modernen Menschenhandel im Fussball sprach. Hier haben wir ein Paradebeispiel dafür vorliegen, dass einem Profi jegliche Entscheidungsgewalt entzogen werden soll. Und warum? Weil Platini kein Verständnis für dessen Entscheidung hat. Kopfschütteln. Entsetzen. Und Dankbarkeit dafür, dass Michel Platini nicht den Mut hatte, gegen Sepp Blatter bei der Wahl zum FIFA-Präsidenten anzutreten. Das wäre nämlich eine Reise vom Regen in die Traufe gewesen.

In keiner UEFA-Regel steht, man wird für Eigentore gesperrt. Also sollte Michel Platini sich bewusst machen, dass Menschen sich irgendwann wehren werden, wenn sie unterdrückt und zu etwas gezwungen werden. 
Vielleicht nicht im aktuellen Fall um Franck Ribery, aber wenn diese Vorgehensweise Schule macht, wäre so eine Reaktion nicht nur nachvollziehbar, sondern auch denkbar.

Ironische Randnotiz? In den meisten Artikeln zum Thema wird ein Bild von Platini verwendet, auf dem er bei einer Pressekonferenz spricht. Im Hintergrund die Werbetafel mit dem UEFA-Slogan “Respect”.

Champions League Sperre für Franck Ribery?

Ribery ohrfeigt Gegenspieler

Wie die UEFA mitteilte, wolle man den Bericht der Schiedsrichter abwarten und dann entscheiden, ob Franck Ribery eine Sperre für seine Ohrfeige im CL-Halbfinale bekommt.

Auch mit der tiefroten Fan-Brille auf der Nase muss ich sagen, dass eine Sperre über 2-3 Spiele mehr als gerecht wäre und irgendwo auch im Sinne des Vereins ist. Dies allerdings unter dem Vorbehalt, dass im Vorfeld keinerlei fragwürdigen, verbalen Provokationen stattgefunden haben. Ich will diese Dinge nicht beim Namen nennen, denn ich gehe davon aus, dass es nicht so war.

Völlig egal ob der Rückstand oder nicht. Franck Ribery muss seine Emotionen in dieser Situation im Griff haben. Es ist nicht nur ein weltweiter Image-Schaden, es ist auch noch eine knallharte Ohrfeige für seine Mitspieler, wenn die wegen einer so dummen Aktion die komplette zweite Halbzeit in Unterzahl spielen müssen.
Kaum auszudenken, wie hoch die Niederlage bei gleich zwei Platzverweisen ausgefallen wäre, denn auch Boatengs Finger hat nichts im Gesicht des Gegenspielers zu suchen.

Das beide Spieler deswegen keine öffentliche Rüge kassiert haben, liegt wohl in der Niederlage begründet. Man wollte scheinbar nicht noch zusätzlich drauftreten.

Carvajal muss man in dieser Situation anrechnen, dass er sich nicht hat theatralisch fallen lassen, wie es wohl zahlreiche andere Spieler in der Situation gemacht hätten.
Obwohl, eigentlich schlimm genug, dass man Ehrlichkeit mittlerweile als respektable Reaktion bezeichnen muss. In Zeiten wo Spieler aber Trikotzupfer vier Überschläge machen, bei einem Finger in Gesicht auf dem Boden rollen, als hätte man ihnen gerade mit dem Baseballschläger den Kiefer zertrümmert, ….muss man das tatsächlich lobend erwähnen.

Wut und Temperament sind völlig in Ordnung. Es wäre aber sicherlich ein schöneres Spiel geworden, wenn Ribery sie hätte in Torschüsse umgesetzt, anstatt Ohrfeigen im Strafraum zu verteilen.

Bild: ZDF Screenshot

Spielt Ribery im CL-Finale?

Am 18. Mai soll das endgültige Urteil über die Sperre von Franck Ribery. “Wir können es nach wie vor nicht nachvollziehen, dass dieses Foulspiel als Tätlichkeit gewertet wird…”, so Karl-Heinz Rummenigge auf der Vereins-Homepage.

Ich habe schon während des laufenden Spiels nicht verstanden, warum es dafür “Rot” gab. Eine gelbe Karte, damit konnte man rechnen – aber rot?
Das dann auch noch eine 3-Spiele-Sperre ausgesprochen wurde, war schon hart.

Allerdings muss man sich auch die Frage stellen, ob Franck Ribery momentan überhaupt in der Verfassung ist, für den FCB im Finale eine Verstärkung zu sein. Er schien mir in den letzten Spielen nicht so, als stecke er den Skandal um seine Person ohne weiteres weg. Auf der Meister-Feier allerdings schien er wieder gelöster, auch wenn er von den Fan-Sympathien überraschend emotional betroffen war.
Auf der anderen Seite gehört es natürlich zum Vertragspoker um Ribery. Der FC Bayern setzt hier ein Zeichen für den Spieler, dessen Traum es ist, im Finale zu spielen.

Rummenigge schätzte die Chancen, dass das Urteil revidiert wird, auf 50:50 ein. Diese Einschätzung beinhaltet natürlich auch ein wenig Politik. Am 18. Mai werden wir es denn endgültig erfahren.